Region Solothurn
Vom Pechvogel bis zum Überflieger: Fünf Personen, fünf unterschiedliche Wahltage

Fünf Geschichten, die die Kantonsratswahlen 2021 schrieben. Wie etwa jene von Pascal Walter (Solothurn, CVP), der wieder nur der erste Ersatz ist. Oder jene von Beat Späti (Bellach, FDP), der einen grossen Erfolg feierte.

Fabio Vonarburg
Drucken
Teilen
 Laura Gantenbein in der Wahlzentrale.

Laura Gantenbein in der Wahlzentrale.

Tom Ulrich

Was sagt uns die Wahl für die Stadtpräsidiumswahlen?

Laura Gantenbein hat am Sonntag die Wahl in den Kantonsrat verpasst. «Meine Enttäuschung ist relativ klein», sagt Gantenbein. «Ich hätte mir gewünscht, dass wir Grüne einen vierten Sitz holen, das hat leider nicht geklappt.» Als viertplatzierte und somit als erster Ersatz, sei sie sehr zufrieden. Doch: Ist für die Stadtpräsidiumskandidatin die Nichtwahl ein schlechtes Omen? Keineswegs, findet Gantenbein. «Die Stimmenzahl ist doch beachtlich. Das ist eine gute Ausgangslage.» Wenn man die Resultate der Kantonsratswahlen als Stimmungsbarometer für die Gemeinderats- und Stadtpräsidiumswahlen nimmt, zeigt sich tatsächlich eine spannende Ausgangslage. Wenn man sich auf die Zahlen der Stadt Solothurn beschränkt, holte die FDP mit 28072 am meisten Stimmen. Darauf folgt die SP (27769) und dann die Grünen mit 22948 Stimmen.

Beat Späti liess gleich drei Bisherige hinter sich

Es war ein enttäuschender Tag für die FDP-Amteipartei Solothurn-Lebern. Mit sieben bisherigen Kantonsräten ist man in den Wahltag gestartet und konnte nur fünf Sitze verteidigen. Doch es gab eine positive Überraschung: Beat Späti. Der Bellacher holte 4958 Stimmen, belegte parteiintern den dritten Platz und liess damit gleich fünf bisherige FDP-Kantonsräte hinter sich. «Meine Freude ist gross, dass es geklappt hat», sagt Beat Späti, der in Bellach im Gemeinderat sitzt, einen Tag nach seinem Erfolg. Gerechnet habe er damit nicht. «Ich habe mit einem sehr guten Ersatzplatz geliebäugelt.» Nebst der Freude über seinen Erfolg, «habe ich auch Wehmut im Bauch», sagt Späti. «Weil gestandene Parteikollegen nicht wiedergewählt wurden. Ich bin ihnen in der Sonne gestanden. Aber so ist das Spiel», sagt der Ingenieur Holzbau. Nebst Späti wurde eine zweite Person aus Bellach gewählt, die bisherige Kantonsrätin Silvia Fröhlicher (SP).

Vom Gemeindepräsident zum Kantonsrat

Nach 27 Jahren trat Patrick Schlatter (CVP) im vergangenen Jahr aus dem Gemeinderat und damit auch von seinem Amt als Gemeindepräsident von Oberdorf zurück, das er seit 2005 innehatte. Damit ist seine politische Laufbahn allerdings keinesfalls zu Ende, wie sich am Sonntag zeigte, sondern es beginnt ein neues Kapitel. Jenes von Patrick Schlatter als Kantonsrat.

«Ich bin sehr froh, hat es geklappt», sagt er, für den es vor vier Jahren relativ knapp nicht in den Kantonsrat reichte. Ist es jetzt nach dem Rücktritt als Gemeindepräsident das perfekte Timing? Politik sei schon eines seiner Hobbys, so Schlatter und ergänzt lachend: «Mir wäre es auch ohne neues Amt nicht langweilig geworden.» Er ist überzeugt, dass er als Kantonsrat von seinen Erfahrungen als Gemeindepräsident profitieren kann. Mit Samuel Beer (GLP) schaffte es ein zweiter Oberdörfer neu in den Rat.

Pascal Walter, der fast schon ewige erste Ersatz

Bei Pascal Walter ist definitiv der Wurm drin. Immer wieder versucht der Solothurner Vize-Stadtpräsident den Sprung in den Solothurn Kantonsrat, immer wieder scheitert er. Und das Bittere daran: Immer knapp. Auch dieses Mal war er wieder der erste Nichtgewählte. Wie schon 2017 und 2013 war er der zweite Ersatz. «So sind Wahlen», sagt Walter am Telefon und man stellt sich vor, wie er mit den Schultern zuckt. «Natürlich überlege ich mir, wie man die fehlenden Stimmen noch hätte holen können», sagt der CVP-Politiker.

Trotz der erneuten knappen Nichtwahl kann sich Walter vorstellen, in vier Jahren erneut anzutreten. «Es ist ein Amt, das mich reizt», sagt Walter, der bereits wenige Monate im Kantonsrat verbrachte, als er 2016 nachrutschte. Trotz der eigenen Enttäuschung überwiege die Freude, dass die CVP-Amteipartei Solothurn-Lebern ihre vier Sitze verteidigen konnte. Wenn auch knapp. Das zeigt: Auf der einen Seite Pech, auf der anderen Glück.

Warum Bellach erst spät fertig ausgezählt hatte

Am Sonntag um 16 Uhr dachte Fritz Rickli, er habe nun Feierabend. Der Präsident des Abstimmungs- und Wahlbüros von Bellach und sein Team hatten die Stimmen fertig ausgezählt, doch als er sich zu Hause die Zahlen nochmals ansah, fand er es merkwürdig, dass es bei der SVP so wenig panaschierte Stimmen gab. Wie sich herausstellte, war einem Mitarbeiter ein Missgeschick passiert und zwei Couverts mit veränderte Listen gelangten auf dem Stapel mit den unveränderten Listen. Bis der Fehler korrigiert war, dauerte es eine Weile und so warteten am Schluss alle bis nach 19 Uhr auf die Resultate aus Bellach. Rickli, der seit über 20 Jahren das Amt ausführt, ist aber vor allem eines: Froh, dass der Fehler rechtzeitig noch auffiel.

TeleM1

Aktuelle Nachrichten