FC Härkingen

340'000 Franken veruntreut – ins Gefängnis muss der ehemalige Kassier aber nicht

Vereinsgeld verzockt

Vereinsgeld verzockt

Über 300`000 CHF hat ein Kassier vom FC Härkingen ergaunert und verspielt. Nun wurde er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und muss die Summe zurückzahlen.

Der ehemalige Kassier des FC Härkingen wurde wegen mehrfacher Veruntreuung und mehrfacher Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, bedingt auf zwei Jahre, verurteilt.

Nur gerade 20 Minuten dauerte die am Donnerstagnachmittag im abgekürzten Verfahren durchgeführte Gerichtsverhandlung im Schmelzihof in Balsthal. Dann verlas Amtsgerichtstatthalterin Barbara Steiner das Urteil.

18 Monate Freiheitsstrafe bedingt auf zwei Jahre lautete das Verdikt für die Veruntreuung von insgesamt rund 340'000 Franken und mehrfache Urkundenfälschung für Martin W*. Diese Summe hatte der ehemalige Kassier des FC Härkingen zwischen Oktober 2011 und Mitte Januar 2015 zur Finanzierung seiner Spielsucht auf seine eigenen Konten abgezweigt.

Therapiegespräche als Auflage

Zur Sache selbst musste sich der Beschuldigte nicht mehr äussern. Auf Nachfrage von Barbara Steiner musste er lediglich noch bestätigen, dass sämtliche in der Anklageschrift aufgeführten Straftatbestände der Wahrheit entsprachen. Dies tat der Mann vorbehaltlos, der mit seiner Freundin zur Verhandlung erschienen war. Einverstanden erklärte sich Martin W. auch mit der Auflage, während der zweijährigen Bewährungszeit seine Therapiegespräche zur Bewältigung der Spielsucht weiterzuführen. Mit der Therapie hat er im Februar 2015 begonnen. Auf dem Programm stehen jährlich vier bis fünf Sitzungen.

Dank dem Darlehen der Supportervereinigung und der Unterstützung vieler Privatpersonen sowie diverser Sponsoren ist der FC Härkingen wieder auf Kurs.

Dank dem Darlehen der Supportervereinigung und der Unterstützung vieler Privatpersonen sowie diverser Sponsoren ist der FC Härkingen wieder auf Kurs.

Inwieweit Martin W. seine Spielsucht im Griff hat, wurde an der Verhandlung nicht erörtert. Klar ist aber, dass er zur Finanzierung dieser Spielsucht als Vereinskassier in über 60 Einzelakten 243'300 Franken auf seine eigenen Konten transferiert hatte. Ebenfalls auf seinem Privatkonto landeten Bargeldbezüge in der Höhe von 95'226 Franken sowie 709 Franken aus fiktiven Rechnungen. Von den daraus resultierenden rund 340 000 Franken zahlte Martin W. in den Jahren 2013 und 2014 den Betrag von 90'147 Franken zurück.

Das «stille» Konto geplündert

Diese Rückzahlung blieb damals allerdings ebenso unbemerkt wie die erwähnten Veruntreuungen. Möglich war dies, weil der FC Härkingen zu jener Zeit sein Guthaben bei zwei Banken deponiert hatte. Von diesen Konten wurde aber nur eines aktiv bewirtschaftet. Der Verein wähnte sich deshalb im Glauben, sein Vermögen auf dem «stillen» Konto zu haben.

In Tat und Wahrheit wurden die Gelder jedoch nicht auf das «stille» Konto überwiesen, sondern direkt auf das Privatkonto des Kassiers. In der Buchhaltung wies Martin W. diese Bezüge jeweils als Überweisung vom aktiven Konto des Vereins auf das «stille» Konto aus. Zudem fasste er jeweils Ende Saison Bezüge aus der Barkasse als Einmalüberweisung zusammen und verbuchte diese ebenfalls als Geldeingang auf dem «stillen» Konto.

Entdeckt wurden die Machenschaften des Kassiers, als der Verein seine auf zwei Banken deponierten Guthaben zusammenlegen wollte. Dem damals 38-jährigen Kassier gelang es zwar anfänglich, die dafür notwendige Transaktion der Gelder mit glaubhaften Begründungen zu verzögern. Schliesslich wurde der Druck aber so gross, dass er beim Präsidenten Matthias Heim ein Geständnis ablegte. «Wir haben von ihm verlangt, dass er sich selbst anzeigt», so Matthias Heim damals gegenüber dieser Zeitung.

Zur Rückzahlung verpflichtet

Diese Selbstanzeige wurde von Staatsanwalt Raphael Stübi als strafmildernd gewertet. Der Angeklagte habe eine grosse Geständnisbereitschaft an den Tag gelegt und mit den Ermittlungsbehörden gut kooperiert. Weil ihm auch eine gute Prognose gestellt werden könne, habe er sich für ein abgekürztes Verfahren entschieden.

In Absprache mit dem amtlichen Verteidiger habe man sich darauf geeinigt, Martin W. wegen mehrfacher Veruntreuung im Gesamtbetrag von 249'089 Franken sowie wegen mehrfacher Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten, bedingt auf zwei Jahre, zu verurteilen. Weiter sei der Angeklagte zu verpflichten, dem FC Härkingen abzüglich der bereits geleisteten Zahlungen den Betrag von 252'316 Franken zurückzuzahlen.

In Namen von Martin W. erklärte sich Rechtsanwalt Dominik Schnyder mit dem Urteil einverstanden. Es sei völlig richtig, dass bei seinem Mandanten das abgekürzte Verfahren angewendet worden sei. Damit werde eine rasche Rückkehr ins normale Leben möglich. Martin W. wollte sich nicht äussern. Ihm wird während zweier Jahre eine Bewährungshilfe zur Seite gestellt.

* Name von der Redaktion geändert

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