Biberist
Die Papierfabrik kommt nicht zur Ruhe

Die Papieri Biberist erfährt dank der neuen Besitzerin eine ungewohnte Nutzung. Am Montag und heute ist auf dem Gelände die Militärpolizei im Einsatz.

Christof Ramser
Drucken
Teilen
Militärpolizei im Einsatz
12 Bilder
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei auf dem Areal der Papierfabrik Biberist im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz
Militärpolizei im Einsatz

Militärpolizei im Einsatz

Manuel Stettler

Nur mit viel Glück gelange ich in den äusseren Ring. Eigentlich ist der Zaun rund um das Areal der Papieri bereits hermetisch abgeriegelt. Die Teilnehmer der europäischen Sicherheitskonferenz wollen sich ungestört zu Geheimgesprächen treffen. Weil ich aber zivil unterwegs bin und unauffällige Kleidung trage, lassen mich die Wachmänner passieren. Jetzt stehe ich vor dem inneren Ring.

Bauzäune und schwarze Blachen schirmen die Nachrichtendienst-Chefs der Bundespolizei und Armee ab. Thomas Armbruster, Kommandant der Militärpolizei, steht breitbeinig vor dem Zaun. Das Funkgerät krächzt. «Der Auftrag ist klar: Wir müssen die Konferenzteilnehmer schützen.» Die Militärpolizei ist mit 400 Mann (und vier Frauen) vor Ort einquartiert. «Die Lage ist heikel.»

Gestellte Szenerie

Das Drehbuch ist fiktiv, die Szenerie auf dem Papieri-Areal gestellt. Auslöser ist die Bataillonsübung «Paper» der Militärpolizei. Die Bereitschaftsformation der Armee kommt zum Einsatz, wenn wichtige Personen geschützt werden müssen – zuletzt etwa französische Generäle beim Frankofoniegipfel 2010 in Montreux. Oder sie stellt bei schweren inneren Bedrohungen mit Grenadieren den Ordnungsdienst sicher. Kommandant Armbruster gibt einen Überblick über den Verlauf der Übung: Der Konflikt zwischen Orangeland und Grünland ist eskaliert. Auch in der Schweiz kommt es zu Anschlägen, Tötungen und gewalttätigen Kundgebungen. Terroreinheiten der verbotenen Partei Pro Orange sind im Raum Biberist aktiv. Nun wollen Demonstranten den Konferenzteilnehmern, die per Helikopter eingeflogen worden sind, eine Petition überreichen.

«Wir sind friedlich, was seid ihr?». Die Parolen der Demonstranten branden an die Schutzschilder der Grenadiere. Mit vorgehaltenem Transparent versuchen die Störer immer wieder, die bewaffneten Militärpolizisten zurückzudrängen. Nach Verhandlungen mit dem Kommandanten werden sie schliesslich vorgelassen, um den VIPs die Petition zu übergeben. Als sie sich weigern, wieder abzuziehen, eskaliert die Situation. Steine und Farbbeutel fliegen. «Eine Herausforderung für das Bataillon, und eine geeignete Übung», sagt Armbruster. Etwas auf die Sprünge helfen müssen die Vorgesetzten ihrer Mannschaft, als den Konferenzteilnehmern eine Schwarzwäldertorte vom Pralino-Beck überreicht wird. «Untersucht die Torte doch mal mit dem Metalldetektor», raten die Chefs durch die Blume. Zum Glück sind darin statt einer Bombe bloss Kisag-Patronen und Kabel versteckt.

Schützt vor Zerfall

Für die HIAG Immobilien, die die stillgelegte Papierfabrik von der Sappi gekauft hat, ist die Armee auf dem Areal willkommen. «Es ist eine gute Möglichkeit, das Gelände zwischenzeitlich zu beleben», sagt Jörn Schmidt, Leiter Produktion und Technik bei der HIAG und zuständig für den Betrieb des Geländes. Seit Juli 2012 hat unter anderem die Hundestaffel der Kantonspolizei eine Übung absolviert. Kürzlich wurden Militärs von Helikoptern abgeseilt. «Bis im Herbst 2013 haben wir Anfragen von verschiedenen Militär- und Polizeieinheiten», so Schmidt. Das generiere Interesse und schütze vor Zerfall: Weil die Einheiten oft 24 Stunden anwesend sind, könnten sie Einbruch oder Vandalismus vorbeugen. Ein neues Geschäftsmodell sei die Vermietung an Armee oder Polizei für die HIAG aber nicht, wie Schmidt sagt. «Sobald andere Nutzer für das Areal bereitstehen, haben diese den Vorrang.»

Auch heuteDienstag geht es in der alten Papieri noch einmal hoch her. Gummigeschosse ploppen, per Helikopter entert die Berner Sondereinheit Enzian das Gelände, und ein Radschützenpanzer rammt eine Autoblockade aus dem Weg. «Das Gelände ist ideal zum Üben», sagt Kommandant Armbruster. «Es ist gross, wir stören keine Spaziergänger und machen wenig kaputt.» Auch wenn die Maschinen der Fabrik längst stillstehen; zur Ruhe kommt die alte Papieri noch lange nicht.

Aktuelle Nachrichten