Gärten rund ums Haus haben ein grosses Potenzial für die Ansiedlung einheimischer Tier- und Pflanzenarten. Beispielsweise nutzen durchschnittlich 15 Vogelarten die Bucheggberger Dörfer zur Nahrungssuche und als Brutstandort. «Diese Vielfalt liesse sich aber um viele Arten steigern, wenn die entsprechenden Gärten geeignete Lebensraumstrukturen aufweisen würden», weiss Paul Storchenegger, Präsident vom Natur- und Vogelschutzverein Bucheggberg. Vor allem mit neu gepflanzten Bäumen und Sträuchern oder durch das Anlegen von Wildblumenrabatten und Feuchtbiotopen könnte der Tierwelt stark geholfen werden.

Der Natur- und Vogelschutzverein lädt deshalb am Samstag, 5. Mai, zu einer Exkursion durch unterschiedliche Gärten im Raum Küttigkofen und Kyburg-Buchegg. Dort werden Ideen und Beispiele gezeigt, wie der hauseigene Garten aufgewertet werden kann, damit er für die Natur nützlich wird. «Denn schon mit relativ wenig Aufwand kann man sehr viel bewirken», so Storchenegger. Pflanzt man zum Beispiel einen Holunderstrauch oder legt sich einen kleinen Teich an, schaffe man Raum für verschiedenste Lebewesen.

Auch kleine Massnahmen helfen

Die Exkursion soll Ideen vermitteln, denn viele Leute möchten sich zwar für die Natur einsetzen, wissen aber gar nicht genau, mit welchen Massnahmen sie einen Beitrag leisten könnten. «Oft wäre es nämlich ganz einfach», sagt Storchenegger. «Moderne Gärten sind oft zu aufgeräumt, vieles ist versiegelt, es dominieren grosse Betonflächen», weiss er. Den Leuten fehle die Zeit, deshalb werden Gärten oft auch so gestaltet, dass sie wenig Aufwand verursachen. Dabei sei dies eigentlich ein Trugschluss – der Zeitaufwand müsse gar nicht unbedingt grösser sein, manchmal sei sogar das Gegenteil er Fall.

Davon ist auch der Biologe Hans Neeracher aus Kyburg-Buchegg überzeugt. «Rasen muss man nicht flächendeckend wöchentlich mähen, sondern man könnte an geeigneten Standorten eine Wiese wachsen lassen», lautet eine seiner Ideen. Mauern seien Standorte für Moose und Flechten, sollten deshalb nicht mit Hochdruck gereinigt werden. Asthaufen vom Baum- und Heckenschnitt kann man im Garten liegen lassen, um Wiesel, Reptilien und Amphibien einen Unterschlupf zu bieten. «Dort hat beispielsweise ein Zaunkönig gebrütet», freut er sich im Gespräch mit dieser Zeitung und deutet auf einen Asthaufen neben dem Teich in seinem Garten. «Die Ordnung in der guten Stube darf nicht Vorbild für unsere Gärten sein», lautet sein Motto.

Toleranz gegenüber Unkraut

Die Naturfreunde rufen deshalb zu mehr «Unkrauttoleranz» auf. «In Hausgärten wird pro Quadratmeter mehr Gift verwendet als in der Landwirtschaft», bedauert Neeracher – so würden viele Pflanzenarten verhindert. «Auf meinem Garagenvorplatz wächst Wiesensalbei, er spriesst dort zwischen den einzelnen Platten hervor. Den lasse ich dort gerne wachsen, das Auto kann ja trotzdem parkiert werden», freut er sich.

Hans Neeracher bietet ein Exempel für den naturnahen Garten, der oft voller Überraschungen stecken kann und deshalb auch spannend zu beobachten ist. So deutet er auf Blüten direkt vor der Terrassentür: «Dieses Buschwindröschen hier habe ich nicht gepflanzt, das ist alleine gewachsen.»

Trittsteine für bedrohte Arten

Die Zahl der in der Schweiz lebenden Tier- und Pflanzenarten schwindet seit 1945 immer rascher, was zum Beispiel deutlich werde, wenn man mit dem Zug von St. Gallen nach Genf quer durch die Schweiz reise, erinnert sich Neeracher. «Früher gab es da viel mehr Hecken mit Nistmöglichkeiten und reichem Nahrungsangebot, blumenreichen Wiesen, wenig intensiv bewirtschaftetes Ackerland mit blütenreicher Begleitflora, Hochstammanlagen, Tümpel und Wassergräben. Bis heute sei vieles davon dem Strassen- und Siedlungsbau zum Opfer gefallen.

«Es bieten sich zwei Möglichkeiten, um diesen Verlust zu mindern», ist Neeracher überzeugt. Einerseits seien dies die Vernetzungsprojekte, welche vom Bund finanziell unterstützt würden. Sie versuchen, inselartig liegende Reste naturnaher Lebensräume zu vermehren und zu vernetzen. Andererseits liege ein grosses Potenzial eben in den Hausgärten, welche Lücken der Vernetzungsprojekte schliessen können. Sie beanspruchen Kulturland, das früher Lebensraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten bot. Durch Trittsteinangebote können Gartenbesitzer dabei helfen, diesen Verlust zu kompensieren.