Solidaris-Stiftung
Gartenfreunde sorgen dafür, dass alte Sorten nicht verloren gehen

Die Wyssestei-Gärtnerei neben dem Rosegg-Hof arbeitet mit Pro Specie Rara zusammen. Mit dem Projekt sollen alte, einheimische Gemüse- und Zierpflanzen vor dem Aussterben bewahrt werden.

Katharina Arni-Howald
Drucken
Teilen
Haupthaus der Gärtnerei Wyssestei.
13 Bilder
Gärtnerei Wyssestei
Schutz im Tunnel.
Das grosse Treibhaus.
Das kleinere Treibhaus.
Zarte Pflänzchen.
Salatsetzlinge.
Auf sie gilt es in den jetzigen Frotnächten besonders aufzupassen.
Im Kräutergarten.
Der schön angelegte Kräutergarten.
Gesamtansicht der Gärtnerei.
Farbenpracht.
Auch Enzian blüht.

Haupthaus der Gärtnerei Wyssestei.

Wolfgang Wagmann

Vor gut einem Jahr entschloss sich die Gärtnerei der Solodaris-Stiftung an der Weissensteinstrasse, mit der Stiftung Pro Specie Rara zusammenzuarbeiten. Beim mehrjährigen Projekt geht es darum, alte, einheimische Gemüse- und Zierpflanzen vor dem Aussterben zu bewahren.

Um dies möglich zu machen, wird darauf geachtet, dass von allen Sorten immer genügend frisches, keimfähiges Saatgut vorhanden ist.

Dank dem nötigen Fachpersonal und der Mithilfe von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung ist die Gärtnerei innerhalb eines Jahres gewachsen und verfügt mit zwei Gewächshäusern, einer grossen Freifläche, Folientunnel und der Überwinterung von nicht winterharten Pflanzen über eine vielfältige Infrastruktur. Damit erfüllt sie alle Voraussetzungen, die Pro Specie Rara an seine verschiedenen Projektpartner stellt.

Altes Kulturgut erhalten

Vom Erfolg des ersten Teils des Projektes konnten sich Besucherinnen und Besucher an einem sogenannten «After-Work-Anlass» an Ort und Stelle überzeugen. Ein Blick hinter die Kulissen offenbarte, wie aus einem Steckling kräftige Gemüse- und Sommerpflanzen heranwachsen und eine grosse Zahl an verschiedenen Kräutern und Heilpflanzen den Weg zum Konsumenten finden.

«Wir haben lange danach gesucht, wie wir uns von anderen Betrieben abheben könnten», erzählte Roland Blaser, Leiter der Solodaris-Gärtnerei, den staunenden Besuchern.

Heute profitieren nebst der eigenen Kundschaft auch andere professionelle Gärtnereibetriebe vom reichhaltigen Angebot. Sie sorgen damit ebenfalls dafür, dass altes Kulturgut, das im 20. Jahrhundert von Standardsorten verdrängt wurde, nicht verloren geht und die Biodiversitäts-Konvention von 1992, mit der sich die Schweiz verpflichtet hat, die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen zu erhalten, eingehalten wird.

Mit Gütesiegel ausgezeichnet

Die Samen, die in der Solodaris-Gärtnerei gesammelt werden, gehen zurück an Pro Specie Rara, in deren Samenbank bereits Saatgut von weit mehr als 1'000 Gemüse- und Zierpflanzensorten lagert. Für die Arbeit, die Solodaris in einem Jahr mit knapp 30 Mitarbeitenden geleistet hat, wurde sie mit einem Gütesiegel ausgezeichnet. Das freut Roland Blaser, der mit viel Enthusiasmus hinter dem Projekt steht.

«Was wir hier tun ist spannend und macht Freude, vor allem auch, weil wir viele Hände haben, die zupacken können», betont der Leiter der Gärtnerei mit einem besonderen Auftrag und ergänzt: «Die Produktion von Samen braucht Fachwissen und Arbeitskräfte, und beides ist in unserer Gärtnerei vorhanden.» Gleichzeitig weist er darauf hin, dass an der Weissensteinstrasse auch Sträusse gebunden, und Stauden angeboten werden.

40 Tage für 20 Zentimeter

Im Gewächs- und Kühlhaus ist es inzwischen lebendig geworden. Die Besucher greifen zu Salat- und Gemüsesetzlingen und tauschen Erfahrungen aus. Zwei junge Angestellte stehen hinter einem Tischchen, wo der Blick auf kleine Schalen mit verschiedenen Samen fällt. In Pflanztöpfen wachsen Tomaten heran.

Von den ersten Keimblättchen bis zur bereits rund 20 Zentimeter grossen Tomatenpflanze hat es 40 Tage gedauert, liest man auf einem Schild – dank idealen Bedingungen selbstverständlich. Auf der anderen Seite kann man leichte und schwere Erde durch die Hände rieseln lassen.

Das Herz der Gartenfreunde schlägt höher. «Sie wird in Säcke abgefüllt. Die Menge bestimmt der Kunde oder die Kundin», sagt eine Mitarbeitende. Noch rasch ein Besuch bei den Kräutern im Freiland. In der Ferne gucken Bergspitzen zwischen den Wolken hervor. Ein schöner Platz, um sich Gedanken zu machen über die Schönheit der Natur.

Aktuelle Nachrichten