Aedermansdorf
Windparkprojekt auf Stierenberg verzögert sich

Die Hydroelectra AG macht derzeit auf dem Matzendörfer Stierenberg Windmessungen für den geplanten Windenergiepark Scheltenpass. 40 Millionen Franken sollen investiert werden. Für die Planung braucht man nun aber mehr Zeit.

Erwin von Arb
Drucken
Teilen
Die 50 Meter hohe Windmess-Station auf dem Matzendörfer Stierenberg nahe dem gleichnamigen Restaurant auf dem Gemeindegebiet von Aedermannsdorf.

Die 50 Meter hohe Windmess-Station auf dem Matzendörfer Stierenberg nahe dem gleichnamigen Restaurant auf dem Gemeindegebiet von Aedermannsdorf.

Samuel Thomi

Auf dem Matzendörfer Stierenberg ragt ein 50 Meter hoher Mast in den Himmel. Aufgestellt wurde er von der Hydroelectra AG aus Heerbrugg, um Windmessungen für den auf dem Stierenberg und auf dem Erzberg geplanten Windenergiepark Scheltenpass zu machen. Allerdings herrscht beim im Jahr 2006 lancierten Projekt seit längerer Zeit Funkstille, wie der Aedermannsdörfer Gemeindepräsident Bruno Born erklärt.

Der letzte Kontakt der Hydroelectra AG mit der Gemeinde Aedermannsdorf, wo zwei der insgesamt vier projektierten Windenergieanlagen gebaut werden sollen, fand im Mai 2012 statt. Damals ersuchte das Unternehmen die Gemeinde um einen Grundsatzentscheid für das Windparkprojekt, um ein Nutzungsplanverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung einleiten zu können. Mit Blick auf die kritische Haltung der Thaler Bevölkerung gegenüber Windparks habe sich der Rat damals zu einem Ja durchgerungen, so Born.

Spärliche Kontakte zum Kanton

Rund eineinhalb Jahre liessen die Investoren des Windparkprojekts seit dem letzten Kontakt mit dem Kanton verstreichen, ehe sie sich letzte Woche wieder meldeten, wie Markus Schmid vom Amt für Raumplanung erklärt. Dabei ging es um eine Anfrage bezüglich der Berechnung der Lärmausbreitung von Windenergieanlagen. Diese Daten sind Bestandteil der vom Kanton verlangten Umweltverträglichkeitsprüfung.

Wichtig sind diese Daten, weil es im geplanten Windpark bewohnte Gebäude gebe, bemerkt Stephan Schader vom Amt für Umwelt mit Verweis auf das Restaurant Matzendörfer Stierenberg und Gebäude auf dem Erzberg. Weiter vorlegen müssen die Betreiber des Windparks einen Zonenplan, einen Gestaltungsplan, einen Erschliessungsplan und eine Nutzungsplanung. Das Projekt muss zudem den Vorgaben im kantonalen Richtplan entsprechen.

Komplexe Planung braucht Zeit

Alle diese Hürden will die Hydroelectra AG nehmen, wie Geschäftsführer Peter von Rotz betont. Allerdings brauche man mehr Zeit für die sehr komplexe Planung des mit rund 40 Mio. Franken veranschlagten Windparks. «Eigentlich wollten wir die geforderten Unterlagen zur Nutzungsplanung samt Baugesuch bereits diesen Herbst einreichen», sagt von Rotz. Die rasante Entwicklung im Bereich der Windenergieanlagen habe sie aber dazu bewogen, allenfalls noch zusätzliche Windmessungen zu machen. An den Standorten mit dem Matzendörfer Stierenberg auf dem Gemeindegebiet von Aedermannsdorf und dem Erzberg auf den Boden der Gemeinde Beinwil habe sich aber nichts geändert.

Änderungen gibt es hingegen bei den Windkraftanlagen. Dabei handelt es sich gemäss von Rotz um die modernsten, die derzeit auf dem Markt angeboten würden. Grösser ausfallen sollen beim modifizierten Projekt die Rotorblätter. Deren Durchmesser sollen neu 115 Meter betragen. Im ersten Projekt waren es noch 82 Meter.

Radar soll Vögel schützen

Geprüft wird ferner eine Erhöhung der Rotorennabe von 92 auf über 100 Meter. Wie hoch die Nabe schliesslich gesetzt werde, hänge von verschiedenen Faktoren ab, wie Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Belastung der Anlage oder der Flughöhe von Vögeln und Fledermäusen. Diese Tiere wolle man nicht gefährden. Geschehen soll dies auch mittels einer Radaranlage, die den Anflug von Vögeln registriert und die Windkraftanlage wenn nötig kurzfristig ausser Betrieb setzen könnte.

Die von der deutschen Firma Enercon gebauten Windkraftanlagen sollen mehr Energie und weniger Lärm produzieren. Die Leistung der Anlage beträgt 3 Megawatt, gegenüber dem Vorgängermodell mit 2 Megawatt. Gerechnet wird mit einer Jahresproduktion von 25 Mio. Kilowattstunden, womit annähernd das ganze Thal mit Strom versorgt werden könnte, so von Rotz. Geringere Lärmemissionen gebe es, weil der Generator ohne Getriebe auskomme, also direkt vom Rotor angetrieben werde. Ferner sorgten beheizbare Rotorblätter dafür, dass sich im Winter keine Vereisungen bilden könnten, meint von Rotz zu den Vorteilen der neuen Windenergieanlagen.

Bis im Frühling 2016 spruchreif

Der Hydroelectra-Geschäftsführer geht davon aus, dass bis im Frühling 2016 ein bewilligungsreifes Projekt vorliegt. Zuerst müssten aber noch weitere Windmessungen durchgeführt werden. Zu den Werten will sich von Rotz nicht äussern. Die Zahlen seien interessant und vielversprechend, lässt er dazu lediglich verlauten.

Aktuelle Nachrichten