Solothurner Filmtage
Eine Laienjury wählt einen Dokumentarfilm aus: «Der Körper ist das Thema, das uns alle verbindet»

In der Programmreihe «Fokus», die aktuelle Gesellschaftsthemen beleuchten will, fand im Uferbau ein Event statt. Der Titel «Wer entscheidet, was gezeigt wird?»

Susanna Hofer
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Die Veranstaltung im Uferbau während der Solothurner Filmtage.

Die Veranstaltung im Uferbau während der Solothurner Filmtage.

Corinne Glanzmann

«Wer entscheidet, was gezeigt wird?», mit dieser Frage beschäftigte sich eine ungewöhnliche Jury im Rahmen der Filmtage. Sie bestand aus einem schweizerisch-brasilianischen Filmclub, dem Ciné-club hélvético brésilien Pont.E de Lausanne sowie einer Seniorengruppe aus dem Tessin und einer Klasse der Kantonsschule Solothurn. Zwei Solothurner Kantonsschülerinnen, Anouk Roth und Lotta Butters, waren stellvertretend für ihre Klasse im Kino im Uferbau; ebenfalls vor Ort waren andere Vertreterinnen der Jury, die unter drei Kurzfilmen auswählen durfte.

Das Publikum wählte im Rahmen eines partizipativen Projektes einen Dokumentarfilm fürs Kino aus. Dieser wurde am Montag im Kino Uferbau gezeigt.

Das Publikum wählte im Rahmen eines partizipativen Projektes einen Dokumentarfilm fürs Kino aus. Dieser wurde am Montag im Kino Uferbau gezeigt.

Corinne Glanzmann

Die Filmhistorikerin Marcy Goldberg moderierte die Veranstaltung, die vom Französischen simultan ins Deutsche übersetzt wurde. Die Jury hat sich für einen Dokumentarfilm entschieden, der sich für ein universelles Thema – der Körper – entschieden hat.

Ein Film der Alt und Jung beschäftigt

Präsentiert wurde dann erst der ausgewählte animierter Dokfilm von Camila Kater, «Carne», dann das Tondokument «Le vent souffle òu il veut» von Clara Alloing. Ging es in «Carne» um das Thema Körper, seine Veränderungen, vielfältigen Formen und das Alt werden, kam im Tondokument das Thema Krankheit dazu. Die Jury begründet die Auswahl des Films und der Toncollage damit:

«Das Thema Körper und Krankheit bleibt oft ein Tabu, aber es ist ein Thema, das uns alle verbindet.»

Gefragt, ob sie selber auch einmal Filme machen werden, antworteten die beiden Kantonsschülerinnen, der Entscheidungsprozess sei auf jeden Fall inspirierend gewesen und eine Bereicherung für sie.

Dokumentarfilm: Wer entscheidet, was ­gezeigt wird?

Dokumentarfilm: Wer entscheidet, was ­gezeigt wird?

Corinne Glanzmann

Eine Zuschauerin und Cinedolcevita-Organisatorin regte an, Film als Schulfach auch schon bei kleinen Kindern einzuführen. Man bemühe sich auch bei ihrem Seniorenkino, mehr Kontakt zu Jungen herzustellen. In Frankreich sei das Thema Film schon länger fest im Lehrplan integriert.

Veranstalterin das Anlasses war Ciné-doc. Ciné-doc organisiert und moderiert Vorführungen von Dokumentarfilmen in regionalen Kinos der Westschweiz und ist zugleich Treffpunkt für Publikum, Filmemacher und ortsansässige Vereine.

Zu dem 2016 im Vallée de Joux initiierten Projekt gehören heute zehn Partnerkinos in fünf Kantonen. In den Kinos soll gemeinsam über unterschiedliche Themen diskutiert werden. Zudem werden seit zwei Jahren auch Vorführungen in Strafanstalten organisiert, ebenso in Schulen. Zu den Vorführungen im Gefängnis sagte Gwennaël Bolomey, Gründer von Ciné-doc, da die Gefangenen nicht zu ihnen kommen könnten, kämen sie mit den Filmen ins Gefängnis; und es seien oft sehr berührenden Momente, die man so mit den Häftlingen teile.

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