Liebhabertheater-Gesellschaft
Laienschauspieler glänzten im neuen Stück «Läbig Schueh»

Die Premiere mit dem Lustspiel «Läbig Schueh» erfüllte die hohen Erwartungen. Die Langjährige Regisseurin, Yvonne Hofer-Zaugg inszenierte das Stück mit viel Leidenschaft. Zudem begeisterte das Bühnenbild mit einer fast vollständig erhaltenen Schusterwerkstatt aus längst vergangenen Zeiten.

Katharina Arni-Howald
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Häusliche Szene aus dem neuen LTG-Stück mit (v. l.) Kari Fröhlicher (Stefan Huber), Gottfried Fröhlicher (Fredi Salvisberg), Lisette Fröhlicher (Sabina Vitelli) sowie Andi Hubert als Herr Grundmann.

Häusliche Szene aus dem neuen LTG-Stück mit (v. l.) Kari Fröhlicher (Stefan Huber), Gottfried Fröhlicher (Fredi Salvisberg), Lisette Fröhlicher (Sabina Vitelli) sowie Andi Hubert als Herr Grundmann.

Solothurner Zeitung

Schuhmacher Gottfried Fröhlicher kennt nicht nur sein Handwerk, er ist auch überzeugt, dass Schuhe wie Menschen sind und Geschichten über den Charakter des Trägers erzählen. Er glaubt zu wissen, ob jemand geizig, überheblich, lustig, stolz oder schön ist. Seine Sprache ist voll von Lebensweisheiten und Sprüchen, die sein Umfeld immer wieder ins Staunen versetzen. Selbst die Lumpenlieder fehlen nicht.
Der mit Leib und Seele tätige Schuhmacher führt mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner Schwester ein beschauliches Leben in einem Dorf, wo man sich kennt und einander hilft, wenn es nötig ist. Doch von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr so, wie es war. Das Leben des geachteten Dorfschuhmachers gerät aus den Fugen, als er erfährt, dass sein Fast-Schwager aus Rache sein Haus an einen weiteren Schuhmacher verkauft hat. Statt friedlich zusammenzuleben, wird im Haus von Gottfried Fröhlicher nun «gchiflet» und «zangget», und er selbst wird für seine Familie immer unerträglicher.
Ob es da noch zu einem Happy End kommen wird? Darüber rätselte das zahlreich erschienene Publikum im Stadttheater, das bei der Premiere der zweiten saisonalen Aufführung «Läbig Schueh» der Liebhabertheater-Gesellschaft (LTG) hohe Erwartungen an die Regie und die Schauspieler stellte. Noch sind es nur wenige Monate her, seit die traditionsreiche solothurnische Laienbühne mit der herrlich tiefsinnigen Komödie «Der arme Ritter» und einer hervorragenden Leistung der Schauspieler klare Zeichen setzte.
Ein währschaftes Theaterstück
Enttäuscht wurde das Publikum im Theatersaal auch dieses Mal nicht. Die Laienschauspieler glänzten im 1923 vom Schweizer Autor Hans Wagner geschriebenen berndeutschen Lustspiel in drei Akten mit überzeugenden Leistungen – allen voran Fredi Salvisberg (Gottfried Fröhlicher) und Stefan Huber (Kari Fröhlicher). Nur der Anfang der Aufführung kam etwas trocken daher. Lacher und Applaus erntete die Theatergruppe erst dann, als die Liebe ins Spiel kam, aber dieser Mangel und das etwas abrupte Ende sind wohl eher dem Autor anzulasten als den Darstellern, die ihren Rollen vollends gerecht wurden.
Für das gute Gelingen sorgte insbesondere auch die langjährige, bewährte Regisseurin Yvonne Hofer-Zaugg, die eine Vorliebe für alte und bodenständige Theaterstücke hat und dementsprechend im Archiv des Elgg-Theaterverlages herumgestöbert hatte. Es ist bei der LTG Usus, dass pro Saison nach einem zeitgemässen und einem währschaften Stück Ausschau gehalten wird. So kam es während Jahren auch zu den beliebten Gotthelf-Aufführungen, nach denen der Ruf noch heute unüberhörbar ist.
Ein einzigartiges Highlight bei «Läbig Schueh» ist das Bühnenbild mit der praktisch vollständig erhaltenen Schusterwerkstatt aus längst vergangenen Zeiten. «Die Museumsstücke werden von einer Schuhmachertochter in ihrem Keller aufbewahrt», erzählte Yvonne Hofer-Zaugg an der Premierefeier im Roten Turm. Die Gesellschaft sei per Zufall an diese Adresse gelangt, freute sie sich. In der nach traditionellem Vorbild eingerichteten Werkstatt fehlt es weder an antikem Schusterwerkzeug wie Ahlen, Zangen und Riemenschneidern, noch an Kartonbehältern und einer antiken Schusternähmaschine sowie sonstigen begehrten Sammlerstücken.
Viel Applaus für ihre Leistungen ernteten auch Sabina Vitelli als ausgleichende und Frieden stiftende Mutter Lisette Fröhlicher, Ursula Huber als Lisabeth Fröhlicher, Sabrina Fankhauser als Rösli Freudiger, Thomas Stöckli als Peter Hödeler, Andi Hubert als Herr Grundmann, Jürg Rohrbach als Herr Löffel, Fritz Fankhauser als Sämi Steiacher und Trudi Marti als Hanni.
Weitere Vorstellungen: Samstag, 19. März, 19 Uhr; Sonntag, 20. März, 19 Uhr; Dienstag, 29. März, 19.30 Uhr und Donnerstag, 31. März, 19.30 Uhr.

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