Soly_darisch
Ein Solothurner hilft den Selbstständigen: «Sie sind das Rückgrat unserer Wirtschaft»

Das Projekt «Soly_darisch» stellt Solothurner Selbstständige vor. Mithilfe von Portraits erzählt der Initiant Chris Däppen, wie die Betroffenen mit dem Lockdown und den damit einhergehenden Veränderungen umgehen.

Nadja Senn
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6 Bilder
Anna Schwander, Coiffeuse, Inhaberin des Coiffeursalon «Cutwoman», Solothurn
Flavio Mezzodi, Berufsmusiker
Regina Seidt, Inhaberin von Fleur Blumen Fiori, Flumenthal
Manuel Frei, Tätowierer
Roman Zumstein, Gelernter Industrielackierer, Geschäftsführer und Mitinhaber von ASB Spritzwerk GmbH, Bellach

Chris Däppen

Es ist in aller Munde: Die Selbstständigen und die KMU gehören in der Coronakrise zu den Leidtragendsten. Sie müssen teilweise kurzfristige Lösungen für allfällige Angestellte finden und wissen gleichzeitig nicht, wie sie ihren eigenen Lebensunterhalt stemmen oder ihren Betrieb retten sollen. Deswegen wird auf den Social Media Portalen des Projekts «Soly_darisch» (Instagram: soly_darisch / Facebook: soly_darisch) täglich ein Portrait mit Bild und Text eines Freelancers oder einer Freelancerin, einer selbstständig erwerbenden Person oder eines Kleinunternehmens veröffentlicht. Ziel ist, dass sich die Menschen an die porträtierten Geschichten erinnern und die Geschäfte in der Region auch längerfristig unterstützen.

Initiator des Ganzen ist Chris Däppen (siehe Box). Der Fotograf lichtet die Solothurner Selbstständigen nicht nur ab, sondern verfasst auch die Texte selbst, die täglich auf den «Soly_darisch»-Plattformen erscheinen. Dabei unterstützt ihn sein dreiköpfiges Team (siehe unten). Sein erstes Shooting für das Projekt machte Däppen am 20. März. Bis anhin erreicht die Plattform fast 600 Menschen auf Instagram und mehr als 300 auf Facebook.

Chris Däppen, Initiator von «Soly_darisch» Der in Solothurn lebende Chris Däppen ist selbstständiger Fotograf, dessen Arbeit vor allem die Bereiche Portrait-Fotografie, konzeptionelle Fotografie und das Verfassen von Reportagen umfasst. Sein Einkommen generiert er durch Auftragsarbeiten, Portraits für Firmen und Magazine, Werbung und Reportagen. Sein Atelier befindet sich in Zuchwil. 

Chris Däppen, Initiator von «Soly_darisch» Der in Solothurn lebende Chris Däppen ist selbstständiger Fotograf, dessen Arbeit vor allem die Bereiche Portrait-Fotografie, konzeptionelle Fotografie und das Verfassen von Reportagen umfasst. Sein Einkommen generiert er durch Auftragsarbeiten, Portraits für Firmen und Magazine, Werbung und Reportagen. Sein Atelier befindet sich in Zuchwil. 

zvg

Beim Namen des Projekts handelt es sich um ein Wortspiel zwischen der umgangssprachlichen Abkürzung «Soly» für Solothurn und «solidarisch». Damit will der Fotograf auf den räumlichen Bezug und die Handlungsweise hinweisen, die in diesen Zeiten gelebt werden sollte. Bisher stammen die meisten Beiträge aus der Region Solothurn, das Projekt richtet sich aber an Selbstständige und KMU aus dem ganzen Kanton Solothurn.

«Die Anonymität aufbrechen»

Als in der Schweiz die «ausserordentliche Lage» ausgerufen wurde, wollte Däppen den vielen Betroffenen helfen. Sein Umfeld zählt viele Selbstständige, was die Auswirkungen der Coronakrise für ihn schnell sichtbar machte. «Der Bundesrat redet immer von den Selbstständigen, und dass man für sie eine Lösung finden würde», erzählt Däppen. Hierbei handle es sich aber nur um eine Zahl. Deswegen will Däppen die «Anonymität aufbrechen, den Menschen hinter den Logos ein Gesicht geben und aufzeigen, in wie vielen Bereichen wir Selbstständigen arbeiten.»

Für den Fotografen ist klar, dass Kleinunternehmen und Selbstständige unterstützt werden müssen: Schliesslich «befinden sich die Betroffenen direkt hier in Solothurn und bilden das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie können mit unserer Unterstützung ihre Rechnungen begleichen – und schlussendlich sind es sie, die im Kanton Solothurn Steuern zahlen. Was wiederum uns Solothurnern zu Gute kommt.» Zudem profitiere man bei lokalen Einkäufen von Vertrautheit und guter Beratung.

Wenn du dir alle Selbstständigen und KMU aus der Stadt wegdenkst, dann bleibt eine unglaublich traurige, leere Stadt.

(Quelle: Chris Däppen, selbstständiger Fotograf in Solothurn)

Auch für Däppen hat sich seit der Ausrufung der «ausserordentlichen Lage» vieles verändert. Er arbeitet mit Handschuhen, hält strikt die zwei Meter Abstand ein und trifft die Menschen, die er für das Projekt porträtiert, immer Eins zu Eins. «Es ist sehr persönlich – und alles im kleineren Rahmen. Dies gibt einem die Möglichkeit, wirklich auf die Menschen einzugehen.»

Aus finanzieller Sicht traf der Lockdown den selbstständigen Fotografen hart, er verzeichnete praktisch einen hundertprozentigen Auftragsrückgang. Deswegen zuhause zu sitzen und «die Decke anzustarren», war für ihn aber keine Option. Mit der Aufgleisung von «Soly_darisch» konnte er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: «Ich gehe raus, ich will fotografieren, ich muss fotografieren, sonst werde ich unruhig. Und wenn ich dabei diesen Menschen auf irgendeine Art helfen kann, umso besser.»

«Wir wollen bestimmt weiterführen»

Für Däppen und sein Team ist klar: Das Projekt soll auch nach der Rückkehr zur Normalität nicht sistiert werden. Er nimmt zwar vorweg, dass der «Pace bestimmt nicht weitergeführt werden kann», man aber vielleicht einmal pro Woche eine Person vorstellen könne. «Ich selber habe vom Projekt bereits sehr viel gelernt und glaube, dass es für die Menschen auch spannend zu sehen und zu lesen ist.» Des Weiteren helfe es auch den Selbstständigen, schliesslich werde ihnen mit «Soly_darisch» eine kostenlose Möglichkeit geboten sich vorzustellen.

Das Team hinter dem «Herzensprojekt»

Mittlerweile stehen insgesamt vier Personen hinter «Soly_darisch». Däppen erzählt, dass alle Team-Mitglieder von sich aus ihre Hilfe angeboten hätten, und deswegen auch «mit viel Herzblut dabei sind.» Der Fotograf betont: «Ohne sie würde es nicht gehen. Es ist ein Gruppenprojekt, und nicht ein Einzelprojekt.» Allgemein stehe er sowieso lieber hinter, als vor der Kamera.

Philipp Brunner Philipp Brunner unterstützt den selbstständigen Fotografen im Redigieren der zum Portrait gehörenden Texte. Er ist Referent und Fachbereichsverantwortlicher Englisch an der HFW Bern. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit bietet er Kurse und Lektorate auf Deutsch und Englisch an.

Philipp Brunner Philipp Brunner unterstützt den selbstständigen Fotografen im Redigieren der zum Portrait gehörenden Texte. Er ist Referent und Fachbereichsverantwortlicher Englisch an der HFW Bern. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit bietet er Kurse und Lektorate auf Deutsch und Englisch an.

Chris Däppen
Nicolo Bernasconi Auch mit im Team ist der selbstständige Grafikdesigner Nicolo Bernasconi – Däppens Nachbar im Künstleratelier in Zuchwil. Für «Soly_darisch» setzt er die Texte ab und entwarf das Projektlogo.

Nicolo Bernasconi Auch mit im Team ist der selbstständige Grafikdesigner Nicolo Bernasconi – Däppens Nachbar im Künstleratelier in Zuchwil. Für «Soly_darisch» setzt er die Texte ab und entwarf das Projektlogo.

Chris Däppen
Jacqueline Habegger Das vierte Team-Mitglied ist Jacqueline Habegger. Sie ist für die Organisation zuständig, beantwortet E-Mails und schreibt Selbstständige an, wie noch nicht von selber in Kontakt mit dem Projekt gekommen sind.

Jacqueline Habegger Das vierte Team-Mitglied ist Jacqueline Habegger. Sie ist für die Organisation zuständig, beantwortet E-Mails und schreibt Selbstständige an, wie noch nicht von selber in Kontakt mit dem Projekt gekommen sind.

Chris Däppen

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