Daniel Siegenthaler
Pionier der Solothurner Seminarmeile gibt das Zepter weiter

Daniel Siegenthaler leitete das Hotel Ramada in den vergangenen neun Jahren. Auf Ende November verlässt der Mann der ersten Seminarstunde Solothurn Richtung Bern.

Andreas Kaufmann
Drucken
«Wir sind mit 100 Zimmern das grösste Hotel der Stadt – und stossen mit den Kapazitäten doch an Grenzen.»

«Wir sind mit 100 Zimmern das grösste Hotel der Stadt – und stossen mit den Kapazitäten doch an Grenzen.»

Andreas Kaufmann

Haben sich die Solothurner an den Glaswürfel gewöhnt, der vor neun Jahren noch auf Widerstand stiess?

Daniel Siegenthaler: Ich glaube, dass sich dieser Glaswürfel über die Jahre gut ins Stadtbild integriert hat und die Mehrheit heute einen positiven Eindruck hat.

Nun geht es ja nicht nur um die architektonische, sondern auch um die wirtschaftliche Ausstrahlung des Ramada.

Eine der Ängste war, dass wir der restlichen städtischen Hotellerie viel wegnehmen. Dabei war und ist es unsere Strategie, frische Gäste herzuholen. Und so hat es sich entwickelt: Andere Hotels weisen eine gleiche, wenn nicht höhere Auslastung auf. Und unsere eigene Entwicklung war immer positiv. Es kamen frische Gäste nach Solothurn. So profitieren wiederum andere Zweige wie Detailhandel oder andere Gastronomieunternehmen. Damit war es wirklich ein Zuwachs an Touristen und an Business-Reisenden, die sich andernfalls nicht für Solothurn, sondern für eine andere Region entschieden hätten.

Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Obwohl sich in einer Stadt mit dieser Kulturdichte der Erfolg doch eigentlich von selbst einstellt ...

Das Kulturangebot und der Hotellerieerfolg befruchten einander gegenseitig: Klar läuft in Solothurn kulturell viel. Auf der anderen Seite erinnere ich daran, dass beispielsweise die Filmtage-Organisation das Projekt Seminarmeile unterstützt hatte. Durch das neue Hotel konnten sich die Filmtage noch besser etablieren, und wir genossen ihre Unterstützung. Eine Win-win-Situation: Einerseits für die Filmtage, die ein Hotel haben, das diese Kapazitäten weitgehend bewältigen kann. Auf der anderen Seite waren wir froh um Anlässe, die Umsatz generierten.

Die Seminarmeile in seinen Händen

Der 47-jährige Daniel Siegenthaler leitete in den vergangenen neun Jahren als General Manager das «Ramada», das zusammen mit dem Palais Besenval und dem Landhaus zur Solothurner Seminarmeile zählt. Der gelernte Konditor stieg in der Hotelbranche auf und wirkte zuvor als Direktor im Hotel Bären in Sigriswil und als Vizedirektor im Lindner Grand Hotel Beau Rivage in Interlaken. Siegenthaler ist verheiratet, hat einen 13-jährigen Sohn und ist in Zuchwil zu Hause. Siegenthaler ist noch bis Ende November in Solothurn, seine Nachfolge steht noch aus. (ak)

Wie steht es um den Erfolg des Palais Besenval: Als Solothurner hat man den Eindruck, der Betrieb sei unsichtbar.

Es ist uns bewusst, dass das «Besenval» gegen aussen nicht so sichtbar ist. Das hat mehrere Gründe – einerseits visuelle: Das Gebäude war vorher nie öffentlich, man sieht nicht hinein und der Solothurner war es nicht gewohnt, dieses Haus zu betreten. Zum anderen hat es mit der Ausrichtung zu tun: Im «Besenval» haben wir sechs Tagungsräume, im «Ramada» nur drei. Durch dieses Zusatzangebot können wir mehr Seminare annehmen. Das heisst auch, dass wir an gewissen Tagen gebuchte Veranstaltungen haben und somit gar nicht in der Lage sind, individuelle Kundschaft zu bedienen. Als Aussenstehender fragt man sich dann: «Ist offen? Kann man nicht rein?» Klar ist: Das Kerngeschäft im «Besenval» wird mit Veranstaltungen bestritten. Auf der anderen Seite macht das Individualgeschäft, das wir in einem kleinen, bewältigbaren Rahmen weiterhin wollen, bis 20 Prozent des Geschäfts aus.

Zudem zählen ja Partys nun auch zum Repertoire des «Besenval».

Das ist ein jüngerer Zweig. Wir haben viele Veranstaltungen im Haus und zwischen Mai und Oktober praktisch jedes Wochenende mindestens eine Hochzeit. Was übrig bleibt, ist ein kleines Fenster, in dem wir uns an Events und Partys ausrichten. Aber dies lediglich als Ergänzung.

Mit der Auslagerung der Besenval-Restauration an die Widmer Gastro AG wurde ein weniger erfolgreiches Kapitel geschrieben. Gabs Lerneffekte?

Unser Kerngeschäft als Hotelkette ist die Hotellerie. Mit dem «Besenval» und dem Landhaus haben wir einen grossen Anteil Gastronomie. Bei der Entwicklung der Betriebe stellten wir uns die Frage, ob wir die Federführung nicht einem externen Gastronomen übergeben wollen, der das weiterentwickeln kann. Die Anlässe dort hatten ein Volumen angenommen, das es schwierig machte, alles unter einen Hut zu bringen. Mit Widmer haben wir das Geschäft in fremde Hände gegeben, damit aber nicht ganz die gewünschten Ziele erreicht. Das hat dazu geführt, dass Widmer den Konkurs anmelden musst, wir in kurzer Zeit eine neue Betriebsgesellschaft gegründet haben, die zum Hotel gehört, und das «Besenval» wieder in Eigenregie übernommen haben. Aber es war nicht alles schlecht: Den Fokus auf Veranstaltungen konnte man kontinuierlich ausbauen. Und dank des Raumangebots für Seminare befruchtet dies auch die Hotellerie. Insgesamt ist es für Firmen ein tolles Angebot, das man wunderbar kombinieren kann.

Herausforderungen gab es einige: der Neubau der Rötibrücke oder die Umgestaltung des Kreuzackerquais.

Die Stadt hat sich in den neun Jahren vor allem südlich der Aare positiv gewandelt. Die ersten zwei Jahre war das Haus von einer Baustelle umzingelt. Bagger, ungeteerte Wege, keine Terrasse. Die Umgestaltung des Bahnhofplatzes und des Kreuzackerquais kam dazu. Entstanden ist dafür eine schöne Begegnungszone. Und obwohl es nicht einfach war, konnte man bei den Gästen doch Verständnis schaffen, gerade wenns um die Hotelzufahrt ging. Wir stehen auch im engen Kontakt mit dem Stadtbauamt, um aufkommende Probleme zu lösen.

Wie hat sich die Wirtschaftskrise aufs Ramada Solothurn ausgewirkt?

In unserer Strategie haben wir immer viel Wert darauf gelegt, den Bekanntheitsgrad des Hotels in Solothurn zu steigern. 2009 kam die Bankenkrise, die im Nachhinein betrachtet auch Vorteile mit sich brachte: Viele Firmen haben sie ihre Seminare zu Tagesanlässen zusammengekürzt und sind abends wieder nach Hause gefahren. Da Solothurn zentral liegt, hatten wir daher einen Standortvorteil: zwar weniger Übernachtungen, aber viele Veranstaltungen. Als sich die Krise schliesslich legte, hatten wir bei diesen Firmen unseren Bekanntheitsgrad als zentralen Seminarort mit guter Infrastruktur steigern können.

Vertreter von Biogen, der geplanten Biotech-Niederlassung in Luterbach, kamen bei Ihnen schon zum Probeessen vorbei. Was darf man als Hotel von dieser Ansiedlung erwarten?

Da kommt ein potenter Arbeitgeber und Steuerzahler in die Region. Wir durften schon Buchungen von Biogen entgegennehmen. Ich rechne damit, dass die Firma eine Bereicherung wird. Man kann es vergleichen mit der Uhrenbranche, was uns in den letzten Jahren auch in Form von Buchungen vermehrt zugutegekommen sind. Und die Medizinaltechnik ist bei uns ebenso ein fester Wert, schon seit Beginn.

Hotelbesucher haben heute viele Möglichkeiten, Lob oder Unmut per Mausklick und Online-Kommentar kundzutun. Wie haben Sie den Wandel zum «durchleuchteten» Hotel erlebt?

Es ist eine Entwicklung, die sich in vielen wirtschaftlichen Zweigen wiederfindet. Sich damit zu beschäftigen ist heute Pflicht, und die Bedeutung von Bewertungen wird weiterhin zunehmen, denn viele Leute entscheiden oft über diesen Weg, wo es hingeht. An diesem Instrument kann man sich aber auch profilieren, wenn man mit guter Leistung punktet – somit ist es eine Chance.

Welche künftigen Herausforderungen stehen am Standort Solothurn an?

Mit 100 Zimmern sind wir das grösste Hotel der Stadt. Wir merken, dass wir mit der Kapazität der Zimmer oft an Grenzen stossen: Um langfristig sich im Veranstaltungsbereich weiterzuentwickeln, braucht es weitere Zimmereinheiten. Des Weiteren ist es wichtig, dass Modernisierungen vorangetrieben werden. Wir haben in diesem Jahr sämtliche 100 Zimmer renoviert sowie die Hotelhalle und die Penthouse Bar mit neuem Mobiliar ausgestattet. Weitere Erneuerungen sind in Planung.

Was treibt Sie nach neun Jahren als Direktor fort von Solothurn?

Zunächst einmal hatte ich hier eine tolle Zeit. Nun zieht es mich als Berner zurück nach Bern ins Hotel Bern, in dem ich ab Dezember meine neue Tätigkeit aufnehme. Es bedeutet für mich eine spannende Herausforderung in einem Betrieb, den ich schon etwas kenne, da ich bereits früher schon dort tätig war. Somit gehe ich einfach ein bisschen nach Hause ...

Aktuelle Nachrichten