Kino für Kinder

Solothurn löscht seine Zauberlaterne Ende Juni

Kinder brauchen beim Schauen eines Kinofilms Begleitung, meinen die Zauberlaterne-Macher in Solothurn.

Kinder brauchen beim Schauen eines Kinofilms Begleitung, meinen die Zauberlaterne-Macher in Solothurn.

Die Zauberlaterne führt auch in Solothurn seit 25 Jahren Kinder in die Welt des Kinofilms. Nach Differenzen mit dem Zauberlaterne-Dachverband in Neuenburg wirft nun die Solothurner Crew das Handtuch und hört Ende Juni auf, Kinder im Kino zu betreuen.

Die Zauberlaterne Solothurn ist Geschichte – dies teilt das Co-Präsidium, bestehend aus Nino Jacusso und Monika Flury in einem Schreiben mit. «Der Verein Zauberlaterne Solothurn beendet nach 25-jähriger Tätigkeit seine Filmvermittlungstätigkeit für die Kinder aus Solothurn und der Umgebung.» Der Hintergrund: Als regionaler Verein ist der Solothurner Ableger dem Dachverband Zauberlaterne Neuenburg angeschlossen. Dieser wählt die Filme aus und ist für die gesamtschweizerische Logistik zuständig. «Eine gute und wichtige Arbeit», finden Flury und Jacusso.

Ein schon lange schwelender Konflikt

Doch dann ist es auch schon aus mit Friede, Freude, Eierkuchen. Im Gegenteil: Seit über 25 Jahren bereits schwele ein Konflikt zwischen dem Dachverband und Solothurn. «Eine Lösung ist leider nicht in Sicht. Zu gross sind die Differenzen in der Auslegung, was kindergerechte Filme sind und was kindergerechte Filmvermittlung ist», so das Co-Präsidium. An sich sei das Grundkonzept «grossartig» gewesen: Kinder im Primarschulalter wird die Welt des Films auf der grossen Leinwand näher gebracht. Sie erhalten eine Filmzeitung zu den einzelnen Filme nach Hause geschickt, im Kino werden sie – ohne Eltern – von einem erfahrenen Team begrüsst und begleitet, das über zwei Personen spielerisch in den Film einführt. Damit enden die Gemeinsamkeiten in Neuenburg und Solothurn aber schon.

Was Solothurn anders gemacht hat

«Der gezeigte Film wird von uns während der Projektion im Kino kommentiert und erklärt», betonen Jacusso und Flury. «Nie haben wir die Kinder dem Geschehen auf der Leinwand sich selbst überlassen.» So sei auf die Dramaturgie, Kameraführung, Musik, Sounddesign oder Filmtrick hingewiesen worden. Die «filmerzieherische Begleitung» stand für die Solothurner Zauberlaterne im Mittelpunkt. Einmal pro Saison gabs im Kino Palace ein Trickfilmlabor und ein Bluewin-Studio, wo den Kindern gezeigt wurde, wie Trickfilme und Filmeffekte gemacht werden.

Und wie es Neuenburg sieht

Die Erfinder und Initianten aus Neuenburg dagegen machten ihren «Gestaltungsanspruch geltend» und würden die lokale Autonomie des Vereins in Solothurn verbieten. Der Dachverband schreibe die Filmeinführung im Kino «minutiös vor» - was das Solothurner Co-Präsidium als «lähmende Bevormundung» empfindet.

Auch sei es künftig verboten, die Filme während der Projektion zu kommentieren. Nino Jacusso: «Die Kinder werden damit im Kino alleine gelassen und sind den mächtigen Bildern und Tönen weitgehend ausgeliefert.» Diese «mangelnde Begleitverantwortung» könne man nicht mittragen. Deshalb habe der Verein Zauberlaterne Solothurn in einer ausserordentlichen Generalversammlung beschlossen, nicht mehr im Dienst des Dachverbandes weiter zu arbeiten, sondern seine Arbeit Ende Juni zu beenden.

Neuenburg will in Solothurn aktiv bleiben

Die Reaktion aus Neuenburg kam postwendend: Schriftlich teilte der Dachverband mit, dass er künftig die Zauberlaterne-Vorstellungen in Solothurn in eigener Regie weiterführen werde. Zitat aus dem Neuenburger Reaktions-Mail: «Falls Euer Team zurücktritt und ein eigenes Format gründet, wird der Dachverein die Zauberlaterne-Vorstellungen ab der Saison 2020-2021 in Solothurn selbst organisieren und sicherstellen.»

Fehlt noch eine wichtige Voraussetzung: Die Kinos müssen erst einmal wieder offenstehen – auch für Kinder.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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