Podiumsdiskussion
Solothurner Behörden und Unternehmen sind grüner als in anderen Kantonen

Ja, es braucht eine «grüne Wirtschaft», darin waren sich gestern Mittwoch in der Jugendherberge Solothurn alle Podiumsteilnehmer einig. Aber wie soll diese aussehen - und vor allem, wie schnell kann die Wirtschaft grün werden? Da gingen die Meinungen auseinander.

Stefan Frech
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Podiumsdiskussion «Grüne Wirtschaft im Kanton Solothurn»

Podiumsdiskussion «Grüne Wirtschaft im Kanton Solothurn»

Hansjörg Sahli

«Ein Unternehmen, das rote Zahlen schreibt, kann nicht grün handeln», sagte Josef Maushart, CEO der Fraisa SA und Präsident des Industrieverbands Solothurn und Umgebung, vor rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörern. Die Wirtschaft müsse also wachsen. Und ganz wichtig: «Eine grüne Wirtschaft soll über die Preise und nicht über Gesetze erreicht werden.» Maushart sprach sich deutlich dafür aus, dass die natürlichen Ressourcen einen realen Preis erhalten müssen. «Wenn die Kosten für den Rückbau eines AKW oder den jahrhundertelangen Betrieb eines Endlagers berücksichtigt würden, dann würde der Atomstrom viel teurer.»

Der Bellacher Unternehmer betonte jedoch mehrfach, dass die Preise für Umweltgüter supranational bestimmt werden müssten. «Wenn Frankreich seinen Atomstrom subventioniert, geht unser Stahlwerk in Gerlafingen kaputt.» Die Schweiz dürfe also keinen Alleingang wagen und die eigenen Unternehmen dadurch schwächen.

Podiumsdiskussion

Die Agenda21 veranstaltete die Podiumsdiskussion zu Rio+20. Dabei wurde diskutiert, was die Ergebnisse in Rio für die Solothurner Wirtschaft bedeuten. Zugleich feierte im Kanton Solothurn die Agenda21 ihr 10-jähriges Bestehen.

An der Podiumsdiskussion namen teil:

• Daniel Wachter, Leiter Sektion Nachhaltige Entwicklung, Bundesamt für Raumentwicklung
• Nick Beglinger, Präsident Swiss Cleantech
• Roland Fürst, Direktor Solothurner Handelskammer
• Josef Maushart, CEO Fraisa SA
• Karl Brander, Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn

Grosse Skepsis

Die Skepsis bei anderen Podiumsteilnehmern war gross, ob internationale Übereinkünfte genügend schnell zu einer grünen Wirtschaft führen. «Es geht doch viel zu lange, bis wir weltweit den Preis für CO2 regeln können», sagte Nick Beglinger, Ökonom und Präsident des Wirtschaftsverbands Swiss Cleantech. Beglinger war Mitglied der Schweizer Delegation an der UNO-Nachhaltigkeitskonferenz in Rio, die im Juni stattgefunden und wenig konkrete Ergebnisse hervorgebracht hat. Sie war zugleich Anlass für die gestrige Podiumsdiskussion (siehe Kasten rechts).

Obwohl Nick Beglinger anerkannte, dass die Weltgemeinschaft in Rio erstmals die «grüne Wirtschaft» als Ziel anerkannt hat, sprach er sich bei der Energiewende für ein rascheres Vorgehen auf nationaler Ebene aus. «Die Schweiz ist das wettbewerbsfähigste Land der Welt. Wir sollten den Mut haben, Vorreiter zu sein und dadurch langfristig Wettbewerbsvorteile erzielen.»

Nachhaltige Entwicklung gefördert

Und wie grün ist die Solothurner Wirtschaft? Beglinger lobte, dass Behörden und Unternehmen in Solothurn weiter seien als in anderen Kantonen. Bereits 2002 wurde die «Lokale Agenda 21» gegründet, deren Geschäftsstelle die nachhaltige Entwicklung im Kanton fördert und auch das Podiumsgespräch organisiert hat. Karl Brander von der Wirtschaftsförderung verwies auf das Cleantech-Programm, mit dem der Kanton seit diesem Frühling den Solothurner Firmen hilft, energieeffizient zu produzieren. Zudem soll die Weiter- und Neuentwicklung von sauberen Technologien gefördert werden (wir berichteten).

Auch Roland Fürst, Direktor der Solothurner Handelskammer und CVP-Kantonsrat, betonte, dass man auf die Innovationskraft der Unternehmen vertrauen könne: «Die Solothurner Exportfirmen sind angesichts der Euro-Krise gezwungen, ihre Ressourcen sparsam einzusetzen.» Das bestätigte Unternehmer Maushart: «Wir können gar nicht anders als ständig effizienter zu werden.» Kritischer äusserte sich Daniel Wachter, Geografieprofessor und Leiter Sektion Nachhaltige Entwicklung beim Bundesamt für Raumentwicklung. «Die Schweiz ist zwar beim technischen Umweltschutz international top - beim Ressourcen- und Energieverbrauch gehören wir aber zu den Schlechtesten.»