Balsthal/Härkingen
Parcours schafft Einblicke in die oft unverstandene Sozialregion

Sozialregion, das unverstandene Wesen: An Anlässen in Balsthal und Härkingen konnten sich Besucherinnen und Besucher einen Einblick in die Arbeit und Hintergründe der Sozialregion verschaffen und Informationen aus erster Hand erhalten.

Alois Winiger
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Gäste und Mitarbeitende der Sozialregion in einem der Büros am Standort Härkingen.

Gäste und Mitarbeitende der Sozialregion in einem der Büros am Standort Härkingen.

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Als erste im Kanton hat die Sozialregion Thal-Gäu am 1. April 2008 ihren Betrieb aufgenommen. Im Auftrag der Gemeinden der beiden Bezirke werden Dienste im Bereich Kindes- und Erwachsenenschutz, Sozialhilfe, Familienberatung und Mütter- Väterberatung sichergestellt.

Die ersten Jahre waren turbulent. Zahlreich waren die personellen Veränderungen, noch zahlreicher die Reklamationen aus den Gemeinden. Viele Abläufe waren unklar oder funktionierten nicht.

Besonders die Kosten brachten Ärger, beim Start ging man von rund 350 Franken pro Einwohner und Jahr aus, den die Gemeinden beizusteuern haben, mittlerweile sind es Fr. 554.50.

Vor Ort informieren

Und heute? Noch immer ist die Sozialregion für viele ein unverstandenes Wesen, ein undurchschaubares Gebilde. Im vergangenen Jahr gingen Kurt Bloch, Präsident des Zweckverbandes Sozialregion Thal-Gäu, und der damalige Geschäftsleiter Charly Pichler auf einer Tournee hin zu den Gemeinderäten, um dort den Puls zu fühlen, die Institution zu erklären und Anregungen entgegenzunehmen.

Die Aktion zeigte positive Wirkung. Nun folgte ein weiterer Schritt: Personen aus den Gemeinden, die mit der Sozialregion zu tun haben sowie weitere Interessierte, wurden zu einem nachmittäglichen «Parcours Sozialregion Thal-Gäu» eingeladen.

Sie sollten sich an den Standorten Härkingen und Balsthal direkt vor Ort ein Bild von der täglichen Arbeit machen, und natürlich auch die Menschen persönlich kennenlernen, mit denen man sonst nur telefonisch oder schriftlich Kontakt hat.

Erstaunliches Echo

Die Aktion war doppelt erstaunlich. Zum einen, weil sich wider Erwarten mehr als 80 Personen anmeldeten; der Parcours musste in zwei Etappen aufgeteilt werden.

Anderseits staunten nicht wenige Besucherinnen und Besucher darüber, wie aufwendig und aufreibend die Arbeit an der Sozialregionfront, aber auch dahinter sein kann.

Sehr lobend über diesen Parcours äusserten sich Claudia Hänzi, Chefin Amt für soziale Sicherheit, sowie Regierungsrat Peter Gomm, Vorsteher Departement des Innern. «Dieser Parcours ist eine wirklich gute Sache», sagte Gomm. «Ich bin froh, dass ich mir an diesem Nachmittag die Zeit genommen habe, um den Leuten zuhören und mit ihnen sprechen zu können.»

Zu hören bekam er zum Beispiel, dass der grosse administrative Aufwand schnell einmal hinderlich werde und sich dadurch Fälle nur schleppend bearbeiten liessen.

Nicht immer die Sozialregion

Kurt Bloch, Präsident des Zweckverbandes, und Cornelia Gutweniger, Geschäftsleiterin der Sozialregion seit November 2014, waren voll im Element bei der einleitenden Präsentation. Sie konnten davon berichten, dass sich die personellen Strukturen weitgehend gefestigt hätten und der Betrieb zunehmend besser laufe.

Entsprechend seien daher auch die Reklamationen zurückgegangen. Gestiegen seien jedoch die Ansprüche seitens der Klienten und die Komplexität der Fälle. Beispiele aus der Praxis lieferten die Verantwortlichen in den einzelnen Bereichen der Sozialregion, die jedoch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes hier nicht ausgebreitet werden können.

Die Verantwortlichen aus den Gemeinden hingegen konnten sehr wohl daraus entnehmen, dass es bei weitem nicht immer am Betrieb der Sozialregion liegt, wenn es in einem Fall nicht vorwärtsgeht. Genauso gut kann es an den Klienten liegen, die Mühe haben, geforderte Dokumente vorzulegen.

Ein Werkzeug mitgegeben

Apropos Dokumente: Einen ganzen Ordner voll haben alle bekommen, die am Parcours der Sozialregion teilnahmen. Der Ordner hats buchstäblich in sich. Denn darin sind nicht nur die Aufgaben der einzelnen Bereiche aufgeführt, sondern auch, wie die Fälle Schritt für Schritt bearbeitet und welche Massstäbe dabei angewendet werden.

Ein praxisgerechtes Werkzeug, das bestimmt geschätzt wird.

Und – so schien es – gingen doch viele Besucherinnen und Besucher zurück in ihre Gemeinden mit dem Gefühl, die Sozialregion sei für sie nicht mehr ein ganz so unbekanntes Wesen wie bisher.

Neue Regelungen für Personal dringend nötig

von Urs Amacher

Die jetzige Arbeits- und Lohnordnung stammt aus der Gründungszeit des Zweckverbands der Sozialregion Thal-Gäu und ist seit dem 1. April 2008 in Kraft. Deshalb sei eine komplette Überarbeitung längst überfällig gewesen, erklärte Kurt Bloch, Präsident des Zweckverbands, an der Delegiertenversammlung, und stellte das neue Personalreglement vor.

So war bisher der Vorstand für die Anstellung des Personals zuständig, was in der Praxis so nicht mehr eingehalten werden konnte. Die Rekrutierung von Mitarbeitenden gehört doch zu den operativen Tätigkeiten. Neu ist es die Geschäftsleiterin, die das Personal anstellt.

Dringend notwendig war auch die Anpassung der Lohnklassenstruktur. Statt nur fünf Lohnklassen stehen nun deren zwölf zur Verfügung. Mit ihnen werden alle Funktionen abgedeckt, was bisher nicht der Fall war. In der Lohnklasse 1 ist das Hilfs- und Reinigungspersonal eingereiht, in der Lohnklasse 12 die Geschäftsleitung.

Das Lohnsystem lehnt sich an jenes des Kantons an und umfasst eine Bandbreite von einem Minimum und einem rund fünfzig Prozent höheren Maximum. Innerhalb dieser Spannweite sind in jeder Lohnklasse drei Anlauf- und 17 Erfahrungsstufen vorgesehen. Ein Antrag aus der Mitte der Versammlung, diesen Passus zu streichen, fand keine Mehrheit.

Auch der Anstieg der Lohnsumme soll in Zukunft von der Delegiertenversammlung im Rahmen des Budgets festgelegt werden. Mit der bewilligten zusätzlichen Lohnsumme kann tief eingestuften Mitarbeitenden unter Berücksichtigung der Leistungsbeurteilung der Stufenaufstieg ermöglicht werden. Zusätzlich kann die Geschäftsleitung besondere Leistungen mit individuellen, einmaligen Boni honorieren.

Die Löhne bewegen sich auf «durchschnittlichem Niveau», was gelegentlich die Rekrutierung von Personal erschwert. Die 15 im Niederbuchsiter Gasthof Sonne anwesenden Delegierten hiessen das Reglement mit grossem Mehr und einer Stimmenthaltung gut.

Einstimmig bewilligt wurde von der Versammlung ein Kredit über 310 000 Franken. Damit soll die Informations- und Kommunikationstechnik (ITC) der Sozialregion überprüft und neu organisiert werden. Darin enthalten ist die Anschaffung der neusten Version der Software KLIB.net. KLIB steht für Klientenbewirtschaftung.

Dieses speziell für das Sozial- und Vormundschaftswesen entwickelte EDV-Programm kann Personeninformationen, Fallführung und Buchhaltung bewältigen.

Der Voranschlag für das Jahr 2016 rechnet mit einem Gesamtaufwand von 38,6 Mio. Franken. Darin enthalten ist ein einmaliger Beitrag von 360 000 Franken an die Ausfinanzierung der Pensionskasse (PKSO). Die budgetierten Nettokosten von total 19,08 Mio. Franken werden auf die 17 Zweckverbandsgemeinden aufgeschlüsselt.

Daraus errechnet sich ein Betrag von 554.50 Franken, den die Gemeinden pro Einwohner einschiessen müssen. Das Budget 2016 wurde mit einer Gegenstimme genehmigt.

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