Geschäftsjahr 2012
1 Million im Minus: Kebag schreibt erstmals rote Zahlen

Zum ersten Mal überhaupt schliesst das Geschäftsjahr der Kehrichtbeseitigungs-AG mit einem finanziellen Verlust von einer Million Franken ab. Dies, obwohl die Kebag im letzten Jahr die zweithöchste Abfallmenge in ihrer Firmengeschichte entsorgte.

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Kebag Zuchwil hat 2012 219‘613 Tonnen Abfall entsorgt.

Kebag Zuchwil hat 2012 219‘613 Tonnen Abfall entsorgt.

mt Archiv

Das Problem lag darin, dass bis im Herbst nur ein kleiner Teil der Energie, die bei der Kehrichtverbrennung freigesetzt wurde, genutzt werden konnte. Der grösste Teil wurde vernichtet, brachte also keine Einnahmen. Die Gründe dafür sind bekannt: Mit der Schliessung der Borregaard Riedholz und der Sappi Biberist verlor die Kebag innert kurzer Zeit ihre beiden grössten Energieabnehmer.

Kebag

Die Kebag in Zuchwil ist eines der insgesamt 29 Kehrichtheizkraftwerke in der Schweiz. Sie entsorgt die brennbaren Siedlungsabfälle aus 206 Gemeinden der Kantone Bern und Solothurn mit total 475‘000 Einwohnern. 155 der angeschlossenen Gemeinden sind die Aktionäre der Kebag. (mgt)

Der Energienutzungsgrad, der zu den besten Zeiten über 70 Prozent betrug, sackte auf rund 19 Prozent ab.

Das Budget 2012 rechnete sogar mit einem Verlust von rund 5 Millionen Franken. Das es nicht ganz so schlimm kam, liegt daran, dass die Kebag im letzten Jahr (vor allem im extrem kalten Februar 2012) mehr Fernwärme verkaufen und ab Herbst mit der neuen Turbine bereits mehr Strom produzieren konnte als erwartet.

Die Kebag ist wieder auf Kurs

Abgesehen von den negativen Zahlen konnte Kebag-Direktor Markus Juchli am Donnerstag den Aktionären an der Generalversammlung in Langenthal nur Erfreuliches berichten: Im Oktober 2012 wurde die neue Hochdruck-Kondensations-Dampfturbine in Betrieb genommen. Seither kann die Kebag, soweit technisch überhaupt möglich, wieder 100 Prozent der Energie aus der Abfallverbrennung nutzen. Die Stromproduktion beträgt nun rund 175‘000 MWh pro Jahr. Dies entspricht dem Strombedarf von 40‘000 Einfamilienhäusern.

50 Prozent des Stroms, der in der Kebag hergestellt wird, gilt als erneuerbar - damit ist die Kebag heute einer der grössten regionalen Produzenten von Strom aus erneuerbaren Quellen.

Zudem konnten die Fernwärmenetze, die von der Kebag gespiesen werden, weiter ausgebaut werden. Neu ist neben Solothurn/Zuchwil und Luterbach auch Derendingen ans Netz angeschlossen. Rund 60 Prozent der maximal möglichen Fernwärmeleistung wird heute ausgeschöpft - der Bau weiterer Leitungen wird vorangetrieben.

Auch die Rückgewinnung von Zink aus dem Kehricht ist auf Kurs: Mit dem Flurec-Verfahren kann die Kebag das wertvolle Metall aus der Flugasche zurückgewinnen. Pro Jahr kann mit der Anlage rund 350 Tonnen reinstes Zink zurückgewonnen werden. Im vergangenen November erhielt die Kebag zusammen mit ihrer Partnerin, der BSH Umweltservice AG, für dieses innovative Verfahren den Innovationspreis InnoPrix SoBa (wir berichteten).

Dank diesen positiven Zukunftsaussichten muss der Preis für die Kehrichtverbrennung nicht erhöht werden. Mit einem Verbrennungspreis von 125 Franken pro Tonne ist die Kebag nach wie vor die günstigste Verbrennungsanlage im Mittelland. Der Durchschnittspreis aller schweizerischen Verbrennungsanlagen liegt derzeit bei 147 Franken pro Tonne.

Neue Anlage 2025

Ein Teil der Anlagentechnik der Kebag ist mittlerweile über 40 Jahre alt. Bis 2025 müssen die vier Ofenlinien ersetzt werden. In den nächsten Jahren werden deshalb keine Grossinvestitionen mehr getätigt. Die Kebag macht sich zum Ziel, die bestehenden Anlagen soweit zu unterhalten, dass der Betrieb bis 2025 sichergestellt werden kann. Dafür müssen in den nächsten 10 Jahren rund 20 Millionen Franken in den Werterhalt investiert werden.

Parallel dazu muss die Neuanlage der Kebag geplant werden. Ein Projektteam aus Geschäftsleitung, Verwaltungsrat und externen Spezialisten wird in den nächsten Monaten die Rahmenbedingungen erarbeiten.
In einem ersten Schritt wird geklärt, ob die bestehende Anlage erneuert und/oder erweitert werden soll, oder ob ein kompletter Neubau sinnvoller ist. Im zweiten Fall müsste der neue Standort bestimmt werden. Zudem will das Team klären, welche technischen Voraussetzungen die neue Anlage erfüllen soll - und welche Technologien überhaupt zur Verfügung stehen.

Momentan wird für den Ersatz mit Gesamtkosten von 300 bis 400 Millionen Franken gerechnet. Baubeginn ist voraussichtlich im Jahr 2022, so dass die neue Anlage 2025 in Betrieb genommen werden kann.

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