Oensingen
Mit Gutscheinen Zugang zu Kindertagesstätten in der Region erleichtern

Die Gemeinde Oensingen will die finanzielle Unterstützung der Kindertagesbetreuung mit der Vergabe von Gutscheinen an weniger gut verdienende Eltern neu regeln. Bei diesem Modell würde neu die Gemeinde entscheiden, welche Eltern einen finanziellen Zustupf erhalten.

Alois Winiger
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Geht es nach dem Gemeinderat, erhalten Eltern künftig Betreuungsgutscheine von der Gemeinde, um diese in einer Kita einzulösen.Annika Bütschi

Geht es nach dem Gemeinderat, erhalten Eltern künftig Betreuungsgutscheine von der Gemeinde, um diese in einer Kita einzulösen.Annika Bütschi

Annika Buetschi / AZ

So läuft es bisher: Frau B. wohnt in Oensingen, ist alleinstehend geworden und möchte ihr Kind zum Beispiel in die Tagesstätte Kita Drachenburg bringen, damit sie einer Arbeit nachgehen kann. Doch die Frau kann vom Tarif von 100 Franken pro Tag nur die Hälfte aufbringen und stellt bei der Kita Antrag auf Unterstützung. Wird ihr diese gewährt, so wird die Differenz jeweils der Gemeinde Oensingen in Rechnung gestellt. Im Jahr 2012 waren 19 800 Franken fällig.

Neu soll es folgendermassen laufen, falls die Gemeindeversammlung vom 24. Juni zustimmt: Frau B. stellt nicht mehr bei der Kita einen Antrag auf Unterstützung, sondern bei der Gemeinde. Bei positivem Entscheid erhält die Mutter Betreuungsgutscheine von maximal 80 Franken pro Tag, die sie dann jedoch nicht nur bei der Kita Drachenburg einlösen kann, sondern auch in einer – gesetzlich anerkannten – Kita in einer anderen Gemeinde, und diese stellt die bezogenen Gutscheine der Gemeinde Oensingen in Rechnung. Ein System übrigens, das in der Agglomeration Luzern seit 2009 offenbar zur vollen Zufriedenheit aller funktioniert, die Stadt Bern wird es im nächsten Jahr einführen.

«Es gibt wichtige Gründe für diese neue Regelung», erklärt Georg Schellenberg, Ressortleiter Bildung und Familie im Gemeinderat. Es habe sich gezeigt, dass Kinderbetreuungstagesstätten kostendeckend betrieben werden können, wenn alle Eltern den vollen Tarif bezahlen. «Die Gemeinde soll nur dort einspringen, wo es wirklich nötig ist. Folglich soll auch die Gemeinde darüber bestimmen können, wer Geld erhält und wie viel.» Berücksichtigt werden bei der Berechnung des Gutscheins die Einkommensverhältnisse und, ob der Arbeitgeber einen Beitrag bezahlt.

Man gehe nicht davon aus, dass das neue System Mehrkosten verursache, «höchstens vielleicht in der Anfangsphase», sagt Schellenberg. «Mittelfristig rechnen wir sogar mit Mehreinnahmen. Denn wenn wir es jemandem ermöglichen, neben der Aufgabe der Kindererziehung noch arbeiten zu gehen, so wird sich das mit der Zeit bei den Steuereinnahmen niederschlagen.» Und die Personen, die Gutscheine beziehen, seien nicht auf eine bestimmte Tagesstätte angewiesen, sondern können unter Umständen ihr Kind dort zur Betreuung bringen, wo es besser zum Arbeitsweg oder zum Tagesablauf passt. Und wo überhaupt ein Platz frei ist. Dieser Platzfaktor hat, wie aus Luzern zu erfahren ist, zu einer Entspannung in jenen Tagesstätten geführt, die von der Gemeinde subventioniert worden waren. Seit das Gutscheinsystem funktioniert, sei es kein Glücksspiel mehr, ob man einen subventionierten Platz bekommt oder die ganzen Kosten selber tragen muss.

Nun ist die Gemeinde Oensingen nicht alleine an der finanziellen Unterstützung der Kita Drachenburg beteiligt, sondern auch Balsthal. Wie geht es nun dort weiter? «Wir werden mit Balsthal in Kontakt treten und das neue System schmackhaft machen», sagt Georg Schellenberg dazu. Aber brauche es die Zustimmung der Gemeindeversammlung vom 24. Juni, bemerkt er abschliessend.