Nationalstrasse N1

Mit Jubel, Ansprachen und Musik: Vor 50 Jahren wurde das Teilstück Oensingen-Hunzenschwil eingeweiht

Vor 50 Jahren feierten die Kantone Solothurn und Aargau die Eröffnung des neuen Teilabschnitts von Oensingen nach Hunzenschwil der Nationalstrasse N 1. Allerlei Prominenz, inklusive Bundesrat Hans Peter Tschudi, feierte die neue Verkehrstransversale durchs Mittelland.

Es herrschte schönstes Festwetter, als am 10. Mai 1967 die neue Nationalstrasse zwischen Oensingen und Hunzenschwil feierlich eröffnet wurde. Dieses Datum war mit Bedacht gewählt, war es doch der Mittwoch vor dem Pfingstwochenende. Da das Teilstück von Hunzenschwil bis Lenzburg im Vorjahr und die Strecke Bern bis Oensingen bereits früher in Betrieb genommen worden war, konnten nun total 84 Autobahnkilometer von Bern bis Lenzburg für den grossen Pfingst-Reiseverkehr benutzt werden.

Die Eröffnungsfeier begann mit einem ersten Festakt auf der Autobahn in Oensingen. Musikalische und gesangliche Darbietungen umrahmten den offiziellen Anlass. Elisabeth Pfluger, damals Lehrerin in der Stadt Solothurn, trug in der Solothurner Festtagstracht einen von Otto Feier verfassten «Prolog» vor.

Die heute 97-Jährige kann sich gut an diesen geschichtsträchtigen Anlass erinnern. «Ich habe den Prolog etwas kürzer als verfasst vorgetragen, sonst wäre er zu lange geworden», so Elisabeth Pfluger. Sie habe zu jener Zeit sämtliche im Auftrag der Regierung von Otto Feier verfassten Prologe verlesen. «Er hat darauf bestanden», erwähnt Pfluger nicht ohne Stolz.

Presse berichtet vom Fest der Freude

Als erster Festredner bestieg Regierungsrat Hans Erzer die mit einer Schweizerfahne geschmückte Rednertribüne. Der Solothurner Baudirektor hob in seiner Ansprache neben der guten baulichen Entwicklung auch die erfreuliche Tatsache hervor, dass sich die Kosten im Rahmen des Vorhergesehenen gehalten haben. Mit Genugtuung wies er darauf hin, dass pro Autobahnkilometer durchschnittlich nur fünf Einsprachen zu verzeichnen gewesen seien.
Nach dieser Begrüssung durch den Baudirektor formierte sich eine Autokolonnen mit den offiziellen Gästen. An der Spitze fuhr eine starke Polizeiabteilung, ihr folgte der Blickfang des Corsos, eine Reihe von Oldtimern.

«Überall auf beiden Seiten der Autobahn und auf den Überführungen hatten sich unzählige Schaulustige, Erwachsene und Kinder mit bunten Fähnchen eingefunden, die sich ebenso an der neu eröffneten Strasse freuten wie wir», schrieb der Journalist und Fotograf Hans Peter Nething, der damals unter dem Titel «Ein Fest der Freude und der Begeisterung» für das Oltner Tagblatt über den Anlass berichtete.

Bundesrat Tschudi hielt Festrede

In Suhr/Gränichen schaltete man einen Zwischenhalt ein, Baudirektor Kurt Kim kam zu Wort, und die Milch- und Butterzentrale Suhr offerierte eine kleine Erfrischung, was bei dem schönen Wetter eine willkommene Abwechslung war.

Den Höhepunkt des Festaktes auf der Aarebrücke bei der Kantonsgrenze bildete die Ansprache von Bundesrat Hans Peter Tschudi. Der Vorsteher des Departements des Innern freute sich über das vollbrachte Werk und dankte allen Beteiligten. Er drückte die Hoffnung aus, dass sich die Strasse bewähren werde. Der Abschnitt Oensingen–Hunzenschwil bilde einen wichtigen Teil der grossen Transversale, welche die Westschweiz durch das Mittelland mit der Ostschweiz verbindet. Inzwischen seien von den 400 Kilometern dieser Strecke nun 155 Kilometer oder 38 Prozent fertiggestellt, bilanzierte Tschudi.

Jedermann, der am Bau dieses Teilstückes mitgewirkt habe, dürfe sich über das Ergebnis freuen. Sowohl ein kostspieliger Perfektionismus als auch kurzsichtige Dispositionen seien vermieden worden. Aber auch die Automobilisten würden über die Verkehrserleichterung Freude empfinden. Die Ersparnisse an Brennstoff und Zeit seien die Gegenleistung für die von ihnen erbrachten Steuerleistungen. Freude könnten aber auch die Landesplaner und Heimatfreunde empfinden, so Tschudi, sei es doch gelungen, die Autobahn möglichst weich in die Landschaft einzufügen.

Anschliessend durchschnitt Innenminister Tschudi das in den Landes- und Kantonsfarben gehaltene symbolische Band. Ein Militärspiel gab dem Festakt den würdigen musikalischen Rahmen. Nach dieser offiziellen Eröffnung fuhr die Kolonne nach Zofingen, wo im Stadtsaal ein Imbiss serviert wurde. Die Kadettenmusik entbot mit dem «Zofingermarsch» den musikalischen Gruss.

Stadtammann Walther Leber hiess die illustre Gästeschar willkommen; er erwähnte, dass die Kadetten, stellvertretend für die Jugend, mit ihrer Darbietung der heutigen Generation dafür danke, dass sie für die Zukunft geplant und gebaut habe.

Zum Abschluss überreichten Trachtenmädchen den beiden Regierungsräten Kurt Kim (Aargau) und Hans Erzer (Solothurn) sowie Bundesrat Hans Peter Tschudi ein Präsent als Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag.

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