Fischer Schriften AG
Grossauftrag der SBB verschafft Egerkinger Firma nationale Bekanntheit

Die SBB hat begonnen, die WCs auf ihren Zügen mit Fototapeten neu zu gestalten. Der Grossauftrag wird von der Firma Fischer Schriften AG in Egerkingen realisiert.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
Das neue Firmengebäude
10 Bilder
Willkommenslogo aus bedrucktem Stoff
Michael Fischer zeigt die Herstellung von Fahrzeugbeschriftungen
Im Showroom werden die verschiedenen Produkte gezeigt
So sehen die neusten SBB-WCs aus
WC Bad
WC Berg
Michael Fischer kann fast alles bedrucken
WC Himmel
WC Berg

Das neue Firmengebäude

AZ

Als die Bundesbahnen anfangs Februar die Medien über neu gestaltete WCs in den Zügen informierten, war das nationale Interesse gross. Denn der Zustand der «stillen Örtchen» in den Eisenbahnwagen und Bahnhöfen ist immer wieder ein Thema bei Reisenden und auch in der öffentlichen Diskussion über den öV.

Die manchmal zu Recht als schmuddelig verschrieenen Orte sollen jetzt ein Facelifting bekommen. 730 WCs in den ICN und in den Doppelstockwagen werden unter anderem mit auf Folie aufgedruckten Fotosujets freundlich gestaltet. Die Bahn erhofft sich dadurch mehr Sauberkeit der Benutzer und weniger Vandalismus.

«Gute Visitenkarte»

Unter mehreren Bewerbern konnte sich die Egerkinger Firma Fischer Schriften AG den Grossauftrag der SBB sichern. «Er ist für unsere Positionierung im nationalen Markt für Beschriftungen natürlich eine gute Visitenkarte», erklärt Michael Fischer, der 38jährige Chef und Eigentümer der vor 17 Jahren gegründeten Firma.

Der gelernte Schriftenmaler – heute heisst der Beruf Gestalter/Werbetechniker – entschloss sich früh für die Selbständigkeit und hatte damit Erfolg. «Trotz einigen Durststrecken sind wir kontinuierlich gewachsen», erklärt Fischer. Im Durchschnitt konnte er jedes Jahr einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin anstellen, sodass heute 17 Personen in der Firma beschäftigt sind. Alle seien ausgebildete Werbetechniker. Das Wachstum sei bisher ohne spezielle Marketing-Massnahmen erfolgt. Dieser Bereich werde nun aber mit einem Arbeitspensum von 40 Prozent abgedeckt.

Auf neuste Technologien gesetzt

«Unser Wachstum war unter anderem möglich, weil wir immer wieder auf die neusten Technologien gesetzt haben», erklärt Fischer. So habe er schon früh Digitaldruck eingesetzt und auch immer grossformatigere Bearbeitungsebenen angeboten. Kaum ein Material, das heute nicht zu Werbe- und Verpackungszwecken bearbeitet werden kann. Von der bedruckten iPhone-Hülle, über Taschen, Kleidungsstücke, Fahnen bis zu grossformatigen Beschriftungen für Sattelschlepper ist alles möglich. Kürzlich wurden sogar Äpfel mit einem Firmenlogo gelasert.

Stickautomaten nähen Schriftzüge und Logos auf Textilien. Fräsroboter schneiden beliebige Formen aus Plexiglas, Metall oder Spezialkarton aus. Mit Lasertechnik werden Alu-Profile geschnitten oder selbst natürliche Materialien wie Leder und Holz bearbeitet oder beschriftet. «Für grossformatige Werbestelen, beispielsweise für den Messebau, setzen wir vermehrt auf Stoff», erklärt Fischer. Dieser kann leicht transportiert und in Rahmen aufgespannt werden und kann auch für hinterleuchtete Darstellungen verwendet werden. Bedruckte Stoffe würden auch immer öfter zur Raumgestaltung in Büros oder auch zuhause verwendet. «Wir erleben eine Renaissance der einstigen Fototapete», erklärt Fischer.

Vier vorgegebene Sujets

Diese kommt als abwaschbare Kunststofffolie auch in den SBB-WCs zum Einsatz. Während der Fahrt habe man die SBB-WCs ausgemessen und danach die vier von den SBB vorgegebenen Sujets realisiert: ein Bergpanorama, eine Waldlandschaft, Himmel mit Wolken und ein gekacheltes Badezimmer. Die Folien, die spezielle Anforderungen bezüglich Brandschutz und Graffiti-Entfernung erfüllen müssen, werden mit einem «lösemittelfreien Öko-Latexdrucker» hergestellt und anschliessend laminiert und auf Stücke zugeschnitten, die vom SBB-Personal montiert werden kann. Noch etwa bis Mitte Jahr werde man für diesen SBB-Auftrag arbeiten. Die Hoffnung auf eine weitere Auftragstranche bestehe.

Ein Rückgrat der Fischer Schriften sind allerdings nach wie vor Fahrzeugbeschriftungen, wie der Chef erläutert. Komplizierte Karrosserieformen sind kein Hindernis, die entsprechenden Foliendaten werden von den Herstellern elektronisch zur Verfügung gestellt. Und seit letztes Jahr ein viergeschossiger Neubau in der Egerkinger Industriezone bezogen wurde, kommt man sich beim Arbeiten mit den grossen Folien nicht mehr in die Quere. Seit der Gründung war die Firma vorher im Dorfzentrum beheimatet. «Das neue Gebäude erlaubt uns grosse Fortschritte in der Produktivität.» Und geografisch könne man sich für Fahrzeugbeschriftungen ohnehin keinen besseren Standort vorstellen als Egerkingen, lacht Fischer, der hier aufgewachsen und geblieben ist.

Büros gleich Show-Rooms

Der Neubau wird polyvalent genutzt: ein Teil der Flächen ist vermietet und dient als Reserve für späteres Wachstum, eine Besucher-Lounge mit Küche wird für gesellschaftliche Anlässe oder Sitzungen vermietet und dient zugleich als Showroom für die Firma. Die Büros der Administration sind auch Show-Rooms. Sie wurden von einem Hersteller von Schallschutz-Lösungen zu Demo-Zwecken mit Decken- und Wandelementen ausgestattet. Diese können wiederum mit Fischer-Technologie individuell gestaltet werden.

Die Firma fasst jetzt auch Fuss im Ausland. Einem Kunden aus Deutschland hat die grossformatige Kartendarstellung auf dem Boden des Einkaufszentrums Gäupark gefallen: Auf 17,5 mal knapp 29 Meter läuft man über eine Schweizer Landeskarte im (ursprünglichen) Massstab 1:25 000, die das Schweizer Mittelland zwischen Wangen a.A. und Holderbank (AG) zeigt. Mit einer Grösse von 380m dürfte es die grösste Kartendarstellung in der Schweiz sein. «Wir können jetzt etwas ähnliches für ein deutsches Einkaufszentrum realisieren», erklärt Fischer. Bereits steht auch ein weiterer Technologieschub an: Demnächst wird der bestehende UV-Drucker durch eine UV-Druckmaschine mit LED-Technik ersetzt, die im Direktdruckverfahren verschiedene Materialien bedrucken kann. Sie kann bis zu 25 m pro Stunde bedrucken.

Aktuelle Nachrichten