Balsthal
Nun bekommt auch das Thal eine Kindertagesstätte

Die Kita Falkenburg in Balsthal öffnet im Oktober ihre Pforten. Geführt wird sie zusammen mit den Kitas in Oensingen und in Oberbuchsiten von der Adda Kita GmbH Oensingen. Und für eine allfällige finanzielle Unterstützung soll das System der Betreuungsgutscheine eingeführt werden.

Alois Winiger
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Vor der Kita Falkenburg (v.l.): Georg Schellenberg, Initiant; Petra Meister, Kita-Leiterin; Heinz Bläsi, Marion Schellenberg, Geschäftsleitung Adda Kita GmbH.

Vor der Kita Falkenburg (v.l.): Georg Schellenberg, Initiant; Petra Meister, Kita-Leiterin; Heinz Bläsi, Marion Schellenberg, Geschäftsleitung Adda Kita GmbH.

Alois Winiger

Mit der Eröffnung der Kindertagesstätte Falkenburg in Balsthal beginnt auch gleich eine neue Ära, was die administrative Führung solcher Einrichtungen in unserer Region angeht. Nicht mehr ein Verein mit Vorstand ist verantwortlich, sondern eine Firma: die Adda Kita GmbH Oensingen. Unter ihrem Dach stehen neben der «Falkenburg» auch die «Villa Cino» in Oberbuchsiten und die «Drachenburg» in Oensingen. Und für eine allfällige finanzielle Unterstützung soll das System der Betreuungsgutscheine eingeführt werden.

Wer steht hinter dieser Firma und warum braucht das Thal eine Kita? Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen waren die Gemeinderäte aller Thaler Gemeinden in die für die «Falkenburg» vorgesehenen Räume an der Sagmattstrasse in Balsthal eingeladen. Gekommen waren Josef Fluri aus Mümliswil, Marion Joller, Fabian Müller und Georg Rütti aus Balsthal. Um es vorweg zu nehmen: Sie zeigten sich sehr begeistert vom Vorhaben und versprachen fest, sich in ihrer Gemeinde dafür einzusetzen. Sie waren sich darin einig, dass im Thal der Bedarf da sei für eine Kita.

Tatsächlich sind in der «Drachenburg» in Oensingen Kinder aus 23 Familien anzutreffen. Zudem bestehe eine Warteliste, wie von den Verantwortlichen der Adda Kita GmbH erklärt wurde. Dazu gehört Georg Schellenberg, er ist Initiant und hat als Oensinger Gemeinderat die heutige Kita Drachenburg mitgeprägt. Die Geschäftsleitung teilen sich Marion Schellenberg (Administration, Buchhaltung) und Heinz Bläsi (Personal) in Teilpensen. Als Kita-Leiterin ist Petra Meister angestellt – und damit ist auch gleich angetönt, wie grundlegend sich die neue Art der Führung von der bisherigen unterscheidet.

«Eine vorwiegend ehrenamtliche Führung kann die Anforderungen, die heute an einen Kita-Betrieb gestellt werden, nicht mehr erfüllen. Eine Professionalisierung drängt sich geradezu auf», erklärte Heinz Bläsi. die Betreuerinnen sollen sich nicht mit Personalfragen oder Buchhaltung herumschlagen, sondern sich auf das Pädagogische konzentrieren können. Ferner müsse für laufende Weiterbildung gesorgt werden.

Eine einzelne Kita in der Grösse wie etwa der «Drachenburg» zu Professionalisieren komme jedoch zu teuer, darum habe man nach einer praxistauglichen Form gesucht und diese in der Bildung einer GmbH gefunden.» (Der Name Adda stammt übrigens vom gleichnamigen Fluss in der Lombardei.)

Der Betrieb einer Kita sei nicht Sache der Gemeinde, «das müssen Private an die Hand nehmen. Unsere GmbH ist dafür das optimale Instrument», folgert Bläsi. Ein Vorteil sei, dass nun für drei Kita nur noch eine Anlaufstelle zuständig ist. «Optimal wäre natürlich, wenn sich möglichst viele Gemeinden für das System mit den Betreuungsgutscheinen entscheiden würden.» Passend dazu werde zu günstigen Bedingungen eine Software angeboten. «Damit kann der Aufwand der Gemeinde auf ein Minimum beschränkt werden.»

Das System leuchtete – wie erwähnt – den Gemeinderäten aus Mümliswil und Balsthal sehr wohl ein, merkten aber an, dass dafür noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten sei. Die Leute von der Adda Kita versicherten, dass sie persönlich bei den Gemeinden vorsprechen und die Institution vorstellen werden.

Fabian Müller und Marion Joller hielten fest, dass konkret in Balsthal der Bedarf an einer Kita da sei, allenfalls auch an einem Mittagstisch. Marion Joller erinnerte daran, dass es bereits Anfang 1990er-Jahre in Balsthal eine Kita gegeben habe, die aber nach relativ kurzer Zeit schliessen musste. Umso mehr freue sie sich, dass ab Oktober wieder eine zur Verfügung stehe.

Den Standort in den Räumen der ehemaligen Crimptec an der Sagmattstrasse bezeichnete Georg Schellenberg als Glücksfall. «Die Zufahrt ist einfach, die Räume sind hell und sie lassen sich gut gestalten.» Um die 25 000 Franken werden notwendig sein für die Einrichtungen. Der Platz würde reichen für total 24 Kinder. Vorab beschränkt man sich auf deren zwölf. Man rechnet damit, dass die Plätze innerhalb eines Jahres besetzt sein werden.

Nicht jede erziehungsberechtigte Person kann es sich leisten, ein Kind zur Betreuung in die Tagesstätte (Kita) zu geben. Gemeinden und auch Firmen leisten hier Unterstützung. Diese ist allerdings meist an eine bestimmte Kita gebunden und möglicherweise ist dort kein Platz oder sie liegt geografisch ungünstig. Kommt hinzu, dass für eine Gemeinde, die Unterstützung zahlt, zu wenig transparent ist, wer wie viel bekommt. Oensingen will daher künftig Betreuungsgutscheine an Erziehungsberechtigte abgeben (wir berichteten, die Gemeindeversammlung vom nächsten Montag wird darüber befinden).

Der wesentliche Unterschied: Nicht mehr die Kita wird finanziell unterstützt, sondern die Eltern. Die Mutter bzw. der Vater kann bei der Gemeindeverwaltung Antrag auf Unterstützung stellen, muss allerdings, um Missbrauch zu verhindern, Rechenschaft über die Einkünfte des ganzen Haushalts ablegen.

Fällt der Entscheid positiv aus, so kann das Kind in einer vom Kanton anerkannten Kita nach Wahl platziert werden. Die Kita stellt dann die Gutscheine bei der Gemeinde in Rechnung. In der Stadt Bern ist das System mit den Betreuungsgutscheinen jüngst eingeführt worden, in der Agglomeration Luzern funktioniert es bereits seit mehreren Jahren – zu aller Zufriedenheit.