Oensingen
Muss das Pumpwerk Moos dem Bau von zwei Grossprojekten weichen?

Das Mitwirkungsverfahren für die Gestaltungspläne «Bell Dünnerstrasse» und «Parkhaus Holinden» in Oensingen ist angelaufen. Ob mit der Realisierung der Projekte der Verlust des Pumpwerkes Moos droht, ist noch unklar.

Erwin von Arb
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Mit einer Informationsveranstaltung wurde am Mittwochabend in Bienkensaal in Oensingen das öffentliche Mitwirkungsverfahren für den Erschliessungs- und Gestaltungsplan «Bell Dünnernstrasse» sowie den «Gestaltungsplan Holinden» mit Sonderbauvorschriften gestartet.

Gemeindepräsident Fabian Gloor begrüsste neben den rund 50 zum Infoanlass erschienenen Personen auch Josef Ebneter, Verwaltungsrat der Bell Schweiz AG, und Bell-Geschäftsleitungsmitglied Josef Dähler. Gloor bemerkte, dass die nach der Vorstellung der Gestaltungspläne eingebrachten Voten auch schriftlich bei der Gemeindeverwaltung eingereicht werden müssten.

Ersatzbau für Rinderschlachtfhof

Zum Projekt: In den nächsten Jahren will Bell an den Standorten Basel und Oensingen rund 500 Mio. Franken investieren. Rund zwei Drittel davon sollen ins Gäu fliessen. Dort sind neue Werke für die Schweinezerlegerei und die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten, sowie ein Erweiterungsbau des bestehenden Rinderschlachthofs an der Dünnernstrasse geplant. Der bis 2025 reichende Planungshorizont sieht vor, die Projekte in den nächsten zwei Jahren zur Entscheidungsreife zu bringen.

In einer ersten Etappe soll der 1971 gebaute und danach mehrfach erneuerte Rinderschlachthof an der Dünnerstrasse durch einen Neubau auf dem nördlich gelegenen Parkplatz ersetzt werden. Im Anschluss soll der Rückbau des bestehenden Gebäudes erfolgen.

Durch den Wegfall der Parkplätze und den erhöhten Parkplatzbedarf für die auf dem Areal Holinden geplanten Neubauten, soll auf einer zentral zwischen den Betrieben liegenden Parzelle im Baurecht ein Parkhaus gebaut werden. Mit Blick auf das Gesamtprojekt «Opera» plant Bell ein bis zu 30 Meter hohes Personalparkhaus mit 1700 Abstellplätzen. Vorgesehen ist im aktuellen Projekt eine Kapazität von 1200 Parkplätzen.

Bell-Projekte Das geplante Personalparkhaus soll Platz für rund 1200 Autos bieten.

Bell-Projekte Das geplante Personalparkhaus soll Platz für rund 1200 Autos bieten.

zvg

Projekte sind zonenkonform

Rolf Riechsteiner vom Büro BSB + Partner Ingenieure und Planer erwähnte bei der Vorstellung der Erschliessungs- und Gestaltungspläne, dass beide Bauvorhaben in der Industriezone liegen und die geltenden Zonenvorschriften eingehalten würden.

Auch aus raumplanerischer Sicht, sowie bezüglich der Umweltverträglichkeit, erfüllten die Projekte sämtliche Anforderungen. Eine Unsicherheit gebe es nur im Bezug auf den Standort des Parkhauses, welches sich in der Schutzzone des Grundwasserpumpwerks Moos befindet. Wenn der Kanton bei der aktuell laufenden Überprüfung der Schutzzone Änderungen vornehme, könne darauf mit der Verschiebung des Parkhauses um einige Meter reagiert werden.

Bei der anschliessenden Fragerunde wurde vor allem die vom Kanton in Aussicht gestellte Schliessung des Grundwasserpumpwerks innerhalb der nächsten zehn Jahre kritisiert, zumal dort Wasser von hoher Qualität gefördert werde.

Eine Rednerin stellte in den Raum, dass die Gemeinde Bell einen roten Teppich auslege und damit den Verlust des Pumpwerks in kauf nehme. Gemeindepräsident Gloor betonte, dass nicht Bell alleine für diese Entwicklung verantwortlich sei, sondern die stark bebaute Industriezone als solche.

Suche nach neuen Wasserquellen

Nun werde in Zusammenarbeit mit dem Kanton versucht, den Betrieb des Grundwasserpumpwerks für weitere 25 Jahre aufrecht zu erhalten, so Gloor. Klar sei aber auch, dass die Gemeinde neben dem Pumpwerk Moos weitere Bezugsquellen brauche, um die Versorgung sicherzustellen. Gemeinderat Georg Schellenberg erwähnte, dass die Gemeinde mögliche Wasserlieferungen aus dem Thal prüfe und erste Kontakte bereits geknüpft worden seien.

Ein Baustart der vorgestellten Projekte ist vorbehaltlich der Bewilligungen im ersten Quartal 2018 geplant. Bevor der neue Rinderschlachthof an der Dünnernstrasse in Angriff genommen werden kann, muss das Parkhaus gebaut werden. Dessen Inbetriebnahme ist Ende 2018 geplant, der Neubau an der Dünnernstrasse soll in der zweiten Jahreshälfte 2019 fertiggestellt werden.

Auf einem östlich der Parzelle Holinden neu von Bell erworbenen Grundstück soll, wie erwähnt, ein modernes Tiefkühllager mit 30 000 Palettenplätzen entstehen. Die Auflage von Gestaltungsplan und Umweltverträglichkeitsbericht sowie das Baugesuch sind in Planung. Der Baubeginn soll Mitte 2018 erfolgen, die Inbetriebnahme Ende 2019.

Mitwirkungsverfahren: Der Erschliessungs- und Gestaltungsplan «Bell Dünnernstrasse» sowie der «Gestaltungsplan Holinden» mit Sonderbauvorschriften liegen bis 20. November in der Gemeindeverwaltung auf.