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«Zwei Public Viewings verträgt es in Solothurn durchaus»

Die beiden grossen Veranstalter von Public Viewing in Solothurn auf dem Dornacherplatz und bei der Reithalle ziehen Bilanz.

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Solothurn hatte während der EM zwei Public Viewing-Zonen. Links der «Dome», rechts die Reithalle.

Solothurn hatte während der EM zwei Public Viewing-Zonen. Links der «Dome», rechts die Reithalle.

Hans Peter Schläfli

«Wir sind sehr zufrieden und haben besser gearbeitet als vor zwei Jahren an der WM», zieht Event-Veranstalter Harri Kunz ein positives Fazit nach vier Wochen Public Viewing in und hinter der Reithalle. Zuletzt hatte sich auch am Finalabend eine treue Fangemeinde eingestellt, die vor allem die lockere, familiäre Atmosphäre im «Jardin de la Victoire» unter freiem Himmel genoss. «In letzten zwei Wochen spielte auch das Wetter mit, was ja anfänglich gar nicht der Fall gewesen war.»

Immerhin seien alle Schweizer Spiele bis auf ein Regen-Intermezzo beim Rumänien-Match trocken über die Bühne gegangen. «Die Reithalle war für uns der Puffer bei zweifelhaftem Wetter», so Kunz, der dank dem «Drinnen-und-Draussen-Angebot» einige Male ausverkauft war – bis zu 1400 Leute fanden dann jeweils auf dem Areal von «So geht Fussball» Platz.

Das anfänglich schlechte Wetter konnte die Stimmung der Fans beim Public Viewing nur unwesentlich trüben.

Das anfänglich schlechte Wetter konnte die Stimmung der Fans beim Public Viewing nur unwesentlich trüben.

Wolfgang Wagmann

«Mehr wäre von den WC-Anlagen und der Verpflegung her auch nicht gegangen», räumt Harri Kunz auch einen kleinen Fehler ein: Das WC an der Westfront der Reithalle hätte man unbedingt ins Public Viewing einbeziehen müssen. Und der VIP-Bereich der «Ronaldo-Lounge» (ein im Nachhinein gut gewählter Begriff) müsste bei einer nächsten Austragung auch einen Aussenbereich aufweisen.

In der Finalnacht war der Jardin de la victoire noch gut gefüllt
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Bereits kurz danach starteten die Abräumarbeiten. Das Maskottchen verlässt die Reithalle bald
Die Bäumchen müssen weichen
Auch für sie geht die schöne EM-Zeit zu Ende
Die Hüpfburg kam bei den Klein gross an
Der Eiffelturm hat ausgedient

In der Finalnacht war der Jardin de la victoire noch gut gefüllt

Markus Wälti

Und in zwei Jahren?

Fussball, Food und Drinks, aber keine Party und Animation, dieses Rezept habe sich bewährt. Denn vom Lärm her waren Kunz und seinem Partner Markus Wälti hinter der Reithalle Grenzen gesetzt, «so schalteten wir jeweils gleich nach dem Matchende die Lautstärke runter.» Bewährt hatten sich dagegen die Jugend- und Kinderangebote wie die Hüpfburg oder der «Mätschli-Tschuttiplatz».

Nicht immer günstig seien die Anspielzeiten gewesen, denn neben den Schweizern waren die Deutschen Zugpferd Nummer eins neben den Italienern, die aber auch schon mal um 15 Uhr unter der Woche antreten mussten. So hängt für Harri Kunz die weitere Durchführung eines Public Viewings in zwei Jahren an der WM in Russland von einigen wichtigen Faktoren ab: «Die Schweiz muss 2018 zwingend dabei sein.»

Dann brauche es vernünftige Spielzeiten. Doch unter diesen Voraussetzungen sei eine Neuauflage möglich. «Zwei Grossanbieter von Public Viewing verträgt es in Solothurn durchaus. Wir hatten die älteren Fans hier, auf dem Dornacherplatz fand sich das eher jüngere Publikum ein.»

Der «Dome» als Erfolgsgarant

Ab Freitagabend dürfte der Dornacherplatz wieder «besenrein» sein, geht es nach der Planung der dortigen Public-Viewing-Veranstalter und ihrer Helfer. Insbesondere der Abbau des monumentalen, dem Schlechtwetter trotzenden Kuppeldachs nimmt Zeit in Anspruch.

Doch die Zusatzinvestition des in Portugal gemieteten «Domes» hat sich für das Leitertrio Umberto «Jumbo» Monopoli, Michel «Frizz» von Burg und Pippo Palermo gelohnt. «Das Wetter war so gar kein Thema», sagt Monopoli, der vor allem an die verregnete Phase während der Gruppenspiele zurückdenkt. «Wir haben gar einen Besucherrekord erreicht.» Statt erwarteten 25 000 Besuchern kamen innerhalb des Fussballmonats 30 000 vorbei. 1600 Besucher schauten beim Finale rein, gar 2100 beim Viertelfinalspiel von Italien und Deutschland.

Der Beach Style Dome einen Tag nach dem EM-Final
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Die Möbel sind schon zusammengestellt
Beachstyle Dome (ak) (4)

Der Beach Style Dome einen Tag nach dem EM-Final

Andreas Kaufmann

«Interessant ist, dass bei einem grossen Teil der Matchs der Frauenanteil bei geschätzten 50 Prozent lag», sagt Monopoli. So seien viele Besucher als Pärchen oder in Gruppen vorbeigekommen. Die Rechnungsbücher sind noch nicht zugeklappt, dennoch weiss Monopoli, dass Beachstyle im positiven Bereich abschliessen wird. «Das Projekt ist kostendeckend, auch wenn wir mit dem Dome ein erhebliches finanzielles Risiko eingegangen sind.» Die Konkurrenz der Reithalle habe man indes kaum gespürt, was die Annahme bestärkt, dass der Markt mit zwei grossen städtischen Public Viewings nicht übersättigt war.

Das Ambiente zählte

Neben dem Wetter ist jeweils der Turnierverlauf selbst ein Erfolgskriterium, das sich nicht beeinflussen lässt. «Natürlich hatten wir Bedenken, dass die Spielresultate gegen unseren Erfolg sprechen könnten», gerade nachdem die grossen Fangemeinschaften bereits relativ früh das Ausscheiden ihrer Ländermannschaft zur Kenntnis nehmen mussten. Neben der Schweiz gilt dies für Albanien, Kroatien, die Türkei, später auch Italien und Deutschland. «Stattdessen durften wir feststellen, dass viele Besucher weniger wegen ihrer Lieblingsmannschaft, viel mehr aber wegen des Ambientes vorbeischauten.»

So hatten die Macher mit dem Strandambiente ein niederschwelliges Angebot geschaffen, unterstützt von Bands, die jeweils neben den Spielzeiten zur musikalischen Umrahmung eingebaut wurden. Ebenso rundete das Food- und Getränkeangebot das Public-Viewing-Erlebnis ab. «Und entsprechend positiv war die Rückmeldung unserer Besucher: super Ambiente und Stimmung.»

Auch punkto Sicherheit bilanziert Monopoli positiv. «Es gab trotz des Besucheransturms keine Ausschreitungen.» Und selbst als Risikospiele angekündigte Matchs wie Schweiz–Albanien seien alles andere gewesen als riskant: «nämlich ein Rotes Meer im Jubel.» Auch seitens Anwohnerschaft gab es keine negativen Rückmeldungen, so Monopoli.

Gejubelt wird, das weiss das Team schon heute, auch anlässlich der WM 2018 werden, und dies wieder unter dem Dome. «Viele meinten sogar, er solle doch permanent dort stehen. Tatsächlich macht er den Dornacherplatz sexy.» So will Monopoli auch das Gespräch mit der Stadt suchen und dem Denkanstoss der Besucher Nachdruck verleihen.

Das Grundgerüst für den Dome des «Beach Style» steht bereits.
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Der Fussballtempel nimmt allmählich Form an
Ein Trägerelement wird für die Montage vorbereitet
Die Trägerelemente werden mit einem Pneukran hochgehievt
Solothurn bereitet sich aufs Public Viewing vor
In luftiger Höhe werden die Elemente zusammengefügt
Die Bodenplatte wird mit grossen Stahlnägeln fixiert
Massarbeit ist angesagt
Ein Trägerelement wird für die Montage vorbereitet.

Das Grundgerüst für den Dome des «Beach Style» steht bereits.

Andreas Kaufmann

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