Mümliswil-Ramiswil
Schule Ramiswil wird geschlossen

Der Gemeinderat Mümliswil-Ramiswil sprach sich am Donnerstag einstimmig für die Zusammenlegung an einem Standort aus.

Erwin von Arb
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Das Schulhaus Ramiswil wird künftig nur noch für kulturelle Anlässe genutzt.

Das Schulhaus Ramiswil wird künftig nur noch für kulturelle Anlässe genutzt.

Bruno Kissling

Das Sitzungszimmer im Schulhaus Brühl war am Donnerstagabend bei der ersten Sitzung des Gemeinderates im neuen Jahr bis auf den letzten Platz besetzt. Für volle Ränge sorgten neben den neun Ratsmitgliedern auch Vertreter der Arbeitsgruppe «Zukunft Schule Mümliswil-Ramiswil», Schulleiterin Cécile Kamer und eine Gruppe interessierter Personen aus Ramiswil. Letztere kamen in der Hoffnung, dass der Schulstandort Ramiswil wegen der dort stetig sinkenden Schülerzahlen nicht wie vom Rat angekündigt geschlossen wird.

Diese Ankündigung kam in Ramiswil nicht gut an. An der Mitte November abgehaltenen Informationsveranstaltung brachten Einwohnerinnen und Einwohner zum Ausdruck, dass sie sich benachteiligt, hintergangen und schlecht informiert fühlten. Bemängelt wurde ferner, dass die Arbeitsgruppe dem Rat nur einen Vorschlag bezüglich Zukunft der Schule in Ramiswil unterbreitete.

Ab 2018 nur noch elf Schüler

Diese Kritik wurde vom Gemeinderat und von der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Gemeindevizepräsidentin Rita Füeg aufgenommen. Die um drei Personen erweiterte Arbeitsgruppe legte dem Gemeinderat nun drei Varianten für einen möglichen Schulbetrieb ab Schuljahr 2017/18 vor. Von mehreren Räten als nicht sinnvoll bezeichnet wurde der Vorschlag, die Schule in Ramiswil mindestens noch ein Jahr zu belassen.

Kritikpunkt war die nötige Zusammenlegung der sieben Erstklässler und sieben Viertklässler zu einer Abteilung. Das sei wegen des grossen Altersunterschieds und der Lernstoffdifferenzen nicht zu empfehlen, so Schulleiterin Cécile Kamer. Auch die vom Kanton geforderte Klassengrösse von 20 Kindern werde nicht erreicht. Gegen diese Variante spreche ferner, dass ab 2018 nur noch gerade elf Kinder die erste und zweite Klasse in Ramiswil besuchten.

Auch die zweite zur Auswahl stehende Variante wurde als wenig sinnvoll und nicht mehrheitsfähig erachtet: nämlich der Zusammenzug der insgesamt 21 Erstklässler aus Mümliswil (14) und Ramiswil (7) zu einer Klasse im Ramiswiler Schulhaus.

Votum für ursprüngliche Variante

Im Rat wurde mehrfach betont, dass man Ängste und Bedenken der Ramiswiler Bevölkerung im Zusammenhang mit dem drohenden Verlust der Schule verstehe. Im Interesse der Kinder und der Unterrichtsqualität sei der ursprüngliche Vorschlag der Arbeitsgruppe, alle Schüler ab Schuljahr 2017/18 am Standort Mümliswil zu integrieren, der einzig richtige Weg. Dies auch mit Blick auf die Gesamtschule Mümliswil-Ramiswil, wo künftig ebenfalls mit leicht rückläufigen Schülerzahlen zu rechnen sei.

Diese Haltung der Gemeinderäte kam auch bei der Abstimmung über die drei Varianten zum Ausdruck. Die von Ramiswiler Eltern und Teilen der Lehrerschaft verlangte Weiterführung der Schule in Ramiswil für mindestens ein Jahr hatte ebenso keine Chance wie der Zusammenzug der Erst- und Zweitklässler von Ramiswil und Mümliswil in der Schule in Ramiswil. Für beide Varianten wurde kein Votum abgegeben. Mit neun Stimmen und damit einstimmig gutgeheissen wurde hingegen die ursprüngliche Variante für einen Zusammenzug sämtlicher Schüler und Klassen am Standort Mümliswil.

«Mutig und richtig entschieden»

Gemeindepräsident Kurt Bloch bedankte sich bei den Räten für ihre mutige und unpopuläre, aber in der Sache richtige Entscheidung. Eigentlich hätte dies schon früher geschehen müssen, sei aber aus Rücksicht auf Ramiswil immer wieder hinausgeschoben worden. Nun sei es aber an der Zeit gewesen, zu handeln.

Damit stehe fest, dass der Schulstandort Ramiswil per Anfang Schuljahr 2017/18 aufgehoben werde. «Wir sind eine Gemeinde und haben eine Schule», betonte Bloch. Daran werde sich auch nach diesem Entscheid nichts ändern. Der Gemeindepräsident versprach, dass sich der Gemeinderat weiterhin für die Anliegen der Schule einsetzen werde, etwa wenn für grosse Klassen zusätzliche Lektionen genehmigt und damit finanziert werden müssten.

Bezugnehmend auf die geäusserten Ängste von Ramiswiler Eltern wegen des Transports der 1.-Klässler zwischen Ramiswil und Mümliswil stellte Bloch den Antrag für einen Bruttokredit über 15 500 Franken. Damit soll der Schülertransport mit dem Schulbus für die
1.-Klässler von Ramiswil für vorerst ein Jahr sichergestellt werden. Der Antrag wurde vom Rat einstimmig gutgeheissen.

Ebenfalls einstimmig verabschiedet wurde der Antrag des Gemeindepräsidenten, das Schulhaus in Ramiswil auch künftig für kulturelle sowie andere Anlässe zur Verfügung zu stellen. Ein Verkauf oder gar eine Nutzung des Gebäudes als Asylunterkunft sei nie in Erwägung gezogen worden, wie das gerüchteweise herumgeboten worden sei.

Gegner sind enttäuscht

Keine Freude am Entscheid des Gemeinderates hatten die an der Sitzung als Zuschauer anwesenden Ramiswilerinnen und Ramiswiler. Das Ganze sei eine Farce gewesen, meinte eine Frau. Man habe zumindest erwartet, dass die Schule noch ein Jahr in Ramiswil bleibe, als Wertschätzung gegenüber der Bevölkerung.

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