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Moderation in Solothurn, Gespräch in Bern: So lief die Eröffnung der virtuellen Literaturtage

Mit einem Gespräch über Literatur und Politik eröffneten Simonetta Sommaruga und Simone Lappert die Solothurner Literaturtage virtuell.

«Die Begegnung ist nicht zu ersetzen». Darüber waren sich Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und die Schriftstellerin Simone Lappert im Eröffnungsgespräch zu den ersten virtuellen Solothurner Literaturtagen einig. Das Gespräch das am Freitagmorgen pünktlich um 10 Uhr über die online-Plattform der Literaturtage gesendet wurde, wurde vorher im Schlachthaus Theater Bern aufgezeichnet.

Reina Gehrig, Leiterin der Solothurner Literaturtage, begrüsste zunächst das virtuell anwesende Publikum von ihrem Standort in Solothurn aus, gut instruiert und beobachtet von den Technikern und einigen Mitgliedern des Teams der Literaturtage. Das Büro an der Dornacherstrasse sowie die Räume des nebenan liegenden Restaurants Akropolis werden an diesen Literaturtagen zum Dreh- und Angelpunkt. Hier wird koordiniert, moderiert und technisch alles möglich gemacht.

Mit der Ansage «Reina an Reina» leitete Gehrig in das Eröffnungsgespräch ein, da auch sie selbst bei der Aufzeichnung in Bern zugegen war.

Literatur und Politik sind Alltag für Sommaruga

Simonetta Sommaruga startete das Gespräch, indem sie erklärte, dass sie trotz der letzten strengen Tage das neue Buch von Simone Lappert «Der Sprung» gelesen habe. Sie freue sich sehr über die Möglichkeit dieses Gesprächs über Literatur und Politik, denn: «Ich lese jeden Tag und jeden Tag politisiere ich. Es gehört beides zu meinem Alltag.» Das Buch von Lappert habe sie ab dem zweiten Satz schon begeistert und es gehöre damit für sie zum Buch in der Coronazeit, obwohl es schon im letzten Jahr erschien.

Bundespräsidentin Sommaruga interviewt Schriftstellerin: Wie schaffen Sie Begegnungen in der Corona-Krise?

Bundespräsidentin Sommaruga interviewt Schriftstellerin: Wie schaffen Sie Begegnungen in der Corona-Krise?

Die Solothurner Literaturtage sind eröffnet. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sprach dabei mit Schriftstellerin Simone Lappert über das literarische Lesen und den Wunsch, mal in einem Fussballstadion zu lesen.

Simone Lappert rezitierte dann die ersten Sätze ihres Romans «Der Sprung». Das Buch ist für den Schweizer Buchpreis nominiert und gleichzeitig zum Lieblingsbuch des Schweizer Buchhandels erklärt. Sommaruga zeigte sich von der Rezitation beeindruckt und meinte, den Rhythmus der Sprache so noch intensiver wahrgenommen zu haben. Sie fragte die Autorin: «Kennen sie auch solche Schritte ins Leere, wie sie es im Roman beschreiben?»

«Jeden neuen Buchstaben auf ein leeres Blatt zu setzen ist wie ein Schritt in die Leere, in die Unsicherheit», so Lappert. «Unsicherheit beschäftigt uns alle ja derzeit heftig. Viele Kulturschaffende sind grosser Unsicherheit ausgeliefert; leiden unter existenzieller Bedrohung. Und da Kunst nicht erlebbar ist, geht doch vieles verloren.» Es sei eine extreme Zeit, meinte auch Sommaruga. «Politik hat derzeit auch viel Unsicherheiten und Widersprüchen zu tun. Wir müssen uns mit vielem auseinandersetzen und uns aussetzen.» Gerade im politisch eher trägen System der schweizerischen Demokratie, wo man es nicht gewohnt sei, schnelle Entscheide zu treffen, sei dies ungewohnt. «Wir dürfen uns nicht drängen lassen auch wenn Zeitdruck herrscht. Aus unsicherem Grund richtige Entscheide zu treffen, ist nicht einfach.»

Wie sie solche Unsicherheiten aushalte, wollte Lappert von der Bundespräsidentin wissen. «Ich bin ja nicht alleine. Das Bundesratsgremium mit sieben erfahrenen Personen, die alle unterschiedlich sind, gibt Sicherheit. Vor allem auch weil wir Entscheide von solcher Tragweite beschliessen mussten und uns derer immer bewusst waren.» Lappert gestand, dass schnelle Entscheide besonders beim Schreiben nicht ihre Stärke sei. «Schreib was zu Corona» habe es allerorts geheissen. «Da merkte ich: das geht so nicht. Ich nahm Zuflucht beim Unsinn und Humor». Diese Zeit habe Verkürzungen begünstigt, aber das dürfe so nicht weitergehen, denn: «Die Gefahr der Selbstausbeutung ist dadurch grösser geworden. Auch bei den Kulturschaffenden.» Sommaruga unterschrieb diese Aussage und meinte: «Wir brauchen Begegnungen mit Kunstschaffenden; sie sind nicht zu ersetzen.»

Nach dem gut halbstündigen Gespräch dankte Reina Gehrig allen Sponsoren und dem Team für die Unterstützung und erklärte die 42. Literaturtage für eröffnet.

Hinweis: Die Anlässe der Solothurner Literaturtag unter: www.literatur-online.ch

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