Stadtbummel
Stadt Solodorf

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Stadtansicht Solothurn, 1884. Das Westringquartier und die neuen Aarebrücken sind vollendet, die barocken Befestigungsanlagen sind abgetragen. Lavierte Federzeichnung von L. Wagner, 1884. Sammlung Christian Feldmeier, Solothurnaus: Die Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn, Band I, die Stadt Solothurn I, Benno Schubiger, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern. Wiese Verlag Basel.

Stadtansicht Solothurn, 1884. Das Westringquartier und die neuen Aarebrücken sind vollendet, die barocken Befestigungsanlagen sind abgetragen. Lavierte Federzeichnung von L. Wagner, 1884. Sammlung Christian Feldmeier, Solothurnaus: Die Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn, Band I, die Stadt Solothurn I, Benno Schubiger, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern. Wiese Verlag Basel.

L. Wagner, 1884

Die Gemeinde Wohlen im Kanton Aargau will keine Stadt sein. Trotz aktuell 16'900 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Gemeinde hat vor nun bald 15 Jahren an der Urne entschieden, ein Dorf zu bleiben. Derweil beweist Solothurn tagein tagaus, dass es geht, beides gleichzeitig zu sein.

Die Wortkombination «Stadt Solothurn» kommt uns Solothurnerinnen und Solothurner, ohne zu zögern, von den Lippen. Ja, mit viel Stolz. Wir leben notabene in der Hauptstadt des Kantons, in der schönsten Barockstadt der Schweiz. Für eine Stadt mit nur rund 16'740 Einwohnerinnen und Einwohnern gibt es hier ein kulturelles Angebot, das seinesgleichen sucht. Es mangelt uns auch weder an Restaurants, Bioladen noch Coiffeur-Salons. Und gibt es mal einen neuen Trend, wie aktuell der wiederauferstandene Bubble-Tea, geht es nicht lange und es gibt ihn auch hier.

Was Solothurn nebst dem auch zur Stadt macht, man weiss nie, was einem am nächsten Ecken begegnet. Sei es mal wieder eine neue Kunstinstallation auf einem der Plätze der Stadt, bei der man im ersten Moment nicht sicher sein kann, ob sie jetzt bewilligt oder illegal ist. Sei es, dass es man sich manchmal in einer Action-Serie wie etwa «Alarm für Cobra 11» wähnt: Wenn jemand die Ampelanlage auf der Höhe des Dornacherplatzes über den Haufen fährt, oder ein andermal ein Bancomat in die Luft gesprengt wird. Und letztens, auf dem Weg in die Kita, bin ich einer wildgestikulierenden Frau begegnet, die auf ein Auto deutete, dessen Motor sichtlich brannte. In der verständlichen Panik fragte die Besitzerin mich um einen Schoppen, um den Brand zu löschen – zum Glück kam dann ein Lastwagenfahrer mit einem Feuerlöscher zur Hilfe. Das war dann sicher etwas die effektivere Brandbekämpfung.

Was es toll macht, in Solothurn zu leben, ist der Dorfcharakter, der trotz allem städtischem da ist. «Setz mich mit einem Solothurner, den ich nicht kenne in eine Beiz und wir brauchen nicht lange, um einen gemeinsamen Bekannten zu finden», schwärmte einst ein Solothurner Musiker bei einem gemeinsamen Zmittag.

Tatsächlich trifft man bei einem Stadtbummel schnell jemanden, den man kennt. Und wenn doch nicht, gibt es immer noch die allgemein bekannten Gesichtern. Wie aus aktuellen Gründen Stefanie Ingold oder Markus Schüpbach. Bei Letzterem ist es am Märet schwieriger, ihn nicht zu sehen. Oder denken wir an «unseren Rockstar», der unverkennbar durch die Stadt bummelt. Einem Solothurner, zumindest mir geht es so, löst sein Anblick kein Staunen aus, sondern ein Gefühl des Zuhause-Seins. Wie bei jedem, bei dem man weiss – er ist einer von uns, einer vom Dorf.