Kiesgrube Aegerten
Erschliessung Kiesgrube: Jetzt melden sich die Gegner zu Wort

Von «Grossen Bedenken» bis zu «Jammern auf hohem Niveau»: Die Erschliessung der Kiesgrube Aegerten in Neuendorf gab an der Informationsveranstaltung zu reden.

Melina Aletti
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Bruno Kissling

Die Frage nach der Erschliessung der Kiesgrube Aegerten in Neuendorf erhitzt nach wie vor die Gemüter. Seitdem Anfang 2013 Einsprachen gegen das geplante Verkehrsregime eingegangen waren, dauern die Diskussionen an. Auch der Weiterzug der Beschwerde an den Regierungsrat und später an das Verwaltungsgericht oder ein runder Tisch haben bis anhin keine Lösung hervorgebracht.

Zwar konnte der Kiesabbau im April dieses Jahres wieder aufgenommen werden, doch die Einwohnergemeinde bekam vom Regierungsrat die Auflage, innerhalb zweier Jahre eine bessere Lösung zu finden. Bis dahin wird die Variante «Zirkular» gefahren, die über die Fulenbacherstrasse zur Kiesgrube und zurück über die Wolfwilerstrasse führt.

«Zirkular» knapp vorn

Am Donnerstag informierte die Gemeinde über die Ergebnisse der zweiten Nutzwertanalyse und das weitere Vorgehen. Rund 60 Interessierte folgten der Einladung. Cyrill von Arx, ehemaliger Gemeindevizepräsident, erklärte, wie die beiden Nutzwertanalysen zustande gekommen sind und weshalb sich gewisse Unterschiede ergeben.

Die Arbeitsgruppe Erschliessung Kiesgrube Aegerten (AG EKA) hatte von Einwohner- und Bürgergemeinde den Auftrag erhalten, die Nutzwertanalyse aus dem Jahr 2014 zu überarbeiten. Dazu wählte sie zuerst aus der alten Analyse die vier bestplatzierten Routen aus und fügte eine neue hinzu.

Danach wurden die Haupt- und Unterkriterien und deren Gewichtung überarbeitet. Die vier Hauptkriterien waren: Gesellschaft, Umwelt, Land- und Forstwirtschaft und Wirtschaftlichkeit. Ergebnis der Analyse ist, dass die Varianten «Fulenbacherstrasse» und «Zirkular» deutlich zu bevorzugen seien. Da das Ergebnis sehr knapp war, habe die Arbeitsgruppe dem Gemeinderat beide zur Auswahl empfohlen, sagte von Arx. Der Rat sprach sich schliesslich für die zweitplatzierte Variante «Zirkular» aus.

Mitwirkungsverfahren angelaufen

Von Arx liess die Anwesen ferner wissen, dass gleichzeitig mit dem Informationsanlass auch das bis Ende Oktober laufende Mitwirkungsverfahren gestartet wird. In dieser Zeit können sich Einwohner und betroffene Dritte schfriftlich zur geplanten Variante zu äussern.

Es gehe dabei um Aspekte, die zu wenig gewichtet worden seien. Auf Grundsatzdiskussionen werde nicht weiter eingegangen, so von Arx, da die Variante vom Gemeinderat beschlossen worden sei und dieser Beschluss nicht zur Diskussion stehe.

Bei der Eröffnung der Fragerunde wurde Cyrill von Arx regelrecht überrannt. Heinz Flück, einer der Einsprecher der ersten Stunde und Anwohner der Wolfwilerstrasse wollte zum Beispiel wissen, was das Mitwirkungsverfahren bringe, wenn die Route bereits festgelegt sei. Von Arx erwiderte, dass nach wie vor Verbesserungsvorschläge eingebracht werden könnten.

Flück sprach sich für die Variante Erlenstutz aus, die nicht durch Siedlungsgebiet führe. Ein anderer Zuhörer gab zu bedenken, dass dieser Hügel viel zu steil und deshalb im Winter für Lastwagen unbefahrbar sei.

Pro und Kontra

Die Sicherheit der Schulkinder war ein sehr verbreitetes Anliegen, das mehrfach in der Diskussion aufgegriffen wurde. Auch die Anzahl der Lastwagen, die momentan verkehren, war ein Thema; von 11 pro Stunde bis 18 bis 20 am Tag variierten dazu die Angaben. Der auf dem «Teilregionalen Abbaukonzept» aufbauende Umweltverträglichkeitsbericht spricht von einer Zunahme um 1,4 Prozent des Gesamtverkehrs.

Ähnlich verhielt es sich mit der allgemeinen Einstellung der Anwesenden: Einige äusserten grosse Bedenken, während andere die Diskussion «Jammern auf hohem Niveau» nannten. Als Argument für die Variante «Zirkular» wurde genannt, dass die Belastung aufgeteilt werde. Diese Variante sei sehr solidarisch, zumal die Kieseinnahmen der Bürgergemeinde letztlich auch allen Einwohnern zugutekämen, wurde erwähnt.

Ein Zuhörer meinte, die Firma Vigier als Kiesgrubenbetreiberin könnte auch etwas an die Gemeinde zahlen, statt an die Erschliessung, dann hätten alle etwas davon. Darauf folgten Applaus und Gelächter, was die angespannte Stimmung etwas zu lockern vermochte. Ab wann die definitive Lösung rechtskräftig sein wird, kann zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.

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