Solothurn
Hier fällt der 150-jährige Mammutbaum im Blumenstein-Quartier

Eine Ära ging zu Ende: Am Donnerstag wurde der Mammutbaum im früheren Blumenstein-Park gefällt. Damit wurde das Vorhaben umgesetzt, gegen das es in den letzten beiden Jahren starken Widerstand gab.

Fabio Vonarburg
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Das Ende eines 150-jährigen Baumes. Der Mammutbaum im Moment der Fällung.

Das Ende eines 150-jährigen Baumes. Der Mammutbaum im Moment der Fällung.

Fabio Vonarburg

Die Umstehenden hatten die Handys gezückt, als er krachend fiel. Der Mammutbaum, der für viel Diskussionen in den letzten zwei Jahren sorgte. Verschiedene Seiten versuchten, ihn von genau diesem Schicksal zu bewahren. Noch bis am Donnerstagmorgen stand er stolz im ehemaligen Blumenstein-Park. Ragte wie ein Wahrzeichen in die Höhe und war bereits von weitem zu sehen.

Der Moment des Falls hielt auch Conrad Stampfli mit seinem Smartphone fest. Er, der sich gemeinsam mit weiteren Anwohnern für den Erhalt des Baumes eingesetzt hatte. «Es ist traurig, dass man in der heutigen Zeit einen solchen grossen CO2-Speicher fällt», sagt Stampfli. Ihn schmerze nicht nur der Verlust des Baumes im Quartier, «sondern mich ärgert auch das Versagen der Behörden».

Der Mammutbaum fällt.

zvg/Conrad Stampfli

Er kommt darauf, zu sprechen, dass das Areal bis 2002 unter kantonalem Schutz stand, bevor der Kanton befand, diese Sache sei kommunal zu regeln. Stampfli stellt fest, dass die Stadt es schlicht und einfach verschlafen hat, diesbezüglich aktiv zu werden.

Es waren nicht etwa die Grünen, die im vergangenen Jahr noch versuchten, das baldige Ende des geschätzt 150-jährigen Sequoiadendron giganteum doch noch abzuwenden. Sondern der entsprechende Vorstoss im Gemeinderat kam aus den Reihen der SVP – von Gemeinderätin Marianne Wyss, die in der näheren Umgebung wohnt. Sie forderte den Einzelschutz des Baumes, auch wenn man damit politischen Neuland betrete. Doch der Widerstand im Rat war zu gross. «Es wäre kaum angemessen, dass nach vielen Veränderungen des ehemaligen Naturparks der Gemeinderat plötzlich in ein laufendes Bauprojekt eingreift», sagte etwas Gaudenz Oetterli von der CVP/GLP-Fraktion. Mit 18 Nein- zu 6 Ja-Stimmen und 4 Enthaltungen wurde die Motion als nicht erheblich erklärt.

In Schräglage: Hier endet die Geschichte des Mammutbaumes.

In Schräglage: Hier endet die Geschichte des Mammutbaumes.

Fabio Vonarburg

Nach dem Nein im Gemeinderat versuchte es die Geschäftsführerin von Pro Natura Solothurn, Ariane Hausammann, noch mit einer Petition auf der Onlineplattform Petitio, die zu dieser Zeitung gehört. Die Rettungsaktion fand bei der Stadt kein Gehör. «Wir nehmen von Ihrer Petition Kenntnis, leisten ihr aber keine Folge», schrieb Stadtpräsident Kurt Fluri in seiner Stellungnahme. Dies, weil seit der Behandlung des Vorstosses im Gemeinderat keine neuen Fakten eingetreten seien.

Die Petition zeigte nochmals die Beliebtheit des Mammutbaumes am Sälirain auf. 586 Personen hatten die Petition unterzeichnet, die am Schicksal des Baumes nichts änderte. Der Mammutbaum ist Geschichte, er musste Platz machen für die geplante Wohnüberbauung «Villa Blumenstein». In der Erinnerung vieler, vor allem der Anwohner, wird der stolze Baum aber noch lange bleiben. So erinnert sich Conrad Stampfli etwa, wie der Baum früher in trockenen Sommern liebevoll gegossen wurde. Und eine Anwohnerin fragte kurz vor der Fällung nach einem Ast des Mammutbaumes, den sie nachher nach Hause trug. Ein Erinnerungsstück.

Ein Erinnerungsfoto

Mittlerweile ein Erinnerungsfoto: der Mammutbaum im Blumenstein-Park.

Mittlerweile ein Erinnerungsfoto: der Mammutbaum im Blumenstein-Park.

Wolfgang Wagmann

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