Art-Palett
Kunst vor der Haustür: Jedes Dorf bekommt eine Skulptur

Während vier Wochen gibt es im Rahmen des Projekts «Art Palett 2015» in jeder Gemeinde des Bezirks Thal eine mobile Skulptur zu bestaunen. Ein Rundgang zeigt die Verschiedenheit der Figuren.

Lea Schreier
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Welschenrohr: Verena Thürkauf, «Plenum 2»
11 Bilder
Mümliswil: Christiane Dubois, «Ninive»
Matzendorf: Jean Mauboulès, «en équilibre»
Laupersdorf: Norbert Eggenschwiler, «Gässe»
Gänsbrunnen: Pavel Schmidt, «Rohrfigur 2015»
Galerie Rössli in Balsthal feiert Jubiläum mit Outdoor-Ausstellung «Art-Palett» im Thal
Herbetswil: Bruno Leus, «Selfie»
Aedermannsdorf: Nancy Wälti, «Das Zelt».
Schang Hutter auf dem Kornhausplatz in Balsthal mit einer seiner Figurengruppen. Dahinter, in den Räumen der Galerie Rössli, sind zeichnerische Arbeiten zu sehen.
Balsthal: Schang Hutter in der Galerie Rössli.
Das sind die mitmachenden Künstler. Das sind die mitmachenden Künstler. (V.l.) Schang Hutter, Jean Mauboulès, Marianne Flück-Derendinger, Christiane Dubois, Bruno Leus, Nancy Wälti, Verena Thürkauf, Norbert Eggenschwiler und Pavel Schmidt.

Welschenrohr: Verena Thürkauf, «Plenum 2»

Hanspeter Bärtschi

Leuchtend rot steht sie am Dorfeingang von Holderbank und sticht als fröhlicher Farbtupfer in der grünen Umgebung sofort ins Auge: Die Frauenskulptur «Lotte turnt» von Marianne Flück-Derendinger. Den Kopf nach unten verdreht, eine Hand (oder ist es ein Fuss?) in die Luft gestreckt – man denkt beim Betrachten der Holzfigur eher an eine Verrenkung als an eine Turnübung.

Eher unbehaglich könnte den Mümliswilern beim Blick auf das mehrteilige Kunstwerk in ihrem Dorfzentrum zu Mute werden. Ein grimmig dreinblickendes, vernarbtes Holzgesicht umgeben von teils zersägten Köpfen stellt das Werk «Ninive» von Christiane Dubois dar, das einen etwas verstört und mit offenen Fragen zurücklässt.

In Laupersdorf steht das Werk «Gässe» von Norbert Eggenschwiler. Es zeigt eine Heinze, ein zeltähnliches Gerüst, das früher in der Landwirtschaft zum Trocknen von Heu verwendet wurde. Da die Heinze unbenutzt und nicht wie üblich aus Holz, sondern aus Metall gebaut ist, könnte die Skulptur ein Mahnmal für die schwindende Landwirtschaft sein.

Im Nachbarsdorf Matzendorf trifft man auf ein einen Meter hohes Quadrat aus Stahl, auf dem ein Balken ruht. Je nach Blickwinkel zeigen sich dem Betrachter unterschiedliche Situationen. Erst wenn man die Skulptur von Jean Mauboulès einmal umrundet hat, versteht man den Namen «en équilibre», im Gleichgewicht.

Mitten auf dem Dorfplatz von Aedermannsdorf präsentiert sich das «Zelt» von Nancy Wälti. Auf der metallenen Palette, die für die Kunstschaffenden aufgrund des Ausstellungsmottos Pflicht war, ist eine Pyramide aus den üblichen Holzpaletten aufgebaut.

Schon alleine die trendige Bezeichnung von Bruno Leus’ Werk weckt Neugier: «Selfie» nennt er sein Gebilde aus Eisen und Spiegel, das in Herbetswil zu finden ist. Verblüffend ist: wer darum herumläuft, kann sich im Spiegel nicht sehen. Um dies zu erreichen, muss man sich in das Objekt hinein wagen – und wird mit dem eigenen Spiegelbild konfrontiert.

Mit dem Naturmaterial Stein fügt sich die Installation «Plenum 2» von Verena Thürkauf sehr gut in die pflanzliche Umgebung an ihrem Standort in Welschenrohr ein. Die zwölf Granitpflöcke stehen jedoch streng angeordnet und werden von zwei Bändern zusammengehalten, dies erweckt den Anschein, dass sie zum Zusammenhalt gezwungen werden.

Die letzte Station der mobilen «Art Palett»-Ausstellung ist Gänsbrunnen, wo die «Rohrfigur» von Pavel Schmidt bestaunt werden kann. Wie bereits die «Lotte» in Holderbank fällt auch diese Skulptur durch Form und Farbe sofort auf. Die teils geschwungenen Flanschenrohre, die normalerweise für die Kanalisation verwendet werden, bilden einen geschlossenen Kreislauf. Der Blitzableiter, der das Gebilde krönt, weckt Gedanken an die gegensätzlichen Naturkräfte von Wasser und Blitzschlag.

Die von Schang Hutter erstellte Stahlskulptur «Nach hinten ausweichend» steht auf dem Kornhausplatz in Balsthal, da weitere Arbeiten von ihm in der Galerie Rössli ausgestellt sind. («Schweiz am Sonntag» vom 16. August).

Wer sich eine eigene Meinung zu den Skulpturen bilden möchte, kann sie auf eigene Faust erkunden oder am Sonntag 23. August oder Sonntag 30. August, jeweils um 14 Uhr an einer kostenlosen Rundfahrt mit Kunstvermittler Peter Jeker teilnehmen.

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