Stadtbummel
Blick durch das Fenster anstatt auf die Kinoleinwand

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Der Blick aus dem Fenster kann sich lohnen.

Der Blick aus dem Fenster kann sich lohnen.

Fabio Vonarburg

Die Solothurner Filmtage 2022 sind Geschichte. Und somit ist wieder jene Zeit im Jahr vorbei, in der viele nach Solothurn reisen, um sich hier in einen dunklen Kinosaal zu setzen.

Ich habe auch einen Kinosaal zu Hause, dachte ich kürzlich, als ich über die Stadt Solothurn sinnierte, dabei ein wenig selbst überrascht, dass ich offenbar doch zum Philosophieren neige (vielleicht kommt das mit steigendem Alter).

Nicht nur zu Hause. Auch im Büro habe ich einen Kinosaal – ja in jedem Raum, der es mir ermöglicht, nach draussen zu sehen, auf den Schauplatz Solothurn. Denn wer aus einem Fenster blickt, sieht meist nicht nur ein Standbild, ihm wird eine Geschichte erzählt. Dabei weiss man nie, was für ein Genre gerade läuft.

Häufig, von Herbst bis Frühling gefühlt täglich, ist es ein Dokumentarfilm. Dieser beleuchtet den Nebel. Respektive sehen kann man nicht gerade viel. Anstatt bis zur Jurakette wie bei schönen Wetter erlaubt die Nebelsuppe nur den Blick bis zum Turm der St.Ursenkathedrale, der schon beinahe mystisch herausragt.

Von Zeit zu Zeit ist es Glanz und Gloria respektive Gesichter und Geschichten, wie es nun heisst. Chris von Rohr im Coop in der Vorstadt beim Einkaufen, Chris von Rohr, der bei einer Demonstration mit den Polizisten posiert, Chris von Rohr, der entlang der Aare spaziert ... Lassen wir das. Zufällig zu Gesicht bekam ich bisher nie Kurt Fluri. Vielleicht ändert sich dies nun, jetzt, wo er (vermutlich) etwas mehr Zeit hat.

Geläufig ist es Reality-TV, nur ohne das zwanghaft Übertriebene. Einfach nur das normale Leben. Mit kleinen Kindern kommt man um den ausgiebigen Konsum von diesem Genre beinahe nicht vorbei. Man wartet etwa minutenlang am Fenster, bis die Müllabfuhr vorbeikommt. Die Sendung ist auch interaktiv – winkt man, wird umgehend zurückgewunken.

Manchmal ist es ein Actionstreifen. Mein unliebstes Genre. Denn anders als in einem fiktiven Film freut man sich, wenn diese möglich ganz ausbleibt. Wie damals: Ich hatte Sonntagsdienst. Doch kaum am Platz war es der Soundtrack, der mich auf die Leinwand blicken liess. Der Grund für den Lärm zeigte sich kurz darauf: Mehrere Feuerwehrfahrzeuge fuhren in die Vorstadt, in einem Restaurant war ein Brand ausgebrochen. Zum Glück wurde niemand verletzt. Ein Windstoss Happy End wehte durch das offene Fenster.

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