Oensingen
Wer hat Lust auf «Söischnörrli» auf dem Teller?

In Oensingen gehts vorwärts mit dem Bau der Swiss Nutrivalor. Das Unternehmen verarbeitet Schlachtabfälle wie Kalbskopf, Schweineschnauze oder Kutteln und schickt sie ins Ausland. Bei uns isst nur eine Minderheit diese Spezialitäten.

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Früher sehr beliebt, heute wirds weniger gegessen: Schweineschnauze.

Früher sehr beliebt, heute wirds weniger gegessen: Schweineschnauze.

Keystone

Wenn in Solothurn Monatsmarkt ist, so findet man auf der Speisekarte einiger Restaurants Kalbskopf, Gnagi oder Kutteln. Produkte wie jene, die ab Ende nächsten Jahres bei der Firma Swiss Nutrivalor in Oensingen verpackt und in ferne Länder verschickt werden. Dort sind sie als Spezialitäten geschätzt.

Hierzulande fühlt sich der grosse Teil der Gesellschaft davon angewidert. Liebhaber von «Söischnörrli» und Co. sind zu einer kleinen Minderheit zusammengeschrumpft. Nicht zuletzt deshalb, heisst es, weil ja heute kaum mehr einer wisse, wie diese Speisen so zuzubereiten sind, damit sie nicht nur essbar, sondern sogar lecker sind. Dem kann abgeholfen werden, denn es gibt ein Kochbuch mit dem Titel «Nose to Tail».

Autor ist der Engländer Fergus Henderson und er will damit sagen, dass alles essbar ist, von der Nase bis zum Schwanz. Das 1999 nur in Englisch erschienene Buch erlangte Kultstatus, vor kurzem nun ist es auf Deutsch erschienen.

Henderson ist nicht Koch, sondern Architekt und eröffnete in London das Restaurant St. John mit einem Speiseangebot, das die übliche Gastronomie verbannt hatte. Hendersons Credo dagegen lautet: Es gebe für Fleischesser eine Reihe von Freuden, was Beschaffenheit und Geschmack betrifft, die abseits des Filets zu finden seien. Im Buch wird denn auch beschrieben, wie Schweinskopf, Kutteln, Zunge oder Lammhirn zubereitet werden. Das Buch wird gelobt und gleichzeitig wird gewarnt, es sei kein Buch für die «schnelle Küche».

In Oensingen entsteht nun also mit der Swiss Nutrivalor eine Art Epizentrum für Produkte, die sich als Speisen zubereiten lassen nach Hendersons Rezepten oder auch jenen, wie sie früher auch bei uns verbreitet waren. Einen Direktverkauf wirds im Oensinger Industriegebiet trotzdem nicht geben. Aber man kann ja den Metzger danach fragen. (wak)

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