Thal
Prozessionen am Fronleichnamstag sind weniger und kleiner geworden

Vielerorts verzichtet man auf einen Gang durchs Dorf und bleibt in der Kirche. In einigen Gemeinden finden die Prozessionen zum Fronleichnamstag aber noch statt. Meist sind sie jedoch bedeutend kleiner als früher.

Alois Winiger
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Ministrantinnen und Ministranten sowie Blumen streuende Kinder gehen in Aedermannsdorf dem Priester mit der Monstranz unter dem Baldachin voraus.

Ministrantinnen und Ministranten sowie Blumen streuende Kinder gehen in Aedermannsdorf dem Priester mit der Monstranz unter dem Baldachin voraus.

Alois Winiger

Kleiner sind sie geworden, die Prozessionen an Fronleichnam. Aber vielerorts finden sie eben doch noch statt. Katholiken nehmen sich die Zeit, um gemächlichen Schrittes den Priester durch die Strassen zu begleiten, der eine Monstranz mit einer konsekrierten Hostie bzw. den Leib des Herrn trägt.

Fronleichnam: Was wird da gefeiert?

Mit Leichnam ist keine Leiche gemeint. Fronleichnam leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab, vereinfacht gesagt bedeutet «lichnam» lebendiger Leib, «fron» bedeutet Herr. Und so wird denn an Fronleichnam der Leib des Herrn bzw. eine konsekrierte Hostie in einer Monstranz unter einem Baldachin, begleitet von einer Prozession mit Gläubigen, durch Wald und Flur oder durch die Gemeindestrassen getragen. Es ist ein rein katholischer Festtag. Sein Ursprung geht auf eine Vision der heiliggesprochenen Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurück. Diese berichtete, sie habe in einer Vision den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Altarssakraments. Daher wurde das Fest der leiblichen Gegenwart Christi in der Eucharistie 1246 im Bistum Lüttich erstmals gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Was bei den Reformierten auf grossen Widerstand stiess. Martin Luther wird zitiert: «Ich bin keinem Fest mehr feind ... als diesem. Denn es ist das allerschändlichste Fest. Denn da tut man alle Schmach dem heiligen Sakrament, dass mans nur zum Schauspiel umträgt und eitel Abgötterei damit treibet. (wak)

Vereinzelt lässt sich sogar die Tradition aufrechterhalten, dass die Musikgesellschaft voranschreitet und einen würdevoll klingenden Prozessionsmarsch spielt, so wie zum Beispiel in Aedermannsdorf.

Verändert hat sich einiges am Erscheinungsbild. Früher schritt der Priester mit der Monstranz auf einem Grünstreifen, man hatte extra frisches Gras ausgelegt und darauf Blumen gestreut. Blumenblätter werden noch gestreut, aber das Gras bleibt weg. Und die Mannen, die den Baldachin über die Monstranz hielten, tragen heute T-Shirt und kurze Hosen, früher dunkler Anzug und Krawatte.

Vielerorts verzichtet man auf einen Gang durchs Dorf, bleibt bei der Kirche, feiert bei einem liebevoll geschmückten Altar einen Gottesdienst und isst und trinkt anschliessend gemeinsam. So wie in Balsthal.

Eher unpassend war dort die Bandenwerbung für den Brotlieferanten. Nirgends aber war zum Glück ein unangenehmer Geruch auszumachen. Früher kam es nämlich vor, dass reformierte Bauern aus Protest gegen den katholischen Feiertag - und freien Tag - Gülle oder Mist austrugen.

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