Stadttheater
«Säbi Zit» bestimmte eben noch der Mann, wo es lang geht

Mit «Fleisch und Blut» führt das neuetheater.ch aus Dornach ein Gastspiel im Stadttheater Solothurn auf.

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Urs Bihler als Metzger Hans Meister mit seiner Tochter Jara Bihler, die Meisters Tochter Sophie verkörpert.
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Fleisch und Blut – TOBS

Urs Bihler als Metzger Hans Meister mit seiner Tochter Jara Bihler, die Meisters Tochter Sophie verkörpert.

Janosh Bitterli

Die Bühne ist karg. Weisse Wände, verschiedene Gehhilfen für Kranke und Alte. Darin zwei Figuren: Hans Meister, der Metzger, dargestellt von Urs Bihler und Meisters Tochter Sophie, gespielt von Jara Bihler. «Fleisch und Blut» wird aufgeführt, ein Bühnenstück nach den Erfolgsbüchern von Susanna Schwager «Fleisch und Blut» und «Die Frau des Metzgers».

Regisseur Hans J. Ammann schrieb das Stück; Hansjörg Betschart inszenierte und war für das Bühnenbild verantwortlich. Das Ganze ist ein Gastspiel des «neuestheater.ch» Dornach im Stadttheater Solothurn und damit auch an einen Ort gekommen, der im Buch und im Stück eine wichtige Bedeutung hat: Solothurn.

Härte gehörte zu einem Mann

Hans Meister blickt als alter Mann zurück auf sein Leben. Er erinnert sich an seine Geschwister, mit denen er im hintersten Chrachen im Bernbiet aufwuchs. An seine früh verstorbene Mutter, an den polternden Vater. Dann absolvierte er, der eigentlich Tierarzt werden wollte, eine Metzgerlehre. Doch «säbi Zit» war es halt so: Man schwieg und gehorchte. Hans erzählt diese Lebensgeschichte seiner Tochter Sophie, die ihm an der Schwelle zum Erwachsenwerden Fragen stellt und auch mal seine Taten zu kritisieren wagt.

Vor allem hinterfragt Sophie Hans’ Umgang mit der schwermütigen Mutter, dem Hildi, das neben dem dominanten Herr im Haus und seinen Entscheidungen verwelkte. «Doch säbi Zit war Härte allgemein begehrt bei einem Mann, auch von den Frauen», rechtfertigt sich Hans.

«Frauen wollten mehr diskutieren. Das Hildi wollte eigentlich nie diskutieren». Er habe es ja immer nur gut gemeint und alles für seine Frau und die Töchter getan. Jetzt im Alter, wo das Hildi schon lange tot ist, beginnt er zu zweifeln und über verpasste Gelegenheiten nachzugrübeln.

Emotionalität wird in Schwagers Büchern oft nur angedeutet, selten ausgesprochen. Dennoch berührt Meisters Schicksal. Und genau so verkörpert Urs Bihler diesen Mann: Am Anfang selbstsicher und fest in seinem Tun – am Lebensende traurig, verunsichert, einsam. Ein Mann, der erfolgreich war, dabei Verzweifelte hinterliess. Kommende Generationen sollen es besser machen: Das deutet die unschuldige Sophie in ihrem leichtfüssigen Spiel an. Ein unter die Haut gehendes Kammerspiel. (frb)

Letzte Vorstellung in Solothurn, morgen Mittwoch, 19.30 Uhr.

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