Konzertsaal Solothurn
Kraftvoll, lebendig und ausgefeilt: Vom Glück kollektiven Erlebens

Überragendes Programm mit dem Solothurner Kammerorchester und dem Geigenvirtuosen Daniel Kobyliansky im Konzertsaal. Mit dem Schutzkonzept stand dem Hör- und Seherlebnis nichts im Wege.

Gundi Klemm
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Die Freude, wieder vor Publikum spielen zu dürfen, war im Kammerorchester spürbar.

Die Freude, wieder vor Publikum spielen zu dürfen, war im Kammerorchester spürbar.

Hansjörg Sahli

Was haben wir doch in den letzten Monaten kulturell gedarbt! Musik zu Hause allein zu hören, bringt nicht den gleichen Genuss wie ein Konzert in grosser Gemeinschaft. Vorfreude und Begeisterung über das kollektive Erlebnis teilen sich nämlich spürbar im Publikum mit, das Musikerinnen und Musiker auf der Bühne vor sich sieht und deren Impulse und Interpretation der Konzertliteratur mitgehend wahrnimmt. Um dies Musikfreunden zu ermöglichen, hatte das Solothurner Kammerorchester (SKO) umfassende Vorbereitungen im Sicherheitsbereich getroffen, die vom Amt für Wirtschaft und Arbeit eingangs kontrolliert worden waren. Auf Abstand, mit Maske und – wie im Schutzkonzept gefordert – mit deponierten Personalien stand dem Hör- und Seherlebnis nichts im Wege.

Das Beste kam für einmal als Abschluss

Das Beste des vierteiligen Abendprogramms, das ohne Pause gespielt wurde, kam zum Abschluss. Mit der dreisätzigen Komposition Konzert Nr. 22 a-Moll für Violine und Orchester von Giovanni Battista Viotti (1755-1824) erklang im wahrsten Sinne ein Prachtstück für Geigenvirtuosen. Im 1973 in Moskau geborenen Daniel Kobyliansky fand es seinen meisterhaften Interpreten, der Viottis Erfindungskraft mit seinem Gestaltungsreichtum zur Geltung brachte. Schwebende gesangliche Partien wechseln mit rhythmisch durchpulsten Motiven und Doppelgriffen im Moderato ab.

Thematisch ausdrucksvoll und glanzvoll wirkt der zweite Satz Adagio. Beide zeigen die enorme Geigenspielkunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die der auswendig spielende Solist in genialer Tonbildung umsetzte. Im Finale Agitato assai bricht sich in den solistischen Episoden die neue Zeit moderner Virtuosenkunst Bahn. Die Musikforschung zeigt auf, dass etwa Beethoven, Brahms und weitere Viotti als «Vater des modernen Geigenspiels» intensiv studierten und sich davon in ihren Werken beeinflussen liessen.

Das Orchester war bestens vorbereitet

Hinter dem bejubelten Kobyliansky-Vortrag mit Solokadenzen von Eugène Yasaye darf die Leistung des SKO in grosser Besetzung mit Streichern, Flöten, Hörnern, Oboen, Klarinetten und Pauken als reaktionsstarker, wohldosierter Klangkörper nicht vergessen werden. SKO-Leiter Urs Joseph Flury hatte seine Musikerinnen und Musiker trotz Pandemieeinschränkung in der Probentätigkeit brilliant vorbereitet.

Der Werdegang von Daniel Kobyliansky, früherer Konzertmeister im Symphonieorchester Biel-Solothurn und jetzige «erste Geige» im «Faust»-Streichquartett, verlief über internationale Stationen und als Preisträger von Wettbewerben.

Berührend, frisch, gefällig, melodiös

Die liebliche Romanze F-Dur op. 50 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) gehört mit ihrem ausdrücklichen Thema zum Erinnerungsschatz vieler Musikliebhaber. Die rund achtminütige Aufführung durch Solist und Orchester berührte zutiefst und gefiel im wechselseitigen Ausschmückungen zwischen Solovioline und Orchester mit Streichern und Bläsern. Frisch und gefällig als Gruss aus der Spätromantik lockerte das Intermezzo aus der Oper «Der schlimm-heilige Vitalis» von Richard Flury (1896-1967) das klassische Programm auf.

Eröffnet wurde der Abend durch die Sinfonie Nr. 101 D-Dur «Die Uhr» von Franz Joseph Hayden ((1732-1809). Wegen tickender Begleitfiguren im Andante gaben die Londoner der viersätzigen Komposition des Altmeisters die Bezeichnung «The Clock». Dem nächtlich düsteren Beginn folgen eine freundlich melodische Liedfolge, danach ein kraftvolles Menuett und ein lebendiges, ausgefeiltes Vivace.

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