Herbetswil
Wird abgerissen: Die über 100-jährige «Wolfsschlucht» ist bald Geschichte

Das traditionsreiche Gasthaus «Wolfsschlucht» an der Thalstrasse in Herbetswil soll einem Garagenbetrieb mit Lagerhalle weichen.

Ervin von Arb
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Das ehemalige Restaurant Wolfsschlucht am südlichen Dorfeingang von Herbetswil soll schon bald abgerissen werden.

Das ehemalige Restaurant Wolfsschlucht am südlichen Dorfeingang von Herbetswil soll schon bald abgerissen werden.

Erwin von Arb

Sie gilt als Wahrzeichen für das Thal und für die Gemeinde Herbetswil. Gemeint ist damit die «Wolfsschlucht» an der Thalstrasse in Herbetswil, die mit ihrem Namen auch als Pseudonym für die gleichnamige Schlucht und das Thal als Wandergebiet steht. Nun sind die Tage der im Jahr 1900 erbauten Liegenschaft gezählt. Der neue Besitzer der «Wolfsschlucht» will das geschichtsträchtige Gasthaus abreissen, wie Gani Xhema stellvertretend für Besart Xhema aus Härkingen erklärt.

1000 m2 grosse Halle in Planung

Der Kosovare Besart Xhema hat laut Eintrag im Handelsregister am 12. Februar 2016 die Autodream GB GmbH mit Sitz am Risweg 1 in Härkingen gegründet. Als Firmenzweck wird der Verkauf, Reparatur und Tuning von Kraftfahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen sowie Handel mit Waren aller Art angegeben. Der für dieses Geschäftsfeld nötige Platz soll in Herbetswil offenbar geschaffen werden, indem nach dem Abriss der «Wolfsschlucht» etwas nach Norden versetzt, eine Autowerkstatt mit Lagerhalle gebaut wird, wie Gani Xhema erklärt. Halle und Garage sollen insgesamt eine Fläche von etwa 1000 m2 aufweisen. Die Pläne dafür seien in Arbeit. Der Baubeginn könnte gemäss Xhema bereits anfangs 2018 erfolgen.

Keine Begeisterung lösen diese Pläne bei Gemeindepräsident Stefan Müller aus. «Ich hätte mir natürlich schon gewünscht, dass das Restaurant weitergeführt wird, vor allem weil die Geschichte des Dorfs über lange Zeit auch in diesem Haus stattgefunden hat.» In Herbetswil gebe es bei der älteren Generation kaum jemanden, der nicht in der «Wolfsschlucht» ein Familienfest gefeiert oder an der Fasnacht einen Maskenball besucht habe.

Das vor über zehn Jahren geschlossene Restaurant Eisenhammer in Aedermannsdorf dient als Zwischenlager für alte Autos.

Das vor über zehn Jahren geschlossene Restaurant Eisenhammer in Aedermannsdorf dient als Zwischenlager für alte Autos.

Erwin von Arb

«Stück Dorfkultur geht verloren»

Ihm und auch vielen Leuten im Dorf blute das Herz beim Gedanken an den Abriss der «Wolfschlucht». «Ein Stück Dorfgeschichte verschwindet damit unwiederbringlich», sagt Müller emotional spürbar berührt. Vorbesitzer Peter Meier habe wohl einfach an den erst Besten verkauft, ereifert sich Müller um dann zu relativieren, dass die Bausubstanz wohl nicht mehr die Beste gewesen sei. Auch dass Meier lange Zeit versucht habe, den Restaurationsbetrieb als solchen zu retten, wollte Müller nicht an Abrede stellen.

Vorbesitzer Peter Meier aus Breitenbach wollte sich auf Anfrage nicht zum Verkauf der zwei Parzellen mit der Gesamtfläche von 4570 m2 äussern. Davon entfallen 3735 m2 auf jenes Landstück, auf welchem das Restaurant steht, 832 m2 auf den westlich daran angegliederten Parkplatz. Meier hatte das Areal samt «Wolfschlucht» vor rund 20 Jahren vom damaligen Wirte-Ehepaar Ursula und Erich Eckert käuflich erworben. Das Restaurant kam danach nie mehr wirklich zum Laufen. Als letzter Wirt in die Geschichte der «Wolfsschlucht» eingehen wird Thomas Fuchs, dessen Vertag im Juni 2015 auslief.

Ortsbild wahren

Nachdem nun klar ist, dass die «Wolfsschlucht» schon bald der Vergangenheit angehören wird, will Stefan Müller alles daransetzen, damit sich das Areal nicht in eine grosse und unansehnliche Ausstellungsfläche für Occasionsautos verwandelt. Ihm gehe es vor allem um die Wahrung das Ortsbilds, meint Müller mit Verweis auf den «Eisenhammer» in Aedermannsdorf, der mit alten Autos zugeparkt sei. «Solche Zustände wollen wir in Herbetswil auf keinen Fall.» Müller will nun das Gespräch mit Besart Xhema suchen.

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