Gemeindepräsidium
Zwei Polit-Dinosaurier gehen: Eine Auslegeordnung im Thal ein Jahr vor den kommunalen Wahlen

Baustelle Gemeindepräsidium? Ein Jahr vor den Wahlen zeigt sich im Thal: Um das wichtigste kommunale Polit-Amt steht es nicht schlecht.

Yann Schlegel
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Er macht weiter: Edgar Kupper, Laupersdorf
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Er macht weiter: Pierino Menna, Balsthal
Er macht weiter: Kurt Bloch, Mümliswil-Ramiswil
Er tritt zurück: Urs Hubler, Holderbank
Er tritt zurück: Bruno Born, Aedermannsdorf
Sie tritt zurück: Theres Brunner, Welschenrohr
Noch offen: Stephan Joray, Gänsbrunnen.
Noch offen: Stefan Müller-Altermatt, Herbetswil
Noch offen: Marcel Allemann, Matzendorf

Er macht weiter: Edgar Kupper, Laupersdorf

Michel Luethi

Die politische Uhr tickt. Ein gutes Jahr dauert die aktuelle Legislaturperiode noch. Dann sind wieder vier Jahre um. Wieder geht es für die Gemeinden darum, die politischen Ämter zu besetzen. Gross ist in den Gemeinden nach wie vor die Bedeutung des Gemeindepräsidenten oder der Gemeindepräsidentin. Nur ist es oft nicht leicht, Freiwillige für das Exekutivamt unseres Milizsystems zu finden. Im Thal sind viele Gemeindepräsidenten seit mehreren Legislaturen im Amt. Auch wenn eine Gemeinde bei einem Rücktritt frühzeitig versucht, eine Nachfolge zu regeln, hapert es manchmal bei der Rekrutierung. Dies lehrt etwa das Beispiel Welschenrohr. Stefan Schneider verlängerte seine Amtszeit 2017, weil die Gemeinde in der Not war und niemanden für das Präsidium finden konnte. Erst im letzten Sommer fand sich mit Theres Brunner eine Nachfolgerin für das Amt.

In einer kantonalen Umfrage dieser Zeitung hatten vor den letzten Wahlen 58 Prozent der Gemeinden angegeben, dass es in den vergangenen zwölf Jahren schwieriger geworden ist, neue Exekutivmitglieder zu rekrutieren. Bloss 3 Prozent antworteten damals, die Aufgabe falle ihnen leichter. Deshalb bereits jetzt die Frage an die Amtsinhaber: Werden Sie 2021 wieder kandidieren und eine Amtsperiode anhängen?

Fragezeichen wegen bevorstehender Fusion

Im hinteren Thal ist die Antwort auf diese Frage noch schwierig zu beantworten. Denn es ist wahrscheinlich, dass die Gemeinden Welschenrohr und Gänsbrunnen vor den nächsten Wahlen im Frühling 2021 durch eine Fusion vereint werden. Der Bezirk Thal würde statt aktuell neun nur noch acht Gemeinden zählen. Bereits am 17. Mai soll die Urnenabstimmung stattfinden. Kommt die Fusion zu Stande, würden die Gemeinden entlastet, da sich gewissermassen aus zwei Gemeinderäten bloss ein neues Gremium bilden müsste. Gänsbrunnen bekundete als kleinste Thaler Gemeinde zuletzt Mühe, seine Ämter zu vergeben.

Die amtierenden Gemeindepräsidenten Stephan Joray (Gänsbrunnen) und Theres Brunner (Welschenrohr) befinden sich beide in ihrer ersten Legislatur. Mit 26 Jahren wurde Stephan Joray 2017 zum aktuell jüngsten Gemeindepräsidenten im Kanton. Knapp drei Jahre später verweist Joray auf die bevorstehende Fusion. Er lasse daher offen, ob und in welcher Form er seine politische Karriere fortsetzt. Für Jorays Amtskollegin Theres Brunner hingegen ist klar, dass sie sich auch im Gemeinderat der Fusionsgemeinde weiter engagieren möchte. «Ich bin noch relativ neu im Amt und lerne jeden Tag Neues dazu», schreibt Brunner. Sie habe als Gemeindepräsidentin nicht nur die gesetzlichen Grundlagen und Möglichkeiten einer Gemeinde kennen gelernt, sondern auch erfahren, was die Menschen in einem Dorf bewegt. Die Arbeit mache ihr Freude. «Aus der heutigen Warte werde ich mich auch wieder als Gemeindepräsidentin zur Verfügung stellen», so Brunner. Gut möglich also, dass die erste Welschenrohrer Gemeindepräsidentin ab 2021 die möglicherweise neu geschaffene Fusionsgemeinde in die Zukunft führt.

Holderbank:Nachfolge-Suche eingeleitet

Zwei weitere Thaler Gemeindepräsidenten haben sich gut ein Jahr vor den Wahlen noch nicht festgelegt. Stefan Müller-Altermatt zeigt sich tendenziell nicht abgeneigt, weiterzumachen. «Ich habe mich noch nicht endgültig entschieden, kann mir aber vorstellen, noch eine Amtsperiode anzuhängen», schreibt der Herbetswiler Gemeindepräsident, der erst im Herbst die Wiederwahl für den Nationalrat schaffte. Der Entscheid, ob er in der kommunalen Exekutive verbleibt, hänge davon ab, «wie gut wir in den laufenden Projekten der Gemeinde vorwärts kommen.» Unklar ist die Lage zudem in Matzendorf. Marcel Allemann will sich Anfang Herbst festlegen. Er übernahm die Geschicke der Gemeinde 2013 und befindet sich somit in der zweiten Amtsperiode.

Veränderungen bahnen sich dagegen in Holderbank und in Aedermannsdorf an. Urs Hubler wird im kommenden Jahr nicht mehr antreten. Auch Bruno Born kündigt auf Anfrage seinen Rücktritt an. Der gebürtige Balsthaler ging im Sommer vor zwei Jahren in Pension – schon bei den letzten Wahlen hatte Born kurz über einen Rücktritt sinniert, dann aber eine dritte Amtsperiode angehängt. Bereits seit 2007 befindet sich Urs Hubler in Holderbank im Amt. Auch der Holderbanker ging neulich in den Ruhestand und auf diesen hin will er auch sein politisches Engagement beenden. Nicht weil er müde sei, wie er sagt: «Wir haben immer ein wenig schwierige Versammlungen, wie ich im Austausch mit Amtskollegen bemerkte. Aber diese Herausforderung hat mir Spass gemacht.» Gerne hätte er «ein paar schöne Projekte», wie etwa die Immobilienstrategie, weiterhin begleitet, so Hubler. Doch nun ist er zuversichtlich, eine Nachfolge finden zu können. «Es sollte kein grosses Problem sein», sagt Hubler. Erste Personen habe er bereits kontaktiert.

Urgestein Kurt Bloch hängt Amtsperiode an

Kontinuität zeichnet sich in den drei übrig gebliebenen Gemeinden ab. Ganz besonders gilt dies für die erste Thaler Fusionsgemeinde Mümliswil-Ramiswil. Kurt Bloch ist unter den Gemeindepräsidenten das Urgestein schlechthin. Seit über zwei Jahrzehnten, genau gesagt seit 1998, führt er die Gemeinde. Genug hat Bloch noch nicht: Auch im kommenden Jahr will er sich wieder zur Wahl stellen.
Gleiches gilt für den Balsthaler Amtsinhaber Pierino Menna. Im Gegensatz zu Bloch steht Menna als Erbe von Roland Stampfli in seiner ersten Legislatur. Sein Hunger auf Lokalpolitik ist ungebrochen gross: «Ich werde sicher wieder kandidieren», sagt Menna. Wenn möglich würde er gerne drei Legislaturen als Gemeindepräsident absolvieren.

Auch der Laupersdörfer Kantonsrat Edgar Kupper will weiter auf kommunaler Ebene wirken. «In meiner siebenjährigen Tätigkeit haben die positiven Erfahrungen überwogen», sagt Landwirt Kupper. Zudem stünden wichtige Themen wie etwa die Ortsplanungsrevision bevor, die ihn motivieren würden und bei denen er von seiner Arbeit im Kantonsrat profitieren könne. «Als Bauer kann ich die zeitlichen Ressourcen gut einteilen.» Der Nährboden für das Milizsystem, scheint im Thal nicht allzu schlecht bestellt.

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