Konzert
Die Stadtmusik Solothurn zeigt ihr Tierleben am Winterkonzert

Brems Tierleben ist bekannt. Aber auch die Stadtmusik Solothurn hat eines. Nicht ganz so umfangreich, aber ebenso farbig – klangfarbig allerdings, mit welchem die Stadtmusik Solothurn an ihrem Winterkonzert die Zuhörer bezauberte.

Mark A. Herzig
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Am Winterkonzert konnte die Stadtmusik ihre Stärken voll ausspielen. hansjörg sahli

Am Winterkonzert konnte die Stadtmusik ihre Stärken voll ausspielen. hansjörg sahli

Solothurner Zeitung

Ein paar Seiten davon, sorgfältig ausgelesen von Dirigent Dimitri Vasylyev, schlug sie an ihrem Winterkonzert zum Wohlgefallen der Zuhörenden auf. Umgeblättert wurde von Fredi Salvisberg, der durch das abwechslungsreiche Programm führte. Nachdem die Stadtmusik mit einem guten «gut» im Unterhaltungsmusik-Wettbewerb vom eidgenössischen Musikfest in St. Gallen heimgekehrt war, mochte sie diesen schmissigen Leckerbissen ihren Ehrenmitgliedern, Gönnern, Passivmitgliedern und weiteren Freunden konzertanter und unterhaltender Harmoniemusik nicht vorenthalten. Sie brachte das vollständige Programm, das den Titel «Zirkus» trägt, auf die Konzertsaalbühne.

Tierwelt von Komponisten

John Philip Sousa und Julius Fucik, der eine in den demokratischen USA (Washington), der andere im Prag der Donaumonarchie geboren, dürfen trotzdem als geistesverwandt bezeichnet werden. Bekannt sind beide ihrer Märsche wegen. Sie setzten denn auch die Eckpunkte im Winterkonzert der Stadtmusik. Ganz am Anfang stand Sousas Marsch «The Invincible Eagle», am Ende des ersten Teils Der alte Brummbär», eine Humoreske von Fucik. Der Unterhaltungsteil mit dem Motto «Zirkus» eröffnete – und daran kommt kaum je ein Zirkus vorbei – mit Fuciks «Einzug der Gladiatoren». Wie der Adler hiess er ursprünglich anders. Eine dritte Bezeichnung «Zirkusmarsch» ist an den «Gladiatoren» hängen geblieben, ohne dass er je so geheissen hätte.

Im ersten Teil tummelten sich noch Haie (John Williams) sowie tanzende Wölfe (John Barry). Ferner lieferten sich, geschrieben von Jerker Johansson, Ente und Specht ein Duell. Als Kontrapunkt dazu glitt sodann vor dem geistigen Auge geneigter Zuhörender der Schwan aus Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere» über eine spiegelglatte Aare – ein gelungenes Arrangement von Darrol Barry, mit viel Gefühl vorgetragen.

Brillante Solisten

Ein Bravourstück dann für den Dirigenten und Solisten Dimitri Vasylyev: «Le Canari» von Miron Poliakin. Dieser Kanarienvogel ist ursprünglich für Violine geschrieben, ganz auf die Brillanz eines Zigeunerprimas ausgerichtet. Aber es geht auch auf der Es-Klarinette, wie Vasylyev in der von Luini arrangierten und von Urs Frikart instrumentierten Version bewies; das Korps wurde dazu von Vizedirigent Hanspeter Däppen akkurat geleitet.

Im «Alten Brummbär» stehen sich Fagott und Tutti im Dialog, manchmal im Streitgespräch gegenüber. Debra Marti glänzte als Solistin und liess sich als «Brummbärin» nicht aus der Ruhe bringen, wobei die Stadtmusik, von Dimitri Vasylyev klug geführt, nicht zu dominieren versuchte. Beim amüsanten «Ente und Specht» übernahm Patrick Schwarz gleich beide «Solostimmen». Solistische Qualitäten waren zudem innerhalb der Register gefragt – ein Genuss, zuzuhören.

Die leichte Muse im Zirkus

Kaum waren Fuciks Gladiatoren eingezogen, machte sich Henry Mancinis Baby Elephant aus dem Film Hatari auf seinen legendären «Walk». Leonard Bernsteins «The Wrong Note Rag» forderte wiederum die Register einzeln und im Tutti – eine nicht ganz einfach zu lösende Aufgabe, auch in rhythmischer Hinsicht. Dass die Stadtmusik dafür ein Gespür hat, zeigte sich auch in «Rock Trap» von William Shinstine.

Was wäre ein europäischer Zirkus ohne Paul Burkhards «O mein Papa», wenn man ihn auch eher mit Lys Assia als in Hardy Schneiders Arrangement für Harmoniemusik kennt? Weiter gings in die Wüste, wo galt: «The Lion Sleeps Tonight», um sofort ins Dschungel(buch)-Millieu zurückzukehren. Unter fulminantem Donner und Blitz von Johann Strauss und mit dem «Salto mortale» von Rolf Hans Müller wurde das Programm beendet. Den «Solothurnermarsch» dirigierte unter grossem Applaus Robert Spalinger zum Abschluss seines 67. und letzten Winterkonzerts.

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