Zeitmaschine.TV
Hier schreiben Schüler aus Solothurn lebendige Geschichte

Für einmal tauschten Sekundarschüler das Schreibetui mit Mikrofon und betrieben historische Recherche. Im Interview mit dem Krokus-Gitarristen Fernando von Arb befragten ihn die Sekundarschüler über seine musikalische Vergangenheit und Gegenwart.

Andreas Kaufmann
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Rockmusiker Fernando von Arb wird von den Schülern Julia Zbinden und Reynardo Gisiger interviewt.

Rockmusiker Fernando von Arb wird von den Schülern Julia Zbinden und Reynardo Gisiger interviewt.

ak

Über die Unmöglichkeit von Zeitreisen können sich Physiker und Philosophen streiten: Jugendliche gehen einen Schritt weiter, schlagen Naturgesetzen ein Schnippchen und bauen einfach eine Zeitmaschine. Darum geht es beim Projekt mit dem Namen Zeitmaschine.TV, das letzte Woche zum wiederholten Male auch in Solothurn Halt machte. Im Rahmen einer Schulprojektwoche interviewten junge Menschen einen Zeitzeugen zu Themen «seiner» Epoche, egal, ob es sich dabei um die Kriegserfahrungen eines Grossättis oder um die Bühnenperspektive eines Rockstars handelt.

Krokus-Gitarrist über seine Vergangenheit und Zukunft

Um eine Persönlichkeit zweiter Art ging es auch im Interview von Julia Zbinden und Reynardo Gisiger. Die Schüler der ersten Sek Schützenmatt nutzten die Gelegenheit, den Krokus-Gitarristen Fernando von Arb über seine musikalische Vergangenheit (und Gegenwart) zu befragen.

Interview mit einem Rockstar

Im Gespräch im Restaurant des Palais Besenval sinniert der Rockmusiker, den die Musik jung gehalten hat, übers Älterwerden. «Da machen einige schon die Erfahrung, eine riesige Pauke – sprich: Bauch – mit auf die Bühne zu schleppen, die man zum Musizieren kaum brauchen kann.» Julia Zbinden lauscht von Arbs Erzählungen und schmunzelt. Nervös sei sie nur ganz am Anfang gewesen, verrät die 13-Jährige nach dem Gespräch: «Aber die Vorfreude und das Interesse waren noch grösser.

Und als ich sah, wie locker Fernando von Arb auf uns zukam, da verflog auch der Rest an Nervosität.» Besonders spannend seien auch die Einblicke in die Welt hinter die Bühne gewesen: «Wir erfuhren einiges über die Hintergründe der Krokus-Tour nach Amerika, übers Management oder über andere interessante Geschichten aus dem Backstage-Bereich.»

Die Clips im Internet

Insgesamt zehn Zeitzeugengespräche fanden so in den vergangenen Tagen statt. Auch Recherchen im Vorfeld des jeweiligen Interviews sowie eine kurze Schulung zur Interviewgestaltung waren Bestandteil der Projektwoche. Im weiteren Verlauf wurde dann das rund einstündige Audiomaterial auf wenige Minuten geschnitten und mit einer Diashow an Bildmaterial zum Thema unterlegt. Zu sehen sind die Clips im Internet unter www.zeitmaschine.tv, in einer multimedialen Sammlung, die mit jedem Beitrag anwächst. Auch darauf freut sich Julia Zbinden: «Es macht schon stolz, sich dann anzuschauen, was man erarbeitet hat.»

Brücken zwischen Generationen

«Jeder junge Mensch sollte ein bisschen ein Journalist sein», sagt Christian Lüthi, Initiant und Geschäftsführer von Zeitmaschine.TV. «Es geht aber auch darum, eine Brücke zwischen den Generationen zu bauen», fügt der Historiker, Medienwissenschafter und Pädagoge an. Theoretisch-methodischer Leitgedanke bildet die Oral History. Dieser geschichtswissenschaftliche Ansatz stützt sich darauf, Eindrücke und Erlebnisse noch lebender Zeitzeugen und damit die Sichtweise und Lebenswelt «des Mannes aus dem Volk» zu erfassen und abzubilden.

Mit seiner Idee arbeitet Lüthi bis über die Landesgrenzen aus mit diversen Institutionen zusammen: Altersheimen, Schulen oder Jugendzentren – und eben auch in Solothurn, «auf dessen Boden diese neue Medienstruktur besonders gut zu gedeihen scheint». Davon ist auch Mirko Koch überzeugt. Denn auch aus Sicht des Oberstufenlehrers der Sek B Schützenmatt war die Woche ein voller Erfolg: «Gerade die Interviews sind bei den Jugendlichen sehr gut angekommen.» Dazu haben nicht zuletzt auch Zeitzeugen wie die Grauen Panther und andere beigetragen.

«Eine anderer Einblick in die Zeit»

«Und die Arbeit mit den Computerprogrammen war dafür eine echte Herausforderung», so Koch. Auch er betont den pädagogischen Wert der Projektwoche: «Das Medium Zeitmaschine.TV ermöglicht den Schülern, sich einen komplett anderen Einblick in die Zeit zu verschaffen.» Er fände es wünschenswert, auch unter dem Jahr gelegentlich an dieser Zeitmaschine weiterzubauen.

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