Strassensanierung
Regelrechte Wüstenpisten in der Solothurner Altstadt

Seit zwei Tagen ist Sand ein grosses Thema in der Solothurner Altstadt: Die Fugen des Strassenpflasters werden damit zwischen dem Baseltor und der Kreuzackerbrücke saniert.

Wolfgang Wagmann
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Sand auf Pflastersteinen
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 Ohne den guten alten Besen geht gar nichts.
 Für Velos heisst es aufpassen.
 Für die Pflasterfugen braucht es viel Sand.
 Der Werkhof gibt alles.
 Das Resultat kann sich sehen lassen.
 Grosseinsatz auf dem Klosterplatz.
 Mit Spezialgerät werden die Fugen ausgesandet.
 Auch für Fussgänger gibts ein knirschendes Erlebnis.
 Irgendwie kommt man immer aneinander vorbei.
 Sandhaufen sind kein Hindernis.
 Velofahrer müssen aufpassen, den der Boden ist rutschig geworden.
 Auch Wasser kommt zum Einsatz.
 Ein bisschen Paris - Dakar in Solothurn.
 Achtung Rutschgefahr!
 Die Signalisation gilt vor allem für den Veloverkehr.

Sand auf Pflastersteinen

Hanspeter Bärtschi

Kein Saharastaub hat zuletzt die Stadt heimgesucht, dennoch gleichen der Kronenstutz und der Kronenplatz derzeit eher einer Wüstenpiste für die Rallye Paris - Dakar. Überall an den Platz- und Strassenrändern türmen sich kleine Sandhaufen – speielende Kinder oder ein Katzenklo im Gebrauch wurden allerdings noch nicht beobachtet. «Es wird schnell besser», verspricht der Verantwortliche für die zweitägige «Sandkasten-Übung», Thomas Pfister als neuer Chef des städtischen Tiefbauamtes. «Wir mussten für das Verfugen des Strassenpflasters mehr Sand einsetzen als üblich, da das Aussanden seit 12 Jahren nicht mehr erfolgt ist.»

Die Massnahme sei umso nötiger, «als sonst grössere Investitionen bis hin zum Ersatz des Pflasters drohen», so Pfister weiter. Auch habe der Werkhof festgestellt, dass infolge des fehlenden Sandes zwischen den Pflastersteinen die hartnäckigen Fasnachtszeugen, die Konfetti, kaum mehr entsorgt werden könnten.

Ein "Jekami" der Pflästerungen

Das Strassenpflaster war in Solothurn stets eine Frage, welche die Gemüter bewegte. Um 1900, als die Moderne einsetzte, beschloss man beispielsweise, den Strassenabschnitt stadteinwärts nach dem Baseltor zu asphaltieren. Um ihn dann wenige Jahrzehnte später prompt «zurückzupflästern.» Eine einheitliche «Pflästerungs-Philosophie» ist dabei keineswegs ablesbar. So haben sich auch alte, runde «Katzenköpfe» auf dem Zeughausplatz, in der Rathaus-, Seilergasse oder auf dem Patriotenweg der Vorstadt erhalten.

Auch die Verlegung und das gewählte Material sind höchst unterschiedlich: Halbbogenförmig oder gerade wurde verlegt, vermörtelt oder eingesandet die Fugen, grauer Stein zum Beispiel für die Schmiedengasse gewählt, roter Porphyr für den Märetplatz und die östliche Hauptgasse oder später dann nach langem Hickhack eine Kombination von beidem auf dem Friedhofplatz.

Dort und im «Ypsylon» fanden die letzten grösseren Pflästerungen mit der Schaffung der Fussgängerzone in den siebziger und achtziger Jahren statt. Für die Gurzelngasse und die westliche Hauptgasse reichte jedoch das Geld nicht mehr aus – sie blieben asphaltiert, doch wurden wenigstens die Ablaufrinnen typgleich mit rotem Porphyr gestaltet. So könne man dann in finanziell besseren Zeiten die Pflästerung einfacher «nachholen». Diese Zeiten sind längst da – ein Thema wurde die Pflästerung jedoch nie mehr. (ww)

Die Stadt in fünf Etappen eingeteilt

«Der Werkhof hat das Ganze sehr effizient und rasch abgewickelt», windet Pfister den Einsatzkräften des dortigen Chefs Patrick Schärer ein Kränzchen – dabei habe der Werkhof auch auf ein Spezialwerkzeug zur Aussandung von Sportplätzen zurückgegriffen.
Die zweitägigen Arbeiten - am Dienstag wurde vom Baseltor bis und mit Kronenplatz ausgesandet, am Mittwoch der Kronenstutz und der Klosterplatz – bleiben jedoch Solothurn auch in Zukunft keineswegs erspart. «Wir werden das gesamte Strassenpflaster in Etappen unterhalten», erläutert Thomas Pfister. «Dafür haben wir die gesamte Stadt in fünf Etappen aufgeteilt – vier davon liegen in der Altstadt, eine weitere bildet die Vorstadt.» Auch werde man alle fünf Jahre überprüfen, wie es um die Verfugung des Strassenpflasters bestellt sei. Und natürlich dort, wo die Pflasterfugen vermörtelt, statt ausgesandet sind, die allfälligen Risse oder Ausbrüche flicken

Warum ausgerechnet jetzt?

Ein bisschen erstaunte schon, dass die Arbeiten in der Altstadt ausgerechnet auf den Ferienbeginn mit dem Besuch vieler Touristen erfolgten. Auch konnte der Bereich, wo die «Couronne» und die «Suteria» ihr Aussenmobiliar und Pflanzkübel platziert haben, nicht ausgesandet werden. «Hauptsächlich ging es uns auch nicht um die Plätze», erklärt dazu der Chef Tiefbau, «sondern um die Fahrbahn und Kurve in den Steigungen, wo die Belastungen durch das Bremsen und Beschleunigen vieler, auch schwerer Fahrzeuge am grössten sind und das Pflaster deshalb am meisten gelitten hat.» Natürlich könnte man die Arbeiten auch im Herbst oder Frühling – nicht aber im Winter – ausführen, «doch wurde uns gesagt, in den Sommerferien, wenn es heiss ist, seien tagsüber nicht so viele Leute in der Stadt.»

Dass es mit den Arbeiten Staub und Dreck gebe, bestreitet Pfister nicht. «Aber wir hatten kein einziges Telefon deswegen.» Einzig das Hotel Couronne habe angefragt, ob man das Mobiliar draussen entfernen müsse. In den nächsten Tagen sollte alles, was auf zwei Rädern unterwegs ist, sein Tempo drosseln und aufpassen. Denn grosse Tafeln warnen vor «Rutschgefahr!» Doch bald dürfte der Sand keinen Staub mehr aufwirbeln – und Sand von gestern sein.

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