Solothurn
Fasnachtsblätter schiessen Pfeile gegen Wahlzirkus und Obrigkeiten

Ab Donnerstag lässt sich in den verschiedenen Ausgaben der Solothurner Narrenpressen «Hudibras», «Postheiri» und im «Amzbblatt» blättern. Die sind kurzweilig und unterhaltsam.

Andreas Kaufmann
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«Hudibras»: Ivo Brachers «Freie Republik Aareinseli», ›Arbeitstitel «Wasserstadt» und «Postheiri»: Im «schäumlichen Leidbild» werden die Altstadtgassen umspült.

«Hudibras»: Ivo Brachers «Freie Republik Aareinseli», ›Arbeitstitel «Wasserstadt» und «Postheiri»: Im «schäumlichen Leidbild» werden die Altstadtgassen umspült.

zvg

Dem Nährboden im fasnächtlichen Blätterwald mangelt es auch heuer nicht an Themen, die Solothurn urbi et orbi beschäftigen. Davon zeugt nicht nur die erschienene Jubiläumsausgabe des Gratisblatts «11 Minuten». Auch der «Postheiri» und der «Hudibras», sowie das «Amzblatt», werfen die vergangenen zwölf Monate im närrischen Zerrspiegel zurück.

Oder entzerren und stellen fadengerade klar. So oder so: Ab heute sind auch sie im Umlauf und nehmen Angriffskurs auf willkommene Ziele. Zum Beispiel den anstehenden Wahlmarathon: Im «Postheiri» trifft man Hilarius Immergrün und Tochter Elisi beim (Un)lustwandeln auf dem «Markt der Peinlichkeiten» an– eine unschmeichelhafte Hommage an das zurzeit hyperaktive politische Who-is-who in Stadt und Kanton. Beim «Hudibras» spricht man hingegen vom «Wahlium» und nimmt die lähmende Wahlwerbungslawine in vielen kleinen, gut verdaulichen Portionen auf die Schippe.

«Amzblatt» reicht von global bis lokal

Vom Grossen zum Kleinen – das kostenlose «Amzblatt» bahnt sich seinen Weg im bekannten Stil vom internationalen aufs regionale und städtische Terrain. So biete Trump den Kantonsratskandidaten schon jetzt einen Kurs in «Umsetzung von Walversprecken». Wie die anderen Narrenblätter wird zudem auch hier das «Malais Besenval» aufgegriffen und ein Betriebskonzept vorgestellt, eines das dem alten (leider?) ähnelt...

Gefeiert wird auch das 100-Jahr-Jubiläum der RBS-Linie. Was in Aussicht gestellt wird: ein von Bern bis Solothurn reichender Zug. Man steigt am einen Ort ein und am anderen aus – fahren muss der Zug dabei natürlich nicht. Im Gegensatz zum «Postheiri» und «Hudibras» ist Grenchen im «Amzblatt» Thema, genauer: das Theater ums Parktheater.

Höhepunkte der aktuellen Ausgabe sind das interaktive Brettspiel durch Solothurn («Jürgens Erlebnispark»), das die närrischen Hotspot(t)s abklappert. Aber auch das klassische Beneidungsregister regt zum ›Schmunzeln an: So beneide Fraziska Roth Kurt Fluri um seinen Präsidialsitz und die NAGRA blickt bewundernd aufs Kunstmuseum: Die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle «möchte auch so ein schickes Endlager!» (ak)

Gegen Obrigkeit gepfeffert

Apropos gut verdaulich: Auch das von Chris van den Broeke initiierte Grillwurst-Politikum, das Solothurn unvermindert auf Trab hält, wird in der Narrenpresse ausgiebig verbraten. Was der Urheber laut «Hudibras» vergisst: «Nur in der Stadtverwaltung darf gewurstelt werden.» Und so geizen die beiden Blätter auch keineswegs mit obrigkeitskritischer Munition.

Die Running Gags über die magistralen Nickerchen Kurt Fluris oder die Anzahl seiner Dienstjahre gehören nun mal zu Honolulu wie das Mehl in der Suppe. Im Sucher der Narrenschreiberlinge ist aber auch Franziska Roth, die mögliche SP-Widersacherin des zurzeit fasnächtlich entmachteten Stadtpräsidenten.

Steilvorlagen für gepfefferte Gags lieferte mit dem Weggang von Stadtplaner Daniel Laubscher und dem Knatsch um Immobilientycoon Ivo Bracher auch das Stadtbauamt unter Andrea Lenggenhager (oder «Lämpenhager», wie der «Postheiri» schreibt). Im «Hudibras» wird Bracher nach seinem Exodus auf der Suche nach der Wasserstadt-Alternative fündig.

Er ruft die «Freie Republik Aareinseli» aus, wie die informative Projektskizze zeigt. Utopische Ideen heckt man auch auf der «Postheiri»- Redaktion aus – illustrativ im Wimmelbild umgesetzt: In ihrem «schäumlichen Leidbild» schwappt die Wasserstadt Richtung Osten und flutet die Altstadt auf venezianische Art.

Spott für «Gäldbrunnen»

Während Grenchen dieses Mal stiefmütterlich wenig Schaden für die honolulesische Spottproduktion zu liefern vermag, richtet sich der Blick umso mehr auf die «Umfahrung Gäldbrunnen», wie dem «Hudibras» aufgefallen ist. Beim «Postheiri» kennt man indes die historische Erklärung, weswegen Solothurn nicht von den Kyburgern überfallen wurden.

Nicht Hans Roth kam dem Angriff zuvor – vielmehr hat das Feldbrunner Chaos die Kyburger vergrämt. Kunst bleibt von der Narrenpresse ebensowenig verschont. Der «Postheiri» kündigt nach dem Niedergang von «Solothurn Classics» den Opern-Supermarkt an und verleiht – sehr böse – verschmähten Kunstwerken im Kunstmuseums-Bunker eine Stimme.

Auch fasnächtliche Interna findet man beim Stöbern: Der pyrotechnische Zwischenfall beim letztjährigen Böögg wird genüsslich breit geschlagen. Bööggier Rolf Grau wird laut «Hudibras» zur Abrüstung des Arsenals von grossen Sprengkörpern zu harmlosen Knallerbsen aufgefordert und laut «Postheiri» in den Beichtstuhl eingeladen: «Vater, vergib mir, denn ich habe gezündigt...»

Derweil inserieren im «Hudibras» die gleichnamigen wagenhallenlosen «Chutze» für eine neue Lokalität – mit Wellnessbereich, Weinkeller und WLAN. Vielleicht erfährt der Leser in Ausgabe 2018, ob sie fündig wurden...

Narrenpresse «Postheiri», «Hudibras» und «Amzblatt» sind heute ab 17 Uhr auf dem Märetplatz erhältlich.

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