Stadtbummel Solothurn
Rundum glückliche Altstadtgänger

Reto Sperisen
Reto Sperisen
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So sieht die Plakette zum diesjährigen Fasnachtsmotto «Rund um» aus.

So sieht die Plakette zum diesjährigen Fasnachtsmotto «Rund um» aus.

Hanspeter Bärtschi

Da möchte man samstags doch nur «churz ufe Märet», um «gäng wie gäng» den Käse beim einen und die Oliven beim anderen Stand zu holen. Nur kurz. Ein Schwätzchen hier, ein grüssendes Kopfnicken da. Dann noch schnell 100 Gramm Marroni beim «Chestelemuni» für den Heimweg. Alles «gäng wie gäng» eben, wäre da nicht ...

«Plaaagetttääää...!» Ja, sie sind wieder da: die aufdringlichen, um nicht zu sagen lästigen Plagettenverkäufer, die mehr oder weniger gut verkleidet die Altstadt unsicher machen. «Plaaagettääää...!» an jeder Ecke. Vom Bieltor bis zum Kronenplatz. Es ist zum Verrücktwerden. Morgen ist bekanntlich Hilari. Und morgen beginnt in Solothurn offiziell die Fasnacht. Dies hat zur Folge, dass man ab morgen die neue Fasnachtsplakette tragen darf. Und das nutzen die Verkäufer der verschiedenen Zünfte und Guggen natürlich schamlos aus. «Plaaagetttääää...!» in hohen und tiefen Stimmlagen, mal laut, mal tonlos über die Schulter lispelnd – auf jeden Fall immer aufdringlich und penetrant. Da wird der samstägliche Stadtbummel zur Qual. Doch was kann man dagegen tun?

Es gibt verschiedene typische Verhaltensweisen: Man kann Ohropax reinstecken und hört so von den Plakettenverkäufern nichts, aber auch nicht, wenn einen der liebe Nachbar grüsst oder die Märetfrau «Haltet den Dieb!» ruft, um Sie auf denjenigen aufmerksam zu machen, der Ihnen gerade das Portemonnaie geklaut hat. Geht nicht. Man könnte einfach wegschauen, die Verkäufer ignorieren und rasch zum nächsten Stand gehen. Geht auch nicht, denn der nächste Kostümierte wartet dort bestimmt schon auf Sie. Dann gibt es auch immer diejenigen, die sagen, sie hätten die Plakette schon – einfach zu Hause oder an einem anderen Mantel. Hand aufs Herz: Dieser Trick ist altbacken und billig zugleich. Geht gar nicht.

Eine ganz andere Taktik ist, sich mit den bunten Vögeln auf ein Gespräch einzulassen. Zum Beispiel so: «Jaaa, ich freue mich schon so laaaaange auf diese Tage; ich kann es kaum erwarten, bis meine Lieblingszeit beginnt: die Filmtage!» Stellen Sie sich blöd und fragen Sie, ob die Plakette auch als Tageseintritt für die Reithalle gelte. Und tragen Sie dazu noch Ihren roten Schal, ist die Camouflage perfekt und Sie werden bestimmt nicht länger belästigt. Bis zum nächsten Verkäufer natürlich. Solche Gespräche sind also ein gangbarer Weg, brauchen aber viel Zeit – und schliesslich muss man ja noch zum Käse und zu den Oliven!

Bleibt die letzte und beste Möglichkeit: Beim ersten «Plaaagettäää...!» sofort eine solche kaufen. Denn wer sie ab morgen trägt, kann mit einem süffisanten Lächeln auf seinen Mantelkragen zeigen und wird bis zum Fasnachtssonntag sicher nicht mehr «belästigt». Und so sind beide Seiten zufrieden – rundum glückliche Altstadtgänger quasi. Voilà.

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