Couchsurfing
Immer mehr Solothurner holen sich Weltenbummler aufs Sofa

«Couchsurfing», so heisst die neue Art zu reisen. Anstatt in teuren Hotels unterzukommen, bevorzugen immer mehr Menschen die Variante, bei Einheimischen zu wohnen. Ein Trend macht auch in Solothurn Schule macht. Immer mehr nehmen hier Fremde auf.

Beatrice Kaufmann
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Stefan Burkard und Gabi Studer sowie der neue «Mitbewohner», ihr Sohn Colin. Hansjörg Sahli

Stefan Burkard und Gabi Studer sowie der neue «Mitbewohner», ihr Sohn Colin. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

Auf der Homepage www.couchsurfing.org besteht seit 2004 die Möglichkeit, eine Schlafgelegenheit anzubieten oder zu suchen. Derzeit machen hierzulande knapp 14000 von diesem Angebot Gebrauch.

Bereichernder Kulturaustausch

Im Kanton Solothurn ist die zu surfende Welle noch nicht wahnsinnig hoch. Gerade mal 106 Einträge finden sich auf der Couchsurfing-Homepage. Zum Vergleich: In Bern sind 1083 User registriert, in Zürich sogar 2729. Doch auch die zwei Stadt-Solothurner Gabi Studer, 39, und Stefan Burkard, 37, zeigen sich begeistert von dem Angebot. «Es ist spannend und bereichernd, neue Leute aus anderen Kulturen kennen zu lernen», erzählt Studer.

Das Paar öffnet seit drei Jahren seine Tür für Reisende, die bei Einheimischen übernachten möchten. Sie hätten vorher schon einiges über Couchsurfing gehört gehabt und auch Freunde, die andere Menschen «hosten». Ausschlaggebend sei eine Reise nach Frankreich und auf Hawaii gewesen, auf der sie viele neue Gesichter kennenlernten. «Wir haben nicht immer Zeit, um zu reisen. Daher wollten wir uns die Leute nach Hause holen, die etwas zu erzählen haben», erklärt Studer. So hätten sie sich entschieden, in Zukunft Besucher kostenlos bei sich übernachten zu lassen.

Couchsurfing macht lockerer

Bisher hätten sie nur gute Erfahrungen gemacht, auch wenn die ein oder andere etwas skurril war. «Ein Gast aus Brasilien ist an dem Tag, an dem er sich angemeldet hatte, nicht gekommen. Dafür stand er eine Woche später vor unserer Tür», erzählt Burkard schmunzelnd.

Es sei auch schon vorgekommen, dass die Gäste gar nicht gekommen seien. Aus solchen Erfahrungen lerne man jedoch, lockerer zu werden, findet Studer. Im Allgemeinen seien ihre Gäste sehr kommunikativ, unkompliziert und dankbar. Obwohl alle Schlafgelegenheiten bei Couchsurfing kostenlos sind, bringen die Besucher ab und zu etwas aus ihrer Heimat mit oder laden ihre Gastgeber zum Essen ein.

«Unser brasilianischer Gast hat sogar Backmischungen mitgebracht und uns etwas gebacken», sagt Burkard. Ausserdem würden sie stets eingeladen, sofern sie mal in der Heimat der Gäste seien. Bis jetzt seien die meisten ihrer Gäste zwischen drei Tagen und einer Woche geblieben. Ist das nicht zwischendurch auch anstrengend? «Wenn jemand bei uns ist, sind wir schon jede freie Minute mit ihm beschäftigt», erzählt Studer. Man wolle schliesslich mit den Leuten reden, sie kennen lernen und Erfahrungen austauschen. Es gebe aber auch anstrengende Momente, da sie beide erwerbstätig seien. Daher seien sie froh, zu zweit zu sein. So könne man sich zwischendurch aufteilen.

Seit rund sechs Wochen sind die Direktionsassistentin und der Software-Entwickler Eltern des kleinen Colin. Das ist für sie jedoch kein Grund, mit Couchsurfing aufzuhören. «Momentan nehmen wir keine Anfragen an. Wenn der Kleine ungefähr ein Jahr alt ist, wollen wir aber wieder Gäste empfangen», kündigt Burkard an. Er könne davon profitieren, wenn er mit Menschen aus anderen Kulturen in Kontakt komme. «So sieht er, dass das Menschen sind, wie Du und ich.»