Schulen an den Filmtagen
Wie der Film zum Unterrichtsstoff wird

Auch dieses Jahr besuchen zahlreiche Schulklassen die Solothurner Filmtage. Wie nimmt ein junges Publikum diese Veranstaltung auf? Und was wird in den Unterricht eingebracht?

Noëlle Karpf
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Schüler schauen in der Reithalle «Heidi».

Schüler schauen in der Reithalle «Heidi».

Hanspeter Bärtschi

Dass hinter einem Besuch der Solothurner Filmtage mehr als bloss ein einmaliger Gang ins Kino stecken kann, beweist das Kinderprogramm. Rund 900 Schülerinnen und Schüler haben sich vergangene Woche vor der Reithalle versammelt. Und einige unter ihnen werden sich den Film nicht nur ansehen, sondern den Stoff zusätzlich bearbeiten.

Viele Primarschülerinnen und -schüler der ersten bis sechsten Klasse tragen im Gepäck schon einiges an Wissen über das Mädchen, das im ganzen Land bekannt ist. Im Unterricht wurde von der Autorin des Buches bis zum Verlauf der Geschichte nämlich schon einiges besprochen. Hinzu kommt, dass zahlreiche der jungen Zuschauerinnen und Zuschauer die neuste Verfilmung von «Heidi» bereits gesehen haben.

Das scheint die Freude an der Vorstellung aber nicht zu nehmen: Bereits als sich der Saal langsam verdunkelt, wird applaudiert. Auch während des Spielfilms, der übrigens ganze 110 Minuten dauert, kommt es immer wieder zu Gelächter, Applaus und Zeichen des Mitgefühls für die Hauptfigur. Das junge Publikum fiebert bis zum Schluss mit – dass sich unter den Kindern bereits richtige «Heidi»-Experten befinden, fällt kaum auf. Das bestätigen uns im Anschluss aber mehrere Lehrpersonen.

Kein neuer Stoff für die Kinder

Die Geschichte war in einer Klasse aus Lüsslingen im Vorfeld gar kein Thema, denn: «Die meisten Kinder haben den Film schon gesehen», erzählt die junge Lehrerin. Auf die Schülerinnen und Schüler wartet auch nach der Vorstellung keine Unterrichtsstunde, die «Heidi» gewidmet ist. Allein die Filmtage an sich seien für die Kinder aber «ein cooles Programm». «Es ist ein wenig schade, dass Filme gezeigt werden, die zuvor schon ungefähr einen Monat lang im Kino zu sehen sind», meint ein Lehrer vom Schulhaus Hermesbühl.

Das sei aber der einzige negative Teil dieses Programmes. Und schliesslich könne man diesen Film gut zweimal schauen, fügt er lachend hinzu. Auch in seiner Klasse gäbe es ein paar Kinder, die die neuste Verfilmung von «Heidi» bereits gesehen haben. Trotzdem habe ihm der Anlass gefallen und «bei der Klasse ist der heutige Morgen gut angekommen». Schülerinnen und Schüler des Hermesbühl besuchen die Solothurner Filmtage übrigens jedes Jahr – es fände ja «nicht weit weg» statt.

Auch die Klasse aus dem Solothurner Brühl–Schulhaus hatte für die Filmtage keinen weiten Weg zu bewältigen. «Die Kinder waren sehr begeistert», erzählt die Lehrerin. Und diese Klasse ist nicht nur zum Vergnügen hier: «Wir gehen jedes Jahr an die Filmtage und besprechen den Inhalt der Geschichten jeweils im Vorfeld.» Letztes Jahr wurde für die Vorstellung «S’chline Gspängst» bereits Stoff aufgearbeitet. Aber das gefalle den Kindern.

Das wird nachher besprochen

Nicht nur vor, sondern auch nach des Besuchs der Filmtage wird in Grenchen über die Geschichte von Johanna Spyri gesprochen. «Wir haben uns bereits vor der Vorstellung auf ‹Heidi› vorbereitet», erzählt ein Lehrer des Schulhauses Eichholz. Dazu hätte er im Internet spannende Dokumentationen und Unterlagen gefunden.

In kommenden Schulstunden will er mit den Kindern «das Thema Freundschaft» anhand des Films diskutieren. «Die strengen Lehrer und Erziehungsmassnahmen werden eine Klasse des Hermesbühl noch etwas beschäftigen», meint ein schmunzelnder Lehrer. Damit soll neben der Geschichte von Heidi, Geissenpeter und Alpöhi ein Aspekt des Filmes behandelt werden, der heute anders ist als früher.

900 Kinder dürften an der Kindervorführung in Heidis Welt eintauchen.
13 Bilder
Zuvor warten sie gespannt auf den Filmbeginn.
Es herrscht Jubel und Trubel.
Jaja, es ist noch früh Morgen
900 Kinder sind es,...
die den Film kaum abwarten können.
Klassenweise strömen sie zuvor in die Reithalle.
Lachend und voller Vorfreude treten sie ein.
Draussen ist es noch kalt, deshalb tragen die meisten eine Mütze.
Im Innern wirds dann wärmer. Das Lächeln auf den Gesichtern der Kinder bleibt aber.
Voller Spannung warten sie auf den Filmbeginn.
Endlich geht es los!
Und ganz plötzlich ist es still in der Reithalle...

900 Kinder dürften an der Kindervorführung in Heidis Welt eintauchen.

Hanspeter Bärtschi

Im Schulhaus Untere Emme in Utzenstorf kommen nach der Vorstellung zuerst einmal Verständnisfragen an die Reihe. «Wir besprechen das, was nicht ganz alle verstanden haben – wie zum Beispiel die Szenen mit dem Schlafwandeln», erklärt die Lehrerin.

Was zudem im Mittelpunkt einiger Schulstunden stehen wird: «Die Dinge, die heute anders sind als damals. Und das, was die Kinder emotional mitgenommen hat.» Und wie ist das Programm bei der Klasse, aus der laut der Lehrerin viele Kinder «Heidi» schon gesehen haben, angekommen? «Guuuueet!», meldet sich eine Schülerin hinter der Lehrerin zu Wort.

Werden die Klassen die Solothurner Filmtage nächstes Jahr wieder besuchen? «Je nach Film werden wir wieder kommen», sagt eine Lehrerin aus Lüsslingen. «Das ist eine tolle Sache für die Kinder.» Diese hätten sich sehr auf diesen Tag gefreut. «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir wieder kommen werden», sagt auch der Grenchner Lehrer. «Die Kinder sind fasziniert – und es gibt wirklich gute Angebote für Schulen.»

Auch hier kommt es darauf an, welches Programm nächstes Jahr zu sehen ist. Das Thema «Film» an sich werde in der Primarschule (noch) nicht behandelt. «Gut möglich, dass wir wiederkommen», sagt die Lehrerin aus Utzenstorf. Diese Meinung scheint die Schülerin im Hintergrund zu teilen, die ihrer Lehrerin eifrig zustimmt.

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