Fasnacht
Egerkingen heisst die Ritterzeit willkommen

Mit dem traditionellen Narrechlapf wurde in Egerkingen die Fasnacht eröffnet.

Erwin von Arb
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Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi übergibt Chräiemuetter Brini I. den Schlüssel der Macht.

Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi übergibt Chräiemuetter Brini I. den Schlüssel der Macht.

Erwin von Arb

Mit einem Punkt 20 Uhr abgeschossen Böller wurde am Mittwochabend in Egerkingen die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Chräiemuetter Brini I. alias Sabrina Studer regiert in den kommenden Tagen unter dem Motto «Zmitzt ir Ritteryt» die Narren im Dorf an. Sie freue sich, dass es endlich losgehe, meinte die 27-jährige Obernärrin, die beruflich als selbstständige Coiffeuse arbeitet.

Freude verspürte auch Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi, welche dem zahlreich erschienenen Publikum amüsant vor Augen führte, dass das Egerkinger Fasnachtsmotto durchaus passend sei. Ein Blick auf die gegenwärtige Weltlage lasse eine Rückkehr in die Vergangenheit durchaus als erstrebenswert erscheinen.

Die Ritter das Fürchten gelehrt

Die Gemeindepräsidentin erinnerte ferner an die Eidgenossen, welche so manch stolzem Rittergeschlecht im wahrsten Sinn des Wortes den Garaus gemacht hätten. Noch heute bestünden Animositäten gegenüber den Habsburgern, sprich Österreichern. Gekämpft werde aber nicht mehr auf den Schlachtfeldern, sondern auf der Skipiste, wo die die Schweizer gegenwärtig leider wenig Glück hätten. «Ein Grund mehr, die Ritterzeit wieder herbeizusehnen», so Bartholdi.

Ritter seien raue Kerle gewesen, die keinem Streit ausgewichen seien. Missbräuche, Ausschweifungen und Sittenlosigkeit hätten ebenso zur Ritterzeit gehört, wie bechern, saufen und raufen. Ein echter Fasnächtler beherrsche mindestens das Bechern. «Raufen, Missbräuche und Sittenlosigkeit überlassen wir den anderen», meinte Bartholdi in die Runde.

Mittelalter hätte auch Vorteile

Nicht verkneifen konnte sich die Gemeindepräsidentin einige Sätze zu den Steuerschuldnern im Dorf. Sie erwähnte, dass im Mittelalter Steuern und Bussen auch in Form von Naturalien bezahlt werden konnten. «Bei einigen Steuerschuldnern wäre das auch heute noch die ideale Lösung. Die Gemeinde könnte sie zu Fronarbeit verdonnern, etwa zum Zusammenwischen der Konfetti nach dem Fasnachtsumzug.»

Den Rittern des Mittelalters attestierte die Gemeindepräsidentin indes auch eine zartfühlende Seite, vor allem dem zarten Geschlecht gegenüber. Als Minnesänger hätten die Ritter die Frauen mit Liedern verherrlicht, angehimmelt und verehrt. «Am liebsten, wenn die Frauen verheiratet gewesen sind», bemerkte Bartholdi mit einem Schmunzeln. Deshalb sei es richtig, dass die aktuelle Chräiemuetter Brini I. eine junge hübsche Frau sei, folgerte Bartholdi. Zwar sei diese noch nicht verheiratet, die Fasnacht aber auch noch nicht zu Ende.

Männer beknien die Frauen

Um Obernärrin Brini I. und den Frauen insgesamt wie in der Ritterzeit die ihnen gebührende Ehrerbietung zukommen zu lassen, forderte Johanna Bartholdi die anwesenden Männer auf, diese Tugend sogleich zu trainieren, indem sie vor der holden Weiblichkeit auf die Knie gehen, um in dieser Haltung das Lied «En Schwan so wiss wie Schnee» von Gölä zu singen. Unter Mithilfe der Chräieschränzer, welche den Anlass mit ihren schrägen Tönen bereicherten, und zur Freude der Frauen gelang dies in eindrücklicher Manier. Bartholdi blieb in Folge nur noch der Abgang von der politischen Bühne, was mit der Übergabe des Schlüsselns an Brini I. symbolisch vollzogen wurde.

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