Solothurn
«Es ist als Gesellschaftskritik gedacht»: Loonote Club ist mit neuem Album am Start

Anfang 2019 veröffentlichte das Künstlerkollektiv Loonote Club aus Solothurn seine EP. Dieses Jahr liefert die Gruppe gleich ein ganzes Album.

Tanja Graziano
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Die Produzenten Alexander Claus, Lukas Steiner und der Rapper Kym Siegenthaler (v.l.) im Studio Loonote in Solothurn.

Die Produzenten Alexander Claus, Lukas Steiner und der Rapper Kym Siegenthaler (v.l.) im Studio Loonote in Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Monatelang arbeitete das Künstlerkollektiv Loonote Club an verschiedenen Tracks, jetzt ist es endlich da: «Port Royal» heisst ihr erstes Album. Im Musikstudio Loonote berichten die Produzenten Lukas Steiner, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Loopsided, und Alexander Claus, was alles hinter dem Mix an emotionalen Beats und tiefgründigen Texten steckt. Auch vor Ort: Rapper Kym Siegenthaler alias Kym. Das Trio ist Teil des neunköpfigen Künstlerkollektivs. Zu ihnen gehören die drei Musiker der Gruppe City Nord aus Grenchen und die Sängerin Ninia.

Alles bekannte Grössen in der Musikszene. «Wir machen das alle nicht erst seit gestern», sagt Kym. Er sei mit der Hip-Hop-Kultur aufgewachsen. «Ich habe mit Breakdance angefangen und bin so mit der Musik in Verbindung gekommen. Breakdance gibt es auch in der Schweiz, selbst wenn es hier natürlich etwas anderes ist als in Amerika», meint der Solothurner. «Obwohl wir schon alle langjährige Erfahrung haben, werden wir noch als Newcomer-Band wahrgenommen», sagt Loopsided.

Grosse Erwartungen an das tiefgründige Album

«Ich hatte von Anfang an grosse Erwartungen an das Album», sagt Loopsided. Dem Produzenten war es wichtig, andere Einflüsse in das Rap-Album zu bringen. «Was für uns Hip-Hop ausmacht, ist, dass alles von A bis Z selber gemacht wird. Wir haben das Studio aufgebaut und haben uns alle Skills selbst beigebracht», erklärt der Solothurner Musikproduzent.

Benannt ist das neue Album nach dem ehemaligen Hafen in der Karibik «Port Royal», der durch ein Erdbeben zerstört wurde und den es heute nicht mehr gibt. Zur Zeit der Piraten war der jamaikanische Ort ein Sündenpool für Prostitution, Spieler, Halunken und Gauner. «Auf unserem Album wollten wir das Lebendige und Vielschichtige dieser Stadt einbringen», erklärt Claus. «Es ist als Gesellschaftskritik gedacht, aber eher im Sinne einer Selbstkritik», erklärt Loopsided. «Da wir als Individuen in dieser Gesellschaft leben, wird diese so auf gewisse Weise auch widerspiegelt», ergänzt Kym.

Für keinen der Drei gibt es ein Lieblingslied. Das Lied «Hässig» hat für Kym aber eine besondere Bedeutung. «Dort kommen alle unsere verschiedenen Facetten zusammen. Das ist für mich der Song, der unsere Philosophie am besten zeigt», ist der Rapper der Meinung. «Die Gruppe ist für mich der Grund, dass ich mehrmals im Monat von Winterthur nach Solothurn komme. Für mich gibt es nichts Vergleichbares», so Claus.

Teamarbeit und Leidenschaft für die Musik

Das Album sei ein Resultat guter Teamarbeit und Leidenschaft für die Musik. «Dass wir gut miteinander auskommen, hat die Zusammenarbeit sehr vereinfacht», bemerkt Loopsided: «Wir waren kritisch unterwegs und haben versucht, das Beste aus jedem einzelnen Lied herauszuholen.» Claus ergänzt: «Was es aber gebraucht hat, war eine klare Leitung.»

Diese hat Loopsided übernommen. Mit neun Künstlern und unterschiedlichen Ideen sei es nicht immer leicht. «Wir müssen effizient arbeiten und in den Proben Vollgas geben», erklärt der Musiker. Die Musikproduktion bedeute viele Stunden am Computer, Instrumenten und Mikrofon.

Ein Albumrelease ohne Live-Auftritt

Der Auslöser für das jetzige Album war das gelungene Debut mit «Don Quijote» Anfang 2019. Ihr Debut feierte die Gruppe vor Live-Publikum in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn. «Don Quijote war ein Versuch für uns», erklärt Claus. Auf die Veröffentlichung folgten viele Live-Auftritte.

Im Gegensatz dazu feierten sie die Veröffentlichung von «Port Royal» im kleinen Rahmen. «Anstelle eines riesigen Feuerwerkes zum Albumrelease haben wir uns die Songs hier im Musikstudio angehört», so Claus. Trotz der Umstände wollte die Gruppe mit der Veröffentlichung nicht abwarten. «Für uns war es der richtige Zeitpunkt», betont Loopsided. Die Auftritte vor Publikum werden sie nachholen. Sicherlich geplant sei aber ein Streaming-Konzert.

«Mir fällt es sehr schwer, dass wir nicht live spielen können. Für uns Rapper ist es toll, mit einer ganzen Band auf der Bühne zu stehen», sagt Kym rückblickend. Das gebe es in der Schweiz sonst nicht oft. Klar sei: Wir können sicherlich noch etwas vom Loonote Club erwarten. «Wir sind erst am Anfang», versichert Claus.

Hinweis

Das Album können Sie hier hören: www.lnk.site/portroyal

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