Solothurn
Ein Haus in Erinnerungen an Urs Jäggi (1931–2021)

Gedanken, Bücher und Zeichnungen des verstorbenen Philosophen und Künstlers werden im Künstlerhaus S11 gezeigt.

Fränzi Zwahlen
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Eine Serie von Schriftzeichen nach Jaeggis Art.

Eine Serie von Schriftzeichen nach Jaeggis Art.

zvg

Dem vielschichtigen Schaffen Urs Jaeggis in einer Ausstellung gerecht zu werden, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch haben es die Ausstellungsmacher Peter Trübner, Anna Bürkli und Roberto Medici gewagt und zeigen in den vier Räumen des Künstlerhauses S11 wichtige Stationen des Schaffens des am 13. Februar dieses Jahres verstorbenen Solothurners.

«Es ging in erster Linie darum, das literarische Schaffen von Urs Jaeggi in einer Ausstellung während der Solothurner Literaturtage und noch ein paar Wochen darüber hinaus zu zeigen», erzählt der in Biel lebende Peter Trübner. Er selbst war Student bei Urs Jaeggi in seiner Zeit als Professor für Soziologie an der Freien Universität in Berlin. Seither verband die beiden Männer eine Freundschaft.

Urs Jaeggi, 1931 in Solothurn geboren, absolvierte zunächst eine Banklehre, studierte dann Ökonomie in Genf und wandte sich später der Soziologie zu. Ab 1972 war er Ordinarius für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Schon in seiner Lehrzeit in der Bank begann Jaeggi Gedichte und Geschichten zu schreiben. Als Professor für Soziologie verfasste Jaeggi verschiedene wissenschaftliche Arbeiten. Sei es über Kunst, über den Vietnamkrieg, über die Arbeit im automatisierten Büro.

Daneben war er aber auch als Romanautor erfolgreich. 1981 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis und war 1986 Gastdozent für Literatur an der New York University. Ab 1985 begann er auch, bildnerisch zu arbeiten. Typisch sind seine an Buchstaben erinnernde Zeichen. Zeichnungen und Blätter, Lyrik und alle Buchveröffentlichungen sind nun in dieser Ausstellung zu finden.

Zu sehen ist auch eine «Sternstunde» des Schweizer Fernsehens von 2001, in der Jaeggi zum Thema Verrat spricht. Eine Hörinstallation mit Gedanken Jaeggis, welche die Jazzband Sonar vertonte, rundet die Erinnerungsausstellung ab.

Die Ausstellung ist noch bis am 13. Juni zu sehen.