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Ausgedient? Von wegen! – Telefonkabinen sind zu neuem Leben erwacht

In der Region sind bereits alle Telefonkabinen verschwunden. Einige sind jedoch durch kulturelle Nutzungen zu neuem Leben erwacht.

Simon Berger
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Als Bücherschränke wie hier in Olten werden viele Telefonkabinen genutzt.
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Auch als Rätselbox eine gute Alternative.
Auf Knopfdruck spuckt die Box Rätselfragen im Zusammenhang zum Schriftstellerweg aus.
Telephonkabine

Als Bücherschränke wie hier in Olten werden viele Telefonkabinen genutzt.

Bruno Kissling

Eigentlich hatte die letzte Stunde der Telefonkabine am Klosterplatz in Olten bereits geschlagen. So wie bei vielen in der Schweiz. Seit dem Siegeszug des Mobiltelefons ist die Zahl öffentlicher Telefonzellen von 10 800 Stück im Jahr 2000 auf gegenwärtig 1 300 gesunken. «In den Solothurner Vorwahlkreisen 062 und 032 sind die Publifone bereits abgebaut», sagt Esther Hüsler vom Mediendienst der Swisscom. «Der Vorwahlkreis 061 folgt im nächsten Frühjahr.» Doch obwohl das gute alte Publifon ausgedient hat, bleibt seine Hülle an manchen Orten im Kanton bestehen. So wie am Klosterplatz in Olten.

Die Telefonzelle war bereits zum Abriss freigegeben. Doch der Verein Olten Tourismus zeigte Interesse. «Die Telefonkabine war eine gute Erweiterungsmöglichkeit für unseren Schriftstellerweg», sagt Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus. Der Schriftstellerweg mit seinen 40 Hörstationen beglückt Literaturfans mit zwei- bis vierminütigen Geschichten. «Die Telefonzelle ist ideal gelegen und sorgt für gute Besucherfrequenzen.»

Der frühere Betreiber Swisscom überliess die Telefonkabine der Stadt Olten, die dann eine Nutzungsvereinbarung mit dem Verein Olten Tourismus abschloss. Öffnet man nun die Türe der «Rätselkabine» ertönt eine vierminütige Geschichte, vorgelesen von der Oltner Poetry Slammerin Lisa Christ. «Herzstück der Kabine ist aber die Rätselbox», sagt Ulrich. Auf Knopfdruck spuckt die Box Rätselfragen im Zusammenhang zum Schriftstellerweg aus. Die erfolgreich ausgefüllten Zettel können im Tourismusbüro in Olten abgegeben werden. Als Gegenleistung gibt es Glacegutscheine, Schreibblöcke und Bleistifte. «Die Leute haben Freude an der Kabine und finden es eine innovative Sache», berichtet Ulrich.

Für Bücherschränke perfekt

Nicht nur in Olten werden die Kabinen für kulturelle Zwecke genutzt. Die leere Kabinenhülle eignet sich bestens für öffentliche Bücherschränke. In Egerkingen, Hofstetten, Lostorf und Hubersdorf wurden solche bereits realisiert. Auch am BLS-Bahnhof in Biberist könnte demnächst die Telefonzelle als Bücherschrank genutzt werden. «Die Idee wäre, dass die Zugpassagiere während der Fahrt etwas zum Lesen haben», sagt Nicolas Adam von der Bauverwaltung Biberist. Noch in diesem Jahr soll entschieden werden, was genau mit der alten Telefonzelle geschehen soll.

Auch in der Solothurner Weststadt tut sich was. «Eine Quartierbewohnerin informierte mich darüber, dass die Telefonzelle bei der Post Allmend frei wird», sagt Regula Aepli, Quartierarbeiterin Solothurn West. Zusammen mit zwei Quartierbewohnerinnen hat Aepli einen Aufruf an die Quartierbevölkerung gemacht, um Ideen für die weitere Nutzung der Telefonkabine zu sammeln. Das Bedürfnis nach einem Bücherschrank dominierte die Rückmeldungen. Eine 25-köpfige Gruppe von Quartierbewohnern setzt das Projekt zurzeit in die Realität um. «Meine Aufgabe als Quartierarbeiterin ist es, Initiativen der Bewohner aufzunehmen und zu unterstützen», beschreibt Aepli ihre Arbeit. Der Bücherschrank wird am 14. Januar 2019 eröffnet.

Laut der Swisscom wurden schweizweit 250 Telefonzellen kulturell umgenutzt. Diese Projekte von Einwohnern, Gemeinden und Interessensgemeinschaften lassen die alte Ikone zu neuem Leben erwachen.

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