Oensingen
Der unauffällige Formel-1-Pilot, der anderswo Schlagzeilen macht

Der Formel-1-Rennfahrer Adrian Sutil wurde von einem Gericht verurteilt, weil er mit einem Glas einen anderen attackiert hat: Was weiss man eigentlich am Wohnort Oensingen über den verurteilten Formel-1-Fahrer?

Alois Winiger
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Adrian Sutil: Der Formel-1-Fahrer wohnt in Oensingen

Adrian Sutil: Der Formel-1-Fahrer wohnt in Oensingen

az/Key

Man kennt es: Auswärts wird mehr Aufhebens gemacht als am Ort selber. So ist es auch im Fall des Formel-1-Piloten Adrian Sutil. Nachdem er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden ist, tauchte nicht nur sein Name in allen Medien auf, sondern auch sein Wohnort: Oensingen. Dort weiss man zwar, dass er im Dorf wohnt, aber man nimmt kaum davon Kenntnis. «Wie auch? Man sieht ihn ja nie», tönt es übereinstimmend bei einer Umfrage. Bei Pius Schwizer sei das anders, da erinnere jedes Pferd und jeder Pferdetransporter daran, dass ein Springreiter der Spitzenklasse in Oensingen wohnt. Wobei dies jedoch bereits nicht mehr zutrifft, denn Schwizer ist vor Kurzem in Luzernische weggezogen. Immerhin scheinen sein Team und die Pferde noch immer bei Armin Uebelhard in der Äusseren Klus zu sein. Und Schwizer war mehr als einmal an einem öffentlichen Anlass im Ort anzutreffen.

Sutils Anwesenheit hingegen wird nur indirekt, will heissen, durch die Autoscheibe hindurch wahrgenommen. Hauptsächlich von Anwohnern der Schlossstrasse. Zumindest gehen die Leute davon aus, es sei Sutil, der in einem sportlich gestylten Aud gesittet vorbeirollt in Richtung Schloss Neu Bechburg. Dort oben wohnt er nämlich seit 2007, aber natürlich nicht im Schloss, sondern dahinter, im Schlosshof. Der Ursprung des stattlichen Bauernhauses geht ins Jahr 1846 zurück, steht seit 2004 unter Denkmalschutz, wurde anschliessend saniert und gilt seither als ein echtes Bijou. Auf dieses Logis gekommen ist Sutil durch die Enkelin seines Managers, wie der Rennfahrer einmal bekannt gab. Dort oben, abgeschirmt durch den Schlosshügel und die mächtige Burg scheint Sutil ungestört leben zu können. Hie und da wird er von Joggerinnen oder Wanderern gesichtet, aber damit hat es sich.

Doch halt: Einmal hat er sich offiziell gezeigt, wenn auch an einem geschlossenen Anlass. Dorjee Phuntsok konnte Adrian Sutil dafür gewinnen, die Tagesstätte Mittelpunkt in Oensingen zu besuchen (wir berichteten). Völlig unkompliziert, ohne Berührungsängste und mit viel Herzlichkeit ist der Anlass abgelaufen. Sutil setzte sich spontan ans Klavier und spielte darauf, dass die Leute nur so staunten. Adrian Sutil hat eben, wie man seinem Lebenslauf entnehmen kann, auch ein grosses musisches Talent. Schliesslich ist seine Mutter Pianistin, sein Vater Bratschist. Mit 14 Jahren habe Adrian Kontakt bekommen mit dem Motorsport, der ihn dann stärker faszinierte.

Was sagen die Leute in Oensingen zum Verhalten von Adrian Sutil, das ihm nun eine Verurteilung eingebrockt hat und zumindest vorerst den Job als Formel-1-Pilot gekostet hat? «Er wird es verdient haben», sagen die einen. Ganz anderer Meinung ist Dorjee Phuntsok: «Ich habe Adrian Sutil als sehr feinfühligen, ehrlichen Menschen kennen gelernt. Ich glaube einfach nicht, dass er gewalttätig geworden sein soll. Ich halte dies für eine aufgebauschte Inszenierung durch die Medien.»

Daran gedacht, den Autorennfahrer zu einem Anlass von «Oensingen bzw. Schweiz bewegt» einzuladen, hat man in dessen Organisationskomitee, wie dessen Mitglied Bruno Heiniger berichtet. «Das ist jetzt eine neue Situation. Wir werden zusehen, wie sie sich entwickelt.» Gut möglich, dass dem Vorfall schon bald ebenso wenig Beachtung geschenkt wird wie der Tatsache, dass Adrian Sutil in Oensingen wohnt.

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