Normalerweise läufts umgekehrt: Man bewirbt sich mit Demoaufnahmen bei Plattenfirmen, nimmt tapfer Absagen in Kauf und stösst dann auf wortwörtlich offene Ohren – irgendwann. Ganz anders verhielt sich die Sache, als im vergangenen Jahr bei Solothurner Altrocker und Killer-Gründer Crown Kocher das Telefon klingelte: «Hättet ihr nicht Lust, eine neue Platte zu machen?», wollte der Produzent der deutschen Plattenfirma Bellaphon wissen. Für Kocher «ein Gefühl wie Weihnachten!».

Man hatte in den Archiven der Firma nach verstaubten Aufnahmen gesucht und war dabei auf Killer gestossen, eine Schweizer Rockband aus Solothurn (siehe Kasten). Nach einer eingeschickten Demo mit neuen Songs folgte die Zusage: «Legt los!» Zudem wurde von Bellaphon parallel zum neuen Album in Aussicht gestellt, die alten LPs tontechnisch aufzupolieren und 2011 nacheinander zu veröffentlichen.

Unzimperlich und gradlinig

«Und für unsere neue Scheibe sind wir jetzt im Studio», freut sich Kocher. Die ersten drei Songs sollen Ende Januar pfannenfertig sein. Die neue Bandzusammenstellung passt für ihn: «Ich habe bei der Selektion ein sehr engmaschiges Qualitätssieb angewandt. Das Resultat: gradlinige Musiker, welche die notwendige Professionalität an den Tag legen.» Der Arbeitstitel der reifenden Scheibe lautet «Pure Dynamite», ebenso wie einer der Songs, der klingt wie «drei Minuten Kalaschnikow». Damit soll ein roter Faden, man könnte auch sagen eine Lunte, für das explosive Werk gelegt werden. Durch die Zündschnur soll insbesondere auch der Funke der 80er auf den neuen Killer-Stil überspringen. Explosiv geht es zeitweise auch auf der Bühne zu und her, da fliegt zur Untermalung des treibenden Rhythmus schon mal was in die Luft. Der Hang zum Kriminalistischen kommt bei Killer indes nicht von ungefähr: Seit Anbeginn ein unverkennbares Markenzeichen ist Kochers Knastvogel-Look, den er auf der Bühne zur Schau stellt.

Auch Machogehabe muss sein

Showelemente, die vor der Bühne für einen bleibenden Eindruck sorgen, enden bei der CD natürlich spätestens auf dem Coverbild. Ergo: Der konservierte Klang muss die Live-Stimmung wettmachen: «Das tun wir, indem wir ganz einfach so spielen wie live. Im Tonstudio geben wir volle Pulle.» Mit dem Pegel wird da nicht gegeizt, und ebenso kommen auch alle anderen Rezepte eingeweihter Hardrocker zum Zug.

Babyboom dank Killer-Ballade?

Nur so viel verrät Kocher über die geheimen Künste: «Der Sound ist voller Energie. Und unverzichtbar ist auch das Machogehabe, wie es von uns erwartet wird. Einen auf dicke Hose machen ist ja schön und recht, aber was dann kommt, muss auch dicke Hose sein.»

Doch sie können auch sanft, wenn auch der dazu nötige Beweis schon 20 Jahre zurückreicht: So bildete sich dank ihrer Ballade «Crystal Butterfly» von 1981 später sogar in San Antonio, Texas, eine Fangemeinde. Über Umwege war der Song über den Atlantik gelangt und für ein verliebtes amerikanisches Pärchen zu «unserem Lied» geworden. Wie Kocher gehört hat, sei auf der Grundlage von «Crystal Butterfly» schliesslich auch ein Töchterlein hervorgegangen. Eine Ballade gehört auch auf die neue Scheibe, betont der in Erinnerung schwelgende Kocher, ohne dass der «Baby-Effekt» zwingend sein muss.

Ob balladesk oder temporeich, für Crown Kocher ist auch noch nach 30 Jahren ein jugendlicher, gesunder Übermut spürbar: «In mir brennt das Feuer nach wie vor.» Für die Zukunft zeigt er sich bescheiden hoffnungsvoll: «Wie wir, sind auch unsere damaligen Konzertbesucher nicht mehr die jüngsten. Aber wenn wir nun unsere Stammfans mobilisieren könnten, würde uns das sehr freuen.»

Infos: www.killermetal.ch