Mümliswil
Chefin der «Metzg im Guldental» führt jetzt auch die Chesi

Doris Rudolf übergab den Schlüssel der Mümliswiler Chesi Ende Juni an Margrit Zaugg. Diese führt im Dorf schon die «Metzg im Guldental».

Josef Tschan-Studer
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Doris Rudolf von Rohr (r.) übergibt symbolisch den Schlüssel der Chesi an ihre Nachfolgerin Margrit Zaugg. Hintere Reihe (v.l.) Doris Boner, Madlen Walter und Barbara Nussbaumer.

Doris Rudolf von Rohr (r.) übergibt symbolisch den Schlüssel der Chesi an ihre Nachfolgerin Margrit Zaugg. Hintere Reihe (v.l.) Doris Boner, Madlen Walter und Barbara Nussbaumer.

Josef Tschan

Ende Juni ging in Mümliswil eine Ära zu Ende – nach 25 Jahren übergab das «Chesi-Doris» alias Doris Rudolf von Rohr die Schlüssel ihres Dorfladens an Margrit Zaugg, die seit rund einem Jahr die Metzg im Guldental führt. Ein Glücksfall für Mümliswil, denn lange war nicht klar, ob die Chesi überhaupt einen Nachfolger findet und das Traditionsgeschäft weitergeführt wird oder nicht.

Doris Rudolf von Rohr kann auf bewegte 25 Jahre zurückblicken. In einem Alter, in dem die meisten Leute schon ihre Pension planen, wagte sie nämlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Zuvor war Doris Rudolf von Rohr schon zehn Jahre als Teilzeitangestellte und ein halbes Jahr als Filialleiterin ad Interim in der Käserei Mümliswil tätig. «Damals wurde die Chesi noch von der Usego-Gruppe geführt», erinnert von Rohr sich. Die Usego wollte alle Läden abstossen und liess uns wissen: «Entweder übernimmt jemand den Laden in Eigenregie oder das Geschäft wird geschlossen»!

Start kostete viele Kraft und Ausdauer

«Für mich war es keine leichte Entscheidung. Ich hatte Kinder, Haushalt und eigentlich gar keine Zeit, mehr zu arbeiten». Doch sie habe es gewagt und dank der vollumfänglichen Unterstützung der Westschweizer «Mini Marché» und deren Chef Adolf Lussi schliesslich auch geschafft. «Ein ganz grosser Dank gehört aber auch meiner Familie, die mir immer unter die Arme gegriffen hat und oft auf mich verzichten musste». Anfangs war der Kundenstamm der Chesi noch klein und von Rohr musste praktisch bei null anfangen. Der Aufwand war enorm – zehn Stunden und mehr pro Tag keine Seltenheit. Doch mit Freude am Beruf und viel Herzblut habe sie es geschafft, zu einem festen Bestandteil im dörflichen Gewerbe zu werden.

Nach und nach wurde auch das Sortiment ausgebaut. Die Chesi war bald bekannt für feine Fondue-Mischungen, auserlesene Raclette-Spezialitäten und gluschtige Käseplatten. Später kamen auch Thaler Produkte und «so-natürlich» dazu. Nach der Schliessung der Dorf-Bäckerei wurde auch das Backwaren-Sortiment ausgebaut. Der Laden von «Chesi-Doris» war aber auch eine «soziale» Einrichtung. «Ich habe im Laufe der letzten 25 Jahre viele Schicksale im Dorf hautnah miterlebt», erklärt sie. Krankheiten, familiäre Probleme und Tod seien bei ihr im Laden besprochen worden und sie habe immer für alle ein offenes Ohr gehabt.

«Mümliswil ohne Chesi? – unmöglich!», brachte es dann letzte Woche eine Kundin auf den Punkt. Wie beliebt Doris und ihre Chesi waren, zeigte sich auch beim Abschiedsfest. Zahlreiche Kunden kamen mit kleinen Geschenken, eine Delegation der «Konkordia» brachte ein Ständchen und der Tag war gefüllt mit Dankesworten und Tränen. «Ich bin schon etwas traurig – aber auch glücklich, dass der Laden weitergeführt wird», schloss von Rohr. Sie habe jetzt endlich Zeit für sich, ihre Familie und Enkelkinder, vor allem aber sei sie dankbar. «Grosser Dank gebührt auch meinem langjährigen Team – es sind tolle Angestellte.»

Auf Doris folgt Margrit

Mini Marché schrieb schon vor längerer Zeit den Dorfladen aus. Insgesamt gingen fünf Bewerbungen ein. Das Auswahlverfahren war akribisch und professionell. Schliesslich fiel die Wahl auf Margrit Zaugg, die ennet der Strasse seit etwas mehr als einem Jahr die «Metzg im Guldental» führt. Ihre Eltern führten die damalige «Ochsen-Metzg» schon vor Jahren. Deshalb kennt sie die Guldentaler Gegebenheiten und wusste, dass die Schliessung der Chesi ein herber Verlust für das Dorf bedeuten würde. «Eigentlich war es gar keine Bewerbung, ich erkundigte mich bloss nach den Bedingungen», so Zaugg. Da sie aber im Lebensmittelhandel keine Unbekannte sei, ging die Sache halt dann ihren Weg. Um die kommunale Bindung zu unterstreichen heisst es neu auch «Chesi im Guldental».

Da sich Mini Marché aus der Deutschschweiz verabschieden will, treten seit einiger Zeit Volg und mit Vertragslieferanten als Partnerin auf. «Wir wollen aber weitestgehend selbstständig bleiben und den Dorfladen-Charakter beibehalten», betont Zaugg. Und so wird nicht das ganze Volg-Sortiment übernommen, sondern weiterhin auf lokale und regionale Spezialitäten gesetzt. «Bei uns findet man Aktionsspülmittel genauso wie Eier vom benachbarten Bauernhof», bringt es Zaugg auf den Punkt. Neu zum Team mit Doris Boner und Barbara Nussbaumer stossen wird Madlen Walter, die bereits vor Jahren im Laden arbeitete. Zauggs Lebenspartner Res Röthlisberger wird als ausgebildeter Käser ebenfalls sein Wissen einbringen.

Im Dorf ist die Erleichterung gross, dass die Chesi weiter besteht. Der Laden ist ein Stück Dorfkultur. Das zeigen auch die Lobes-SMS der Guldentaler Fasnächtler, die eine ihrer «Anlaufstellen» an der Chesslete nicht missen möchten.

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