Managementplan
Bewährtes behalten, Neues entwickeln: Naturpark-Thal-Chefs wollen Label wieder beantragen

Der Naturpark Thal präsentiert die Weichenstellungen für die nächste Arbeitsperiode, den Managementplan 2020 bis 2029.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Ines Kreinacke (Leiterin Naturpark) und Bruno Born (Präsident Verein Region Thal) sprechen über die Zukunft des Naturparks.

Ines Kreinacke (Leiterin Naturpark) und Bruno Born (Präsident Verein Region Thal) sprechen über die Zukunft des Naturparks.

Erwin von Arb

2010 hat der Naturpark Thal das Label «Regionaler Naturpark» vom Bundesamt für Umwelt BAFU mit einer Gültigkeit von zehn Jahren verliehen bekommen. Es besteht nun die Absicht, das Label im Frühling 2019 für die kommenden zehn Jahre bis 2029 zu beantragen. Dazu braucht es einen neuen Pärkevertrag zwischen den Gemeinden, einen überarbeiteten Managementplan und eine detaillierte Auswertung der vergangenen Arbeitsphase.

Jetzt rufen die Naturpark-Verantwortlichen Interessierte auf, bis 10. September schriftlich Stellung zum neuen Managementplan 2020 bis 2029 zu nehmen, weitere Ideen einzubringen oder auch Kritik zu üben. Die überarbeitete, endgültige Fassung verabschiedet der Vorstand im Herbst. Danach sind die Thaler Gemeindeversammlungen gefragt. «Nur wenn alle neun Gemeinden zustimmen, kann das Label für weitere zehn Jahre beantragt werden», sagt der Präsident des Vereins Region Thal Bruno Born.

Rund 140 Personen aus der Region, aber auch extern hinzugezogene Fachleute haben in unterschiedlichen Workshops im Frühling 2018 neue oder bestehende Ziele zur Weiterführung ausdiskutiert und beraten. Ines Kreinacke, die Leiterin des Naturparks hält fest: «Vor allem auch, weil der Naturpark Thal als Erster das Label Naturpark vom Bund erhalten hat, und damit als Erster auch eine Evaluation der letzten zehn Jahre durchgeführt und die gesamte Charta überarbeitet hat, war alles eine riesige Herausforderung. Auch für das BAFU ist das ein noch nie durchlebter Prozess».

Blick in die Vergangenheit

Die Inhalte und Aufgaben des Naturpark Thal haben sich in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt. Dies ist nicht nur im Thal so, sondern gilt auch für die anderen Schweizer Naturpärke. Sie verstehen sich als Modellregionen für eine nachhaltige Entwicklung mit den Dimensionen Natur, Wirtschaft und Gesellschaft.

Laut Bruno Born hat dies auch die Evaluation 2010-17 deutlich gezeigt. «Wir haben nicht nur unsere schöne Landschaft erhalten, sondern uns auf allen Gebieten weiterentwickelt,» sagt Born. Die Zusammenarbeit unter den Thaler Dörfern hat sich intensiviert, ein langer Prozess, der heute auf gutem Weg sei. Born sagt: «Auch wenn Vieles auf den ersten Blick nicht sichtbar ist, in Bereichen wie Schulen, Feuerwehr, Zivilschutz, Wasserversorgung wird schon lange regional zusammengearbeitet.

Es gilt nun für die Zukunft, diese Stossrichtungen weiter voranzutreiben und der Bevölkerung bewusster zu machen». Und Kreinacke ergänzt: «Es gibt Bereiche im Thal, bei denen nur durch regionale Zusammenarbeit eine Wirkung erzielt werden kann. Zum Beispiel der Tourismus.» In Zukunft sollen weitere Themen verstärkt regional angepackt werden: Energie, Attraktivität als Wirtschaftsstandort, Mobilität sowie regionale Aspekte der Raumplanung. Die Zertifizierung von inzwischen über 400 Naturparkprodukten ist eine der Erfolgsgeschichten der vergangenen zehn Jahre Käse, Wurst und vieles mehr aus dem Thal – das alles bringt eine beeindruckende Wertschöpfung, wir sprechen inzwischen von 1,2 Mio. Franken Umsatz pro Jahr», sagt Kreinacke.

In der Rückschau betrachtet, gibt es aber auch Bereiche, die nicht den erhofften Erfolg brachten. Zum Beispiel habe das Projekt «Wohnen im Thal» die gesteckten Erwartungen nicht erfüllen können. Doch, so wird gesagt, geht es bei allen Projekten auch um ein positives Image und Wertschätzung der Region und deren Wirkung lässt sich schwer in Geld messen. Born stellt fest: «Die Bevölkerungszahlen der vergangenen zehn Jahre beweisen, dass wir die vor Jahren prognostizierte Abwanderung aufhalten konnten. Dass wir im Gegenteil in fast allen Gemeinden von einer leichten Bevölkerungszunahme sprechen können».

Blick in die Zukunft

Die Bereiche Natur und Landschaft sowie Förderung der nachhaltigen Wirtschaft sind weiterhin Kernthemen. Zukünftig sollen die Bereiche Umweltbildung und Gesellschaft eine grössere Rolle spielen. Neue Themen wie Natur im Siedlungsraum und die Aufwertung von kleineren Fliessgewässern werden intensiv diskutiert. Als weitere konkrete Projekte zählt Kreinacke auf: «Den Bau von Trockenmauern wollen wir wieder aufnehmen und für den Holzweg soll es ein Erweiterungs-, respektive Nachfolgeprojekt geben; auch an anderen Orten im Thal.

Die Umsetzung der bereits geplanten Bike-Route vom Weissenstein über die gesamte zweite Jurakette wird mit allen Beteiligten angegangen. Zukünftig wollen wir noch enger mit unseren Nachbarn vom Weissenstein, Wasserfallen und Langenbruck zusammenarbeiten, so die Leiterin. «Auch tauschen wir uns eng mit anderen Naturpärken aus und profitieren von deren Erfahrungen.»

Tourismus

Und damit ist man beim Thema Tourismus angelangt. «Wir stellen eine stark zunehmende Nachfrage nach Wohnmobilstellplätzen, sowie individuellen, besonderen und neuartigen Übernachtungsmöglichkeiten fest. Hier wollen wir neue Thaler Angebote unterstützen und mit Partnern weiterentwickeln», so Ines Kreinacke über die weiteren Pläne.

Zukünftig wird auch die Entwicklung der Mobilität ein wichtiges Thema sein, auch wenn für die Naturpark-Verantwortlichen im Managementplan die Verkehrsentlastung Klus keine Rolle spielt. «Dieses Thema klammern wir aus. Es gibt genügend Player, die sich damit intensiv beschäftigen», erklärt die Leiterin. «Wir widmen uns ergänzenden Ideen, deren Umsetzung wir innerhalb des Thals zeitnah umsetzen können: Der Schaffung für Mitfahrgelegenheiten für Thaler Pendler, Veloab-stellplätzen oder dem Angebot von Co-Working-Arbeitsplätzen, die ab sofort auch im Naturpark-Infozentrum zur Verfügung stehen.»

Wisent- und Hotelprojekt

Zwei Projekte, die von Privaten initiiert worden sind, und die nicht im Naturpark-Managementplan auftauchen, sind das Wisent- und Hotelprojekt, beide auf Welschenrohrer Boden. Dazu Bruno Born: «Zum Wisentprojekt kann gesagt werden, dass der Vorstand sich intensiv über das Projekt informiert hat. Wir verstehen die grossen Bedenken der Landwirte und Jäger, sind uns aber auch im Klaren, dass es sich um ein Projekt von grossen touristischen Potenzial handelt.

Als Naturpark wollen und können wir zum jetzigen Zeitpunkt keinen Einfluss auf, und keine Stellung zu diesem Projekt nehmen.» Das Hotelprojekt von Frédy Grimm in Welschenrohr sehe der Vorstand als wertvolles Projekt an, das der Naturpark unterstützt. Die Projektleitung oder die Verantwortung für die Umsetzung des geplanten Naturparkhotels zu übernehmen, ist jedoch nach Meinung des Vorstandes nicht Aufgabe des Naturparks.

Wie weiter?

Erst wenn alle neun Thaler Gemeinden zum neuen Parkvertrag Ende Jahr Ja gesagt haben, kann der Naturpark beim BAFU die Charta 2020-2029 einreichen, welche auch die konkreten Programmvereinbarungen für die kommenden fünf Jahre beinhaltet.

Born ist sich bewusst, dass die Zustimmungen der neun Gemeinden – verbunden mit dem Parkfünfliber pro Einwohner und Jahr – keine Selbstverständlichkeit ist. «Es wäre leichtfertig von uns zu glauben, der neue Parkvertrag komme von selbst.» Deshalb ist die Naturpark-Leiterin Ines Kreinacke derzeit auch unermüdlich daran, den Managementplan 2020-2029, sowie die Leistungen des Naturparks in der Vergangenheit in den unterschiedlichsten Gremien der Thaler Gemeinden vorzustellen.

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