Egerkingen
Feuerwehr übt bei Härterei Gerster den Ernstfall

340 Feuerwehrleute bekämpften den Brand und die Rauchentwicklung und retteten vier vermisste Mitarbeitende der Firma. Einsatzkräfte des Bezirksfeuerwehrverbands Gäu simulierten in Egerkingen einen Grosseinsatz.

Karin Heimann und Daniel Kaspar
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Beim Übungseinsatz waren alle Feuerwehren des Bezirksfeuerwehrverbands im Einsatz.

Beim Übungseinsatz waren alle Feuerwehren des Bezirksfeuerwehrverbands im Einsatz.

zvg

Um 9.57 Uhr ging bei der Feuerwehr eine Meldung ein: Brandausbruch mit starker Rauchentwicklung in der Produktionshalle 1 der Härterei Gerster AG, Rauch und Hitze breitet sich über zwei Stockwerke aus.

Glücklicherweise handelte es sich nicht um einen Ernstfall, sondern um eine gross angelegte Übung der Gäuer Ortsfeuerwehren und der Betriebsfeuerwehr Migros Neuendorf. Die zwei Übungen (8–9.30 Uhr und 10–11.30 Uhr) wurden mit je 170 Feuerwehrleuten durchgeführt, die den Brand und die Rauchentwicklung bekämpften und vier vermisste Mitarbeitende der Firma retteten.

Kommunikation funktioniert

Das Firmenareal wurde in drei Abschnitte unterteilt: Haupteingang beziehungsweise Südseite des Gebäudes, Rückseite respektive Nordseite des Gebäudes sowie die Produktionshallen 2 und 3. An der Übung zeigte sich, dass die Kommunikation untereinander und auf den verschiedenen Funkkanälen gut funktioniert.

Dominik Aebischer aus Egerkingen, der zusammen mit Stefan Huber und Daniel Studer aus Oensingen die Übung vorbereitet hat, ist zufrieden: «Es hat sich gezeigt, dass das Arbeiten mit verschiedenen Abschnitten die richtige Lösung ist und wir auch in einem Ernstfall in dieser Grösse so arbeiten würden.»

Der Nutzen für die Feuerwehr erläutert Dominik Aebischer: «Dank der Firma Gerster können wir an einem realen Objekt üben und im Ernstfall dient uns der im Voraus erstellte und nun überprüfte Einsatzplan als Checkliste.»

Tatkräftig unterstützt wurden die Feuerwehrleute von der betriebseigenen Löschgruppe der Härterei Gerster. Diese besteht aus 13 Mitgliedern und erleichtert den Rettungskräften mit ihren Ortskenntnissen und ihrem technischen Fachwissen den Einsatz in der komplexen Produktionsanlage. Für die Härterei Gerster gehört der Umgang mit Wärme und hohen Temperaturen bei der Wärmebehandlung zum täglichen Brot.

Entsprechend wichtig ist für sie eine gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Die Übung gehört zum Risikomanagement der Firma, das für sie nicht nur aus Arbeitsplatz- und Umweltsicherheitsgründen ein wichtiges Anliegen ist: «Ein umfassendes Risikomanagement ist eine Voraussetzung, um als Lieferant für Branchen wie Automobilindustrie, Medizintechnik oder Luftfahrt überhaupt zugelassen zu werden», erläutert Michael Wesslein, Leiter Produktion und Technik und Mitglied der Geschäftsleitung. Für die Feuerwehr stand bei der Übung die ortsübergreifende Zusammenarbeit sowie die Kommunikation untereinander im Vordergrund: Diese Ziele hat der Bezirksfeuerwehrverband erreicht.

Wissen, was zu tun ist

Verbesserungspotenzial sieht Daniel Haltinner, Präsident des BFV Gäu, vor allem in der Auftragserteilung: «Die Aufträge müssen klar und verständlich übermittelt werden, sodass die Offiziere, Gruppenführer und die restlichen Angehörigen der Feuerwehr genau wissen, was zu tun ist.» An der Übung waren alle Feuerwehren des Bezirksfeuerwehrverbands Gäu beteiligt. Zu diesem gehören die Ortsfeuerwehren von Egerkingen, Härkingen, Niederbuchsiten, Oberbuchsiten, Neuendorf, Fulenbach, Kestenholz, Wolfwil, Oensingen sowie die Betriebsfeuerwehr Migros Neuendorf.

Der Präsident Daniel Haltinner erklärt: «An einer solchen Übung oder einem solchen Einsatz sind wir keine Einzelmasken, sondern ein Gesamtspiel. Alle müssen miteinander kommunizieren und funktionieren.» Die Feuerwehren standen jeweils mit der ganzen Mannschaft im Einsatz. Auch die Fahrzeuge der jeweiligen Feuerwehren waren alle vor Ort. Jürg Moser, der Sicherheitsbeauftragte der Firma Gerster, ist ebenfalls zufrieden: «Ich freue mich über das Engagement, das unsere Löschgruppe gezeigt hat. Heute konnten wir alle ganz konkret erleben, wie wichtig ihre Arbeit ist.»

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