Stadtbummel
«Where the hell is the Göiferlätsch?»

Wolfgang Wagmann
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Das Hotel Weissenstein mit seinen von weither sichtbaren Lichtern auf den Dächern.

Das Hotel Weissenstein mit seinen von weither sichtbaren Lichtern auf den Dächern.

Hanspeter Bärtschi

Licht in der Dunkelheit – das Motto der Stunde. Jetzt, wo die Winterzeit uns wieder eingeholt hat, wirds kritisch. Auf dem Heimweg huschen dunkle Schatten über die Strasse, einige besonders rasant. Da hilft auch die Tempo-30-Signalisation auf der St. Niklausstrasse und anderswo wenig, die Velos sind schneller. Und unbeleuchtet kaum wahrnehmbar. Da müsste ihnen doch ein Licht aufgehen. Aber eben, die Winterzeit. Ein gefundenes Fressen ist jedes Mal die ach so schädliche Zeitumstellung für den Boulevard. Wann stellen wir die Zeit nicht mehr um? Eine Forderung, welche die deutsche «Bild» damit unterstreicht, dass 83 Prozent bei einer EU-Umfrage die Zeitumstellung zum Teufel gewünscht haben. Nun, teilgenommen haben an der Umfrage 4 Millionen Leute, davon 3 Millionen Deutsche. Den übrigen 508 Millionen – immerhin 99,2 Prozent der gesamten EU- Bevölkerung – war und ist die Zeitumstellung offenbar so was von piepegal. Wir aber brauchen sie in Solothurn. Damit schon bald um 5 Uhr abends die Weihnachtsbeleuchtung so richtig einfährt. Oder sind wir da noch ein bisschen zu früh dran?

Leuchten soll, was derzeit in ist. Kürbisfratzen sind schon wieder passé, aber die hohe Zeit der Räbeliechtli-Umzüge, der etwas biederen Schweizer Halloween-Variante, hat erst begonnen. «Räbe» steht für Rübe, aber auch «Runggle», Zuckerrüben, sie alle werden und wurden für das Schnitzwerk oft verwendet. Derzeit damit beschäftigt ist der Quartierverein Weststadt. Früher soll es gar Künstlerinnen in Solothurn gegeben haben, die möglichst dünnwandige Liechtli ausgehöhlt haben. Weil sie den Inhalt der «Räbe» schnitzenderweise gleich sur place verputzt haben. Name der Redaktion bekannt.

Unterbelichtet oder schon Lichtverschmutzung? Die Frage ist in Solothurn berechtigt. Gehts nämlich nachts durch den schummrigen Stadtpark, ist der eine oder die andere gar nicht so unglücklich über die nahe Schanzenbeleuchtung. Paradox ist nur, dass man sich mit mehr Licht eher «unbehelligt» glaubt. Lichtkunst ist dagegen der grüne Laserstrahl, der schon bald wieder zwischen Konzertsaal und Kunstmuseum den Luftraum durchschneidet. Oder nur eine Hommage an die neue grüne Welle, die auch von uns aus Richtung Bern brandet?

Licht lässt viele Interpretationen zu. Die «drei Hellsten» im violettlichen LED-Glanz sorgen immer noch für Rumoren im Volk. Doch bald kommt die hohe Zeit der langen Inversionslagen. Unten grau, oben blau. Mit dem grossen Vorteil: Wir unten im Stedtli sehen gar nicht mehr, wie blau es oben ist. So richtig relaxing ist das. Oder auf Neudeutsch: «Where the hell ist the Göiferlätsch?»